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Full text of "Josi : Drama in fünf Akten"

PT 
2625 
E22 
J6 



3ofi 



93on So^anne^ 9?id)art) jur ^Zegebe 
jtnt) im gleid^en OSerlage erfd^ienen: 

^töntet. Stü^ling^tagc in St. Surin — 
Sd^lo^ ?:ombron)ö!a. 6. ?:aufcnb. 
©e^eftct 9}?. 3.—, gebunden 9K. 4.— 

Unter Sigeunern. 9?oman. 4. <2Iuflage. 
(6. ?:aufenb.) 

©e^eftet 9J?. 3.-, gebunden 90^.4. — 

Quitt 9\oman. 13. ?:aufenb. 

©e^eftet 9K. 5.— gebunden 9)^ 6.— 

93on jarter Äanb* 9^oman. 2 ^änbe. 
6. Sluflagc. 

©e^peftet 9}^. 6.— gebunden 9)^. 8.— 

^elicie. ^uö ben Briefen eineö ^^oren. 

5. Qluflage. 

©e^eftet 9)^. 4.—, gebunben 9)?. 5.— 

®ag 93linffeuer i)on 93rüfterorf. 

6. Auflage. 

©c^eftet 9}^. 3.—, gebunben 93^. 4.— 

Arianen unb anbere 9^ot)eüen. 5. 2iuf(age. 
©et)eftet 9)^. 4.—, gebunben 9)L5.— 

®er Heberfater. 9^oman. 6. 2iuflage. 
©e^eftet 9}^. 5.50, gebunben 93?. 6.50 

9)^obefte. 9?oman. 6.-8. ?:aufenb. 

©e^eftet 9R. 4.—, gebunben 9«. 5.— 



Soft 



®rama in fünf ^ttm V)on 




QtuttQüvt unb Cetpäig 
<S)eutfd>e 93ertagg-^nffalt 

1906 






•^Iße 9?ed)tc t)orbc^altcn 



®en '23ü()nen gegenüber 
al^ 9}?anuffnt)t gebrudt 



Rapier unb ®rucf ber 

®eutfrf)en Q5erlag^-<2lnfta(t 

in Stuttgart 



95aron ^v^^ tjon Mttfvnm 

Baronin ^o}i tion Mt^vurn, feine ^rau 

§atttt§ SlJarta @bler tion WUvi 

lyreb @raf 9te^rtng! 

Grna t)on SScipfirc^, 3iop (2(f)U)efter 

tgjcrr tJOtt ©ritt, genannt ber ßl^eüatier 

Dr. jur. 'oon ^aföttJ 

@bgar unb ^arrt)^ g^rau t)on SBeiBürd^g ßinber 

®out)ernante 

2ltät 

Dberfellner 

ßammerjungfer 

50lei)rere 58abegä[tc 

Drt ber §anblung: SSorne^me^ 3torbfee6ab 



(grfte ßgene 

©raf Sf^e^riitö!. (S:^eöalier. (Xte beiben §erren auf einer 
nadj ber See ge^enben ^erraffe eine§ §otel^ im ©efpräd^.) 

SJlefittngl 
3ia, teurer (Sf)et)alter ... 

t)on Srin 
?la, t)eref)rter ®raf ... 

9U t) r i n g I 
©ie ftnb amüfant jum Xottad^en. 

t)on @rin 
3um Zotlaäjtn atterbingS. 

?le^rxng! 
SJlee, S^eüatier, ba^ ift mein f)eiliger Srnft! SBenn 
xd) mit 3i^n^i^ jufammen bin, amüfiere id^ mid) immer 
gottt)ott . . . 2ßie lange faf)en tnir un§ bod^ eigentlid^ 
ni(^t? 

t)on ®rin 
Jlid^t bie Bla^tane 9lf)nung. 

?ie{)ringf 
Serftel^e! ßopfred^nen bei S^nen nie ftarl. 9lber 
ateligion unb Singen tabeltog ... 3la, Migion — ba§ 



8 ßxfter Slft 



tDtH xd) ntd)t mal fo fd^roff l^in [teilen, ©ingen jebenfattS 
I mit 3lu§äeid^nung . . . Uebrigen§ ©d^erä betfette, ^ä) 
tüitt Syrern feiibalen ©ebäd)tnt§ auft)elfen. 6§ mögen 
brei ^ai)xz I)er fein, ba^ tt)ir nn§ ni(^t fallen. 3n ben 
brei 3tö^^en finb Sie bebeutenb jünger unb id) bebeutenb 
älter gett)orben . . . {2a(i)t leife cor fid^ i)in.) Sßenn id) Sie 
mir mal fo trieber fünf OJlinuten lang ruljig anfe^e, 
65et)alier — jum §eulen einfad^ ! . . . ßegen ©ie ben 
Itaffifd)en 3^u| and) nod) ein !(ein bi^dien 'rüber ! . . . 
©0, e§ ift fd)on tüunberfd^ön . . . ©elbftüerftänblid) Sad 

— bann f($ottifd^e ©eibe — nnb bann ber S^enniSanjug 

— nnb bann bie |)oIierten klaget . . . ®a§ !enne id) 
eigentlid^ aEe§ fd)on t)on früt)er. 5lber tvo I)aben ©ie 
benn bie {galten gelaffen — tüiffen ©ie, bie Keinen, feinen 
ßebemann^f alten, fo nm Singe nnb ©d^läfen, taufenb 
minbeften§, eine immer bid^t neben ber anbern toie ein= 
ge|)lättet? ßf)et)alier, ©ie l)atten bie fjalten ja fd^on, al§ 
mir beibe nod^ ©d^nljnngen toaren. i^e^t finb toir an 
SSieräig. Unb id& fnd)e fie bei 3l)nen t)ergeben§ . . . 2lIIe§ 
mit 3f^rer berüf)mten ©efid^t^maffage toegbefommen ? — 
Ober foEte ©ie allmorgenblid) ein grifenr fallen? 

öon ®rin 

(Ieici)t gereist) 
5lber ©raf, erlauben ©ie mal! 

3iel)ringf 
9Jee, nee, ic^ erlaube S^nen gar nid)t§! ;3ebenfaII§ 
nid£)t, ba^ ©ie pifiert trerben. — (£§ ift ja al(e§ ber 
gelbgrüne 3ieib, 6l)et)alier. ©ie finb ))ofitit) jum a}er= 
lieben, tric ©ie je^t ati§fel)en. Unb mnn id) ein 3Jtäbel 
toäre . . . ©d)limm für ©ie, ba§ id) Iein§ bin! — Senn 
fo frage id) mid) nur ffeptifd): ;3ft benn bei unfereinem 



ßrfter 9l!t 



bie ganje Tla^ttxabt übexl^aupt bte S)ema§Iterung tt)ert? 
3um aSeifpiel bei S^l^^n, ßl^eöatier — tüas beftnbet fi(^ 
unter bem tüxlijd) feibenen §emb fd^arf Urt!§ t)om SÜtagen? 

t)on ®tin 
93erftel)e abfolut ni($t, vorauf ©ie fimaustrollen, 

©XQf! 

Jlel^rtngf 

S5ieIIei(^t je^t. Ober tt)a§ befinbet ftd) unter bem 
!urä9efd)orenen ©d^opf, bem aud) nod^ ni($t ein einjige^ 
§aar fel)lt — tro^ einer ätüifcf)en Seuen unb SBeibern 
tijxiiä) geteilten ^ugenb? . . . (Sarfienb.) ^ßrei^frage, Sf)e« 
Malier, ißrei^frage! — Sßiffen ©ie? — ^ä) treiB aud) 
nid^t . . . 

t)on Srin 
(aufftef)enb) 

^äj t)er[te!^e ©ie no(^ n)eniger, §err©raf! 3d^ t>er= 
ftel)e nur, ha^ ©ie in ^l^rer alten SJbnier mid^ tier« 
albern tooUtn. fangen ©ie alfo mit fold^en ^Preisfragen 
lieber bei fid£) felber an . . . 

5tel)ringt 

(bcn 2ötbertt)iIItgen beim S(rm ergreifenb) 

2td^, nun trirb er ernftlidE) bö je ! — ?iee, 6f)et)atterd^en, 
ba§ bürfen <2ie nid^t! . . . Sippen ©ie lieber auf ben 
eteftrifd^en ßnopf t)tnter ^ijmn unb beftellen ©ie harten 
3um SJlacao! S)er ©a^^ aber nid^t über einen Cffiäier§= 
bl^ater . . . harten fefligten ja immer tüieber unfern 
lodEer trerbenben {yreunbfd^aft§6unb. 

t)on ®rin 
?iee, idE) banfe ergebenft. (^er^^ecaUer wirb aber njieber 
jugänglic^, al§ bie harten erfdEjeinen.) 



10 ßrfter 3lft 

9ie]^ring! 
2l6er S^et)alier(f)en, feien ©ie bod) frieblid) ! . . . i^d) 
l^abc mid) nämlid) fd^fagrül^renb über irgenb jemanb 9e= 
ärgert unb tüerbe mid^ tDalirfd^einlid^ nod^ miijx ärgern. 
®a tä^t man benn feinen ©roU grab an S^reunben n^ie 
©ie aus. (Sie fe^en fid^ jum 2}lacao jured^t.) 2lIfo tjeben Sie 
ab ! . . . Keiner ®d)Iag . . . Unb in ben ?Pauf en erjäl)len 
©ie mir bie @!anba(d^roni! biefe§ §otel§. ^d^ fd)lafe 
3ff)nen fonft ein. QdE) bin nämlid^ bie ganje Stad^t burd)= 
gefal^ren unb ben I)alben S^ag audf) — btofe um ©ie gu 
fetjen. (Spielen weiter.) 

Don Srin 
©ro^er ©cf)tag. 

3iei)ringf 
Sitte. 

tion ®rin 
Äaufe. 

D^e^ringl 
ßaufe aud) — tot. 

t)on ®rin 
. . . ßaufe ntd^t. — 

$Jle]^ring! 
©ecfjg. 

t)on ®rin 
©ieben. 

Jiel^ring! 
kaufen ©ie? 

t)on ®rin 
5iid^t um einen Söalb öoll 2lffen ! — ©ro^er ©d)tag . . . 
©ie t)aben bod) boUeS 5ped)! 



grfter 3lft 11 

9icl)ringf 

(ironifd^) 

2lber bafür ba^ ©lücf in ber ßiebe! 

t)on ®rin 
SJla — ha feien Sie man öorfid^tig ! . . . ®§ finb 
jd^on 3kci^ttr)äcf)ter bei S;Qge geflorben . . . 

?ief)ringf 
aOßiejo, Sf)et?alier? 

t3on ®rin 

Sd^ tpill nijd^t gejagt l^aben . . . Seebäber finb ©ee= 
bctber . . . 

9lel)ringf 

^d) beginne ju begreifen. Unter ben t)ielen getoet^ten 
§irfcf)en tjierjulanbe l^aben Sie einen ganj befonberS 
lapitalen Dftenber gefpürt, ber nod) baju feinen ©tanb= 
ort l^ier im §otet ^at — nid^t traf)r, S^eöalier? . . . 
S)a§ ]d)xtdt xaxä) gar nid^t! S)enn jnm ©etrei^ fel^It 
mir t)or allem bie angetraute ^rau . . . Sllfo, wa^ iff ^ 
nun mit bem §irfd)? — ©(gießen Sie loS! 

t)on ®rin 

(serftreut) 

®g Xüax ja nur fo 'ne ?Reben§art . . . ©Ott fei ßob 

unb 5ßrei§!urant, icf) tjaV e§ mit ber {?ünfe nodö ge= 

mad^t ! . . . SIber Sie taufen fidf) ja regelmäßig tot, ©raf . 

2luf ^ne SedE)§ lauft man boc^ nid)t me^r. 

?i e l) r i n g ! 

(glet(^gültig itieiter gebenb) 

©roßer Sd)tag. Sef)en Sie — Snbe gut, atle§ gut . . , 
2lber nun fünf $)ünuten ^ßaufe. 



12 (Srfter 2lft 



t)on ßrin 

(ben 8d)nurrbart brel)enb. nad^ einer Söeile) 

©te !ennen bod) tneinen 95etter SüJlel^rum? 

Jtetjringf 

(ba§ @ö!)tten unterbrücfenb) 

^ä) erinnere mtd^ nt(f)t . . . 9Jlet)rum — 9)te{)rum ! . . . 

Sld), ba^ ift ja tr)ol)l bte famoje Samilte mit ben ^tüd 

Sinien, ber ort^ograptjifd^en unb ber nnortt)09ra|}I)ijd^en. 

t)on ®rin 
SOßa^ ift bQ§ tt)ieber für 'ne ©efd)i(^te? 

Jiel^ringf 
©el^r einfad^. ®ie einen fönnen nm§ 35erenben ni(f)t 
ort{)ograp{)ifd^ fdjteiben, ftnb aber bafür gott^iämmertid^ 
bnmm nnb fromm. Unb bie anbern fd)reiben tabetloS, 
finb !tng nnb falfd^, aber an§ ®efnnbt)eit§rü(fft(f)ten and) 
fromm, ^offd^ranjen finb nämlid^ aße beibe . . . (^em 
anbern freunblid) auf§ ^ein üopfenb.) 3u toeldjer ßinie get)Ört 
benn nnn Sf^r t)erei)rter §err Setter, Sfjeoalier? 

t)on ®rin 
3n feiner t)on beiben . . . gabell^aft anftänbiger ßerl, 
t)ornel^me SRatnr. — 6§ ift ber 93aron O^ri^ t)on aJlel^rnm. 
Jtebenbei gefagt, ber reid^fte — überall fel)r fd^öne ©üter, 
namentlid) im Often. 

?lel)ring! 

(fxd^ über bie ^f^afe ftreid^enb) 

n% fiel) ba! @§ toarb ßic^t — Sriebric^ »ngnft 

5lbalbert §einridö 2ld)a^ ßajetan Sreif)err t)on SDlel^rnm ! 

®§ ift ber SDlann mit ben meiften 93ornamen im Sentfd^en 

9teid)e. 5iatürlid^ fenne id) it)n. Sßar U^eit befannt nnter 



ßrfter 2lft 13 



bem nom de guerre : ©l}noben6aron . . . ®r füf)rte ba* 
malö irenigftenö ein je^r n)ürbi8e§ ßeben — er tat näm= 
lid^ nodö UJeniger al§ ©ie, S^eüaUer, aber jum Unter* 
f(f)teb t)on 3f^nen aud^ nid^t^ @(i)(e(i)te§ . . . (Sautio§ auf^ 
lac^enb.) ©tjnobenbaron ! Herrgott, toit Hein bie Sßelt 
bod^ ift! . . . S)a^ (Sie mic^ grabe auf btn bringen 
muffen, S^eDalier . . . (5ür firf).) j?ert tt)ar nifd)t, tat nifd^t. 
(Sauter.) 9lur auf ben ^ßroDinjialfljnoben , ba ftanb er 
feinen 9Jiann — Sine grande passion , eine tt)irftid^e 
ßeibenfc^af t ! Ungefäf)r fo tt)ie bei .^l^nen bastenen unb 
bei mir ber Sport . . . ^d) l^abe ja mit bem brat^en g^ri^ 
in ber 6f)oraIa6teilung ber @l}nobe äufammengefeffen. 
Stellen Sie ficf) midE) mal in ber ßl^oralabteilung einer 
©l)nobe t)Or, 6f)et)a[ier! (6:^eüalier lächelt fauerfül.) ^l)X 
§err Söetter mar ba ganj unfehlbar . . . Sie !önnen fidf) 
übrigeng berubigen: er ift t)on ber unortf)ograp]^ifdE)en 
öinie — SBie oft f)abe id^ nxäjt ju xijvx im Sd^erj ge= 
gefagt: 9Jlef)rum, ricf)tig fd^reiben fönnen Sie nid^t, unb 
ba^ Sefen mli id) barum nid)t erft prüfen — aber fingen, 
fingen! ... ^a, ba§ ift n)irMid[) nocf) alter 5lbel, 
S^eoatier ! — unb bie Singantage, bie f ommt ganj ent= 
fd)ieben t)on 3f)rer Seite! . . . Slber fonft ein lieben§= 
ujürbiger, anftänbiger SKenfi^, ber nid)t§ flbelnaf)m. 
®ben, n)ie gefagt, ein bi§d)en bumm unb ein bi^d^en 
aSorfic^tSme^er . . . 2er ift alfo {)ier? SBir trerben un§ 
jur 9lot fc^on nod^ toiebererfennen, obgleid^'ö tiiete ^atjre 
^er finb. 

t)on ®rin 
3a, fie finb fo fed^g ober acbt SBod^en l^ier. Sänger 
at§ id). 

DUtiringf 
aSerl^eiratet natürlidE)? 



14 (Sxfter 2l!t 



t)on ßrin 
©ogar fel^r fd&armante junge grau . . . 2lllerbiug§ . . . 
§m, ]^m — 

?ief)rtngf 
§m? — SJietteid)t anä) tüegen aU^n alten 5lbel§ beS 
Sefen^ unb ©d^reibenS unfunbig? 

Don ®rin 
(ftar! pütett) 
©raf, ©ie f)aben je^t eine merftüürbige Slrt, unfre 
alten Familien I)era6äUäief)en . . . 

9iel)ringf 
3lnx f(f)etnl6ar, lieber 6]^et)alier. 3d) fd^nitte mid) ja 
in§ eigne gleifd^, ba id^ einer ber älteften felbft an= 
ge{)öre . . . (9lad) einer ^:paufe.) Unb tt)er ift benn ber an« 
ertannte Sourmad)er ber |el)r fd)armanten jungen tJrau — 
„allerbing§ . . . t)m, I)m"? 

i:)on ®rin 
(nerüö§ ujerbenb) 
Sliiemanb . . . 2öir treffen un§ i^htn Dkdimittag Ijier 
auf ber ^erraffe. Sine fel^r Heine biftinguierte @efell= 
fdtiaft . . . ^thtn SlugenblidE fann einer t)on ben §err= 
f(^aften !ommen . . . ®ie iDerben natürlid^ mit il^nen be= 
!annt merben . . . aber I)aben ©ie bie ®üte, ^^re Sunge 
ettua§ me^r im S^^nrnz ju f)atten. ^d) I)abe mdE)t§ ge= 
jagt, abfolut nidf)t§! . . . 23erftef)en ©ie? 

?let)ringf 
JöoHIommen. 9ludE) burd^ bie längfte @rääf)(ung, 
ßl^etjalier, l^ätten Sie mid^ nid)t beffer orientieren lönnen 
al§ burd^ ba^ afgentuierte : „^ä) ^abt nid)tg gefagt, ab= 
folut ni(^t§" ... Unb mt ift bie ©efellfc^aft fonft? 



®r[tcr 2tft 15 

t)on Srin 
(eifrig) 
2lIIe§ tabellofe Seute. ßetn etnäiget Sürgerli(f)er. 
2Bir ijobm, tüte gejagt, in biefetn 9?tefenl^ioteI unfextt 
üeinen ejIIufiDen Sitfel! 2ßirf(tcf) riefig nett! 

?lel)ringf 
Unb fein einjige^ röubigeg ©d^af babei? ^äj mn^ 
bod) au fait fein, SJ)et)atier, el)e ®ie ntid^ t)or[teIIen. 

t) n 6 r i n 
9lalürli(^ finb unter einem Su^enb DJlenjd^en einem 
nic^t QÜe gleidö fl)mpatf)if(^ . . . :S^m SBeifpiel ein §err 
t)on 3!}iori ... 3^ ^^^^^ ^^n Flamen nid^t. ^d) l^abe 
tiergebenS nad) if)m in ber a^fanglifte gejud)t. ^ä) tüill 
3if)nen ef)rlid^ jagen, ©raf, e§ ift eine mir ettnaS ätx)eifel= 
I)Qfte Sriftenj . . . Sogen ©ie mal, gibf§ eigentlicf) ben 
Slbel 3Jloxx ü6erI)Qn})t? — 6r joE mal SRennen geritten 
l^aben jrüf)er — er jpricf)t tüenigftenö t)on 5Pf erben, aU 
toenn er n)Qö bat)on t)erftänbe . . . (Seftimmt.) ©en DJlori 
lann id) aßerbing^ nid^t leiben! ^ä) mQdt)e aud) lein 
§et)l barau^. 3i<i) • • • i^ (ftottemb) . . . 

5i e ^ r i n g f 
(mit ironifc^er (Belaffen^eit) 
Sie Sbeln öon 3!Jlori jinb, jotreit id) n)ei^, eine gute, 
alte Samitie, reid^lid) jo gut unb ]o alt tt)ie unjre beiben, 
mein lieber StjeDalier. SBenn id) mein (Sebäd^tniö an= 
ftrengen trürbe, fönnte id) 3f)ren 2Jtann t)iel(eid)t au(^ 
unterbringen. ((Sd^axf ju bem anbem l^inüberfc^enb.) Stljo 
ba§ ift ber 3Jlann, ber im SJegriff ift, 3f)rem §errn 
Soufin bie — . . .? 



16 grfter 2lft 



t)on ®rtn 

(i\)n rafd^ unterbred^enb) 

Sitte, menagieren ©ie fid^, ©raf! — ®a tommen 
ftf)on einige ^errfc^aften. 



3tt)eite Sjcne 



^Borige. ^ofi. 3RcI)rum. ©ouüernantemit^arr^ unb 
(Sbgar. @inigeS3abegäfte. 

t)on ®rtn 
(Söäl^renb einige S^abegäfte vorübergehen, grü^t ber ß^^eüalier mit 
einer fialben eleganten SSerbeugung jurücf. ^asroifd^en raifpert er 
i^alblaut bte S^^amen ber ^ommenben) 
§err Don . . ., S^tan Don . . ., ©i^äellenä Don . . ., fyrei« 
^err Don . . ., toeimarifcJier ßammcrf)err . . . ©ott idf) @te 
aber ni(f)t gleich Dorftetten, lieber ©raf? 

9tef)rtngl 

(abrae^renb) 

aBoju bie Uefierftüräung ? ^d) mu^ mir boä) meine 

Seute erft anfel)en. §aben ©ie feine Slngft, S^eDatier, 

ic^ trerbe f($on befannt loerben, mit einigen DieIIei(f)t ju 

fiefannt . . . 2öo bleiben aber eigentlitf) ^fjxz SDle^rumS? 

Don ®rin 
SBnnbere mid^ and), ba^ [le nod) nid)t ba finb. 
.Kommen aber tobfid^er . . . (§aibiaut.) S)a — ba ! . . . 
2)a§ ift mein Söetter. 

9U ^ r i n g f 

(einen ^ugenblicf ba^ ^onoUl einflemmenb, um e§ fofort mieber 

fallen su laffen) 

S)er Sl)nobenbaron — iä) bin ganj fidE)er . . . 23or= 

läufig fenne idf) xi)v. aber nod^ nid^t, 6f)eDalier, Der= 



grfter 9ltt 17 



ftanben? . . . Unb bte fef)r fc^armante iunge Jrau — 
^^QÜerbingS . . . I)m, f)m"? 

tion (griu 

(lächelt nur. D^acf) einer '4-^aufe erfc^eint eine fef)r biftinguierte 
^ame, noc^ jung, mitfaft mäbc^en^after 2(nmut in ben S3en)egungen. 
<3:er Sf)eöalier gang leife) 
2^00 . . . 

3i e f) r i u g f 
(ber ba§ $D^onofel rcieber eingefniffen l^at) 
3ft fie ! — 3d) a{)ne . . . Unb nun benfen ©ie 
mai fünf OJtinuten, td^ fei pure Suft, Sfieöalter! ®ie 
grau tntereffiett miäj. (Schaut frf)arf unb unüerrcanbt burd^ 
t>a^ ©Iqö. ^Ißä^renb bie ^ame über bie ^erraffe fd)(enbert, fc^auen 
i^r aüe unauffällig nac^.) 

Soft 

(fragt nad^ bcm 3:ifd^ ()inüber, wo bie beiben fi^en) 
ßarol, ijobtn Sie meine ©c^njefter nod^ nid)t gefefien ? 

öon Srin 
(aufftel)enb) 
©ttratten ©ie bie 2)Qme ^eut fcf)on, S^U? 

Soft 

(Iebf)aft) 

Slber gelüig! Sie ift mit btm SßittagSjuge gefommen. 
SBir fprad^en ung fd)on einen SKoment. ©ie ijat fic^ 
nömüd^ ganj plö^li(^ für bie Saf)rt entfd^ieben. 2tuc^ 
i^xe beiben Suben f)at fie mitgebracht, ^c^ erjä{)tte 
Stritten tüoiji fd)on oft öon if)nen. gg finb jtüei un» 
ge^euerlic^ ungezogene SengetS getoorben — aber id^ 
{)a6e fie bocf) furd^tbar lieb, (^er (E^eoalier tria p feiner 
^oufine hinüber.) D bleiben Sie nur, bleiben Sie nur, 
ßarol! (9)Ht einer anmutigen Bewegung 5U bem gremben f)in.) 

3ofi 2 



18 ©rfter 2llt 



5ßarbon, id^ Bitte f el)r um Säerseil^ung ! (dU^xinql ber ftd) 
fi^enb, aber tief üerbeugt, fd^aut auc^ ber SOßegge^enben roteber 
unt)ent)anbt burcf) ba§ ®Ia§ nad^. Soft tritt ju ber anbern ©ruppe, 
bie um einen 2:ifd^ ftel^t unb auf§ 9)leer fielet.) 

Don ®rin 
Slber tüarum finb ©te eigentUd^ fo fabetfiaft äurü(f= 
l^altenb, ©raf? 

?ief)ringf 
S)a§ bin iä) bodt) ju Slnfang ftet§. 

t)on ®rin 
SBie gefäKt S^nen meine ßoufine? 

?iel)ringl 
aOßeife nodö nid^t. SBarte nodö auf bie @d)tt)efter unb 
ben §errn t)on Sölori. 

t)on ®rin 
(neroög la^enb) 
©ie finb bod^ ber alte ©pa^öogel, ©raf! . . . ®ie 
@df)tr)efter fenne id^ übrigen^ felbft nod) nid)t. ©ie ift, 
glaube id^, feit einem l^alben ;3al^r SBittüe. ©oö fetir 
fd^neibige ©portbame fein, ganj anber§ toie St^fi . . . 
^äj bin aud) neugierig, (^te anbre ©ruppe unterhält fi^ je^t 
felir IebE)aft.) 

Sinige Stimmen 
®§ gibt 'n ©türm. — §offentlid^ einen ftarfen . . . 

Sofi 

(beutlid^ mit l^eller ©timme) 

D, id^ freue mid^ rafenb auf ben ©türm — rafenb! 
<öie lac^t babei nert)ö§.) 



grfter 2lft 19 

(^ie beiben §evren finb inbe§ aufgeftanben unb gef)en auf unb ab, 
um enblic^ roieber auf einer 2;erraffenbrüftung abfeit§ $(a^ gu 
neE)men. '2:er (£f)eüalter erjöf)!! irgenbeine 5(ne!bote, ber @raf 
lad^t baju, of)ne fjinju^ören, noc^ immer unoermanbt ha§ ^uge auf 
Sofi gerid)tet. 3"5n)ifd)en fommen jroei ^albn)üd)fige Sungen^ im 
©tranbfoftüm mit roten ^üUn gefprungen unb rcoHen gleich an 
ha^ SReer l^inunter.) 

®out)crnante 

(bie ben ;3ungen§ folgt, ruft itjnen nad^) 

§arrl), ßbgar, feib bod) nid^t fo furd)tt)ar n)i{b! 

(für n*) 
U(S) tt)a§! 2iae§ @d)af! . . . 

S b g a r 
®te aJlama nlauW^ un§ ja boc^ . . . 

Sil, Sbgar, ba fiijt einer im Stranbforb unten, nad) 
bem n)cillen tüir gteicf) mit ©teinen fdjmei^en . . . 2öenn 
et'§ merft, fagen tüir, toir Ratten tn§ 3)leer fd)mei^en 
njollen unb Sßaifermännd^en mad)en. 

ßbgar 
Su, §arri), id) n)ünjd)te, ic^ l^ätte mein ^ßont) t)ier, 
bQ§ müBte gteid^ in§ SBaffer, ober ben ßoßie, ber mü^te 
ben @tod apportieren. ("lie Sungen§, bie nad^ bem 9?leere 
^inuntergeeilt finb, raerfen mit Steinen nad) bem Stranbforb. (Bin 
alter §err gurft feitroärt§ ^erau§ unb bro^t mit bem (Stocf. ^ie 
3ungen§ laufen miebcr gurücf jur ©rjielierin.) 

©ouDernante 
2l6er ßinber, feib boä) artig ! . . . S)a ift ja aud) bie 
SBaronin Sante. 



20 gtfter Slft 



Sbgar 
2ld^, bie fann'g fetien, fjräuletn! — Sötr ttaudjen 

»Mi 

(it)eirf)e Stimme, au§ ber ©ruppe J)erau§) 

3lber §arrt) unb ®bgar, tva^ feib if)r für Untjolbe 
9ett)orben ! 

®out)ernante 
(fid^ cerbeugenb) 
£), x^xan Satonin finb ju gütig! . . . §arti), Sbgar, 
l^ört bod)! 



©ritte G^ene 



Söorige. ©rna. (®ine ^ame, tief fdEiraarg, elegant, !ommt auf 
hi^ S3üf)ne.) 

®rna 

(^arte Stimme, i)0(^mütig) 

Siebet O^räiiletn, fcerufen ©ie bie ßinber bod) nid^t 

immcrtt)Ql)renb ! ®amtt mad^en ©ie fie nur noä) un= 

gejogener . . . Sbgar, §arrt), ^iert)er ! (^ie :Suttgen§ kommen 

fofort mit l)eud)(erif(^er ^emut.) 

Sbgar 
2ld^, ^IJlatnad^en, tt)ir tt)oöen aitd) immer artig fein. 

®rna 

(üon oben JE)erab) 
©el^en ©ie, O^räulein? (^ie größere ©ruppe im §inter^ 
grunb lijft fid^. ^ie beiben Sd^roeftern eilen aufeinanber ju.) 

Soft 
(Srna! — 



ßrfter 9(ft 21 

Srna 
;\ofe))t)aI (^ie Sd^rceftern umarmen fi^ unb fe^en fid^ an, 
ängftlic^ Itebetjoa bie eine, prüfenb bie anbre. 2(ud^ a)Uf)rum ift 
t)in5ugetreten. ®rna retd)t itjxn bie §anb, bie er tü^t) 2öte 
gel^fS, lieber ©d^tüager? — ^ä) bin etn)Q§ plö^lii^ 9e= 
fommen . . . 3d^ f)Qtte Quf einmal fold^e ©etinfud^t nad^ 
meiner Meinen ^o\x. (Smx 3c^rcefter.) S)u fief)ft aber gar 
ni($t fo frifdö au§, mein ßinb, t^ie bu nad) einem jtDei= 
monat(id)en Slufentl^alt an ber ©ee augfe^en follteft! — 
S)u fü^Ift bid^ hoi) n)o^l? 

e^oji 
2lber fef)r, liebe ßrna! 

(S r n a 
9k, na! ®u bi[t mir fe^r nerüöS unb l^aft ein jo 
unrul^ige^ Sluge, tpie id^ e§ an bir gar nidE)t fenne. 

ooji 
ßrna, fang botf) ni(^t gleid^ iDieber mit S^abeln an ! . . . 
(^ann aber liebeöoa.) ^d^ tüeife ja, meine gute ©d^n^efter, 
tdxt fjerjtidf) bu e§ mit mir meinft unb tüie lieb bu mid^ 
l^aft . . . Söenn idE) aud^ t)ielleidöt nid)t fo brillant au§^ 
f el^e — id^ f ü^Ie mid^ ]o tvo% ]o tüol^l ! ^ä) f ann'g bir 
gar nic^t jagen . . . 

Srna 
(mifetrauifc^) 
©0 tüo^l, fo tüof)I! — S)a§ ift audE) tttoa^ 9iagel= 
ncue§ bei bir . . . S)at)on übrigen^ fpäter . . . darüber 
lüirb un§ trol^l bein DJbnn bie befte 5lu§funft geben 
fönnen . . . ^aä) bu mitf) je^t mit ben §errfd^aften ba 
brüben bef annt ! (SBäl^renb man in ber großen ©ruppe fic^ ele* 
gant unb ftumm gegenfeitig üerbeugt, fe^en bie beiben Ferren 5U.) 



22 ®xfter 2l!t 



3t e ]^ r i n g I 
®g ift äufeerft pläfiexlid) ! . . . S)tejer neu angetom- 
menen ®ame ba, lieber ®I)et)atier, nebft Sxäietierin unb 
aSengelg fann id^ @ie meinerfeitg ptäfentteren. 3Jtit ber 
bin id^ geftern im Jiotbejpre^ t)oHe ätüölf ©tunben äu= 
fammen gereift. S;obfd^idte§ SBeib nnb f(f)neibig )t)ie ber 
3)ein)et. SBir I)aben un§ fei)r lange unb felir gut unter* 
I)alten . . . (^a6^ einer $aufe.) ©nttneber fe{)e id^ burd^ 
biejeg ®ingla§ nid)t§ mel)r, ober biefe ©d^n)e[tern finb fo 
t)erfdt)ieben tt)ie 5£ag unb 3iad)t. (33et ber ©ruppe, wo bie 
SSorfteUung beenbigt, beginnt je^t eine lebl^afte E)alblaute Unter* 
l)altung. Soft get)t gwifd^en ben ^ifd)en unruhig fsermn.) 

®rna 

(hk fie genau heoha6:)Ut gel^t it)r nad^) 
steine 3o[i, bu irillft nid)t nert)ö§ fein? — S^u fonnft 
ja nidf)t eine ©elunbe auf einem StedE bleiben . . . (Sang* 
fam.) ©rtnarteft bu nod) jemanb? 

Sofi 

(ärgerlid)) 

2Ben foH idö ertüarten, @rna? (5iu§ ber ©ruppe fd^auen 

fie mit ironifd^en (Sefid)tern balb auf bie Tanten, balb auf SJlelirum, 
ber Iieben§n)ürbig üor fid^ l^in läd^elt.) 

®rna 
3ft ba§ eure ganje ®efeKfd)aft? 

Sofi 
^ä) glaube tt)ol)l. 

®rna 
(bie ©tiellorgnette l^ebenb) 
Unb bie beiben ba brüben? 



(Svfter mt 23 



3oft 

(roie au§ einem Sraum eriüod^enb) 
2lc^ \a, ba§ ift ber 23etter tion gri^. S)a§ Qnbre ift 
ein frember §err, btn id) jum erftenmol fel)e. S)arum 
fi^en fie and) ]o abjeit§. 

Srna 
(fc^ärfer ^infe^enb) 
aSenn icf) nirf)! je^r irre, fii£)r id) mit bem ha ju= 
fammen. Sin ]ti)i biftinguierter §etr. ^ebenfatt^ einer, 
ber genau treife, tva^ er mill, unb ber tDo^l aud^ genau 
n)eiB, toarum er fid^ gerabe mit biefem o|fenbar faben 
S8ur]cf)en jo angelegentlich untert)ält — bie 3}ern)anbten 
beine§ SDtanne^ — fo ganj, ^ofX/ [inb fie nid^t meine 
5ßaffton . . . Xu ftef)[t bod) mit beinem DJtanne nad^ roie 
Dor fet)r gut? 



2lber natürlid)! 



(etivQ? fd^eu) 



Srna 
Ta3 ift mir gar nic^t fo natürlid). ßö gibt bod) in 
ieber ®f)e einen 3!Jloment, tvo man fic^ gegenfeitig tang= 
meilt. Unb gri^ . . . 23u n3eifet, Siofepl^a, id^ benfe über 
alte folc^e 2lngelegenf)eiten fetjr füf)l unb t)erftänbig. SBenn 
man fid^ Iangn)eitt in ber ®^e, mu^ man Ilugern)eife nie 
auf ben ©ebanfen lommen, fid) mit einem anbern ju 
amüfieren . . . Sie SJerfud^ung ift immer ba. 

3ofi 

(ärgerlirf)) 

Xn f ängft ^eute nur mit alten ©efdjid^ten an ! . . . 

S)u l^ältft mid^ für ein ßinb, unb barum I)aft bu immer 

Slngft für mid^ . . . S)a§ liebe td^ toirltid) niäjt, ®rna! 



24 grfter 2l!t 



Srna 
So[i, bu bift ein ÄinbSfopf. — Sßie !ann man nur 
fo nert)ö§ tüetbcn um ni(f)t§? 

3ofi 
Slber ®rna! 

@rna 

(fopff^üttelnb) 

2Bo bi\t bn etgentlid) immer mit beinen Slugen? — 
äJlid) [iel^ft bu nie an! . . . (9iatf) einem fc^arfen SBltde auf bte 
3d)it)efter.) ^d) fage bir jefet auf ben ßopf, Soft, bu fud^ft 
jemanb fieberf)aft unb tüiüft ba§ nur mir gegenüber ntd)t 
wdijx l^aben. 

Sofi 
(beleibigt 5ur ^txt^ tretenb) 

®u bift \ä)Uä)t, ®rna! ... ^d) bin bir tüirWid) 

bö§ . . . (Sie fd)cint mit htm 2Beinen 5U fämpfen unb fielet in§ 
Seere.) 

QSiertc 6genc 

^ofi. ©rna. 9)1 ori. (Qnbeffen fteigt tjom ©tranbe l^er ein §err 
auf bie ^erraffe. Sßerfc^loffene§, ]E)od)mütige§ @efid)t. ©r fd^len- 
bert grü^enb burd^ bie (Bruppe. SDIan f(^aut il)m mit berfelben 
unauffälligen 91eugier nad^ raie üor{)in ber SSaronin SOIel^rum. 2öie 
er nä^er fommt, fd)eint Soft feine ^lä^z gu fiii)len. ©ie roenbet 
fi(^ nod) mel)r üon ber Sd^raefter ab, fo ba^ fie gang einfam gu 
ftei)en fdE)eint.) 

ajlori 

(hinter if)r, i)alblaut) 

©0 träumerifd^ unb fo einfam, meine gnäbigfte 
Söaronin? 



Grftcr 3(ft 25 



Soft 

(5ufammenfvif)renb) 
2lf) . . . (?(arf) einer ^aufe tonIo§.) ©te t)aBen mtd} er= 
fc^retft! 

2Kort 
Sag tut mir leib. 2Ba§ barf id& tun, um Söerjeilöung 
äu erlangen? 

Sofi 
(fc^roeigt) 

moxx 

(fic^ umfe^enb, erblicft erft je^t bie frembe ^ame unb burc^fc^aut 
fofort bie Situation. Qx tritt auf fie 5u) 
Mille fois pardon, meine gnäbigfte 3^rau. (8ic^ üer^ 
beugenb.) SlJlori . . . 9lun finb Sie enblid) ba\ ^\)xt 
tJrau (Sd^tDefter ern)artete ©ie jo fefjnfüd^tig . . . Sie f)at 
mir Don Q^nen, meine gnäbigfte S^rau, fo t)iet erjä^U. 
3l)re grau ©d^toefter l^atte beinah bie Hoffnung auf= 
gegeben, Sie nod) ijin ju fef)en . . . ©eftatten ©ie, ba'^ 
icf) meinerjeiti ber ganj bejonberen fjreube über ben un= 
ertüarteten SJorjug 9(ugbrurf gebe . . . ^d^ bin mit Saron 
unb a3aronin 931e^rum iet)r oft jufammen. 

Grna 
(mit fü^Ier 9leferoe) 
©ie finb fd^on lange Ijier, §err t)on DJlori? 

DJIori 
gelDi'B. StDei SOlonate unb länger. 

ßrna 
21^, jefet erinnere id^ mid^ aud^. SJieine ©d^tüefter f^at 
^ijxtn fef)r feltenen llfamen einmal im erften Srief er= 
tüäf)nt, nadE){jer nie tDieber. 



26 grfter 9llt 



S)ag toax fel^r gütig tion ber SBaronin, mic^ übet= 
f)Qupt äu ertt)ät)nen. ^d^ bin leiber in feiner §infid^t 
be§ (Srträl^nenS tt)ert. 

@rna 

D , ba§ ift tt)ieber eine ganj anbte ©ad^^ . . . ®§ 
fd)eint t)ier ganj amüfant ju fein? 

2}loti 
Söie man'^ nimmt, gnäbige ^tan. ®§ ift ein fef)r 
gro^e§ Söab, unb tüir finb eine fel^r fteine ©efellfcfiaft. 
Sonft liebe iä) eigenttid) biefe Sup§= unb DJlaffenböber 
nid^t. (£§ ift übrigens reiner 3^föll, ba^ iä) i)itx fo 
lange fi^en geblieben bin. ©onft pflegte id) einen großen 
Seil be§ @ommer§ auf bem ßanbe bei meinem {Jreunbe 
?lel)ringl ju nerbringen. ®aS mad^te fid) biefe§ ^atjx 
nid)t fo . . . 9lber (mit einem ^lic! auf hie apat^ifd^ bafte^enbe 
Soft) idö ftöre bie §errfd^aften? 

®rna 
(fe{)r Beftimmt) 
Surd^auS nidit, §err t)on 3)lori! S§ ift mir im 
©egenteil fe^r intereffant, jemanb ju f)aben, ber fo lange 
^ier toar. SBiffen ©ie, in ©eebäbern gibt'S immer fo 
fleine beobad^tenStoerte SBinfe . . . S)aS 3}ieer fott übrigens 
l^ier äu getoiffen Seiten fo einen penetranten Sanggerud^ 
l)aben, ber nid)t mal gefunb ift. 

anori 

(ad^feljucfenb) 
S)aS fiel mir nie auf. 

®rna 
SIber man tlagt barüber allgemein! 



®rfter 2l!t 27 



DJiort 

(löc^elnb) 
3dE) fümtnere midf) Qlletbtng§ U)enig um bie 21(1« 
gemeinijeit. (8rf)iüeigen.) 

®rna 
(5ur (2d)raefter geiüenbet) 
9Uin, Soft? 

Soft 

®rna 

Sie werben ttwa^ t)ern)unbert fein über ba§ ftoftige 
äöieberfefjen jtoeier ©d^tneftern. 2Bir Ratten eben eine 
Keine frennbfd^aftlid^e Slu^einanberfe^ung , bie meine 
einpfinblid^e ©c^tnefter titoa^ iibetgenommen l}ai. ^(i) 
bef)aupte, bie See befäme i£)r fd^Iec^t — nnb fie bel)auptet 
fie befäme i^r gut. 

Soft 

(leife, aber üonrurfeooQ) 

SBotum erjä^lft bu bog eigentlid)? 

©rna 
(mit etraaS falfd)em Söd^eln) 
Sßeil .^err tion 2Jiori bid), ^ofi, tt)af)rfcf)eintid) bod) 
nid)t lange unb intim genug fennt, um beine gmpftnb= 
tic^feit gerabe in biefem ^ßunfte ju begreifen. 2tlfo bitte, 
Siofi, fei beiner fo tiiel älteren ©d^toefter gegenüber ettüaS 
nad)fii^tiger, bamit §err t)on 3Jlori nid)t tDirfUdE) t)on 
unferm 35erl)öltni§ ein ganj falfd^eS Silb belommt! 

gjlori 
(nerbinblic^) 
Slber gnäbigfte i5rau, baS n)äre ganj unmöglidE) ! S)ie 
Saronin 3JleI)rum f)at mir fo t)iel 9fieiäenbe§ über 3^re 



28 ®rfter 5t!t 



Seätetiungen tx^aitH ba^ idt) — iä) bitte um S^erjei^ung 
— mir je^t immer, tnenn auä) aUerbingS ettt)a§ nadö= 
trägtid), eine ©d)tt)efter gett)ünf($t l^abe, unb gtnar eine 
©(^tt)efter, genau \o toit Sie, meine ©näbigfte, eine 
@d^n)efter fein muffen. Unb ein fo reijenbe^ 93erl)ältni§ 
ätüifdien ©ef(i)n)iftern änbert fid) f(f)ledöterbing§ nie. 

@rna 
©et)r lieben^njürbig, §err t)on Sötori. 5l6er e§ änbert 
\xä) t)iele§ im ßeben, erfd^retflid^ t)iele§. ©ie finb fel)r 
genau orientiert über un§, tt)ie id^ fel^e — unb ba^, 
tt)a§ fommt, maiffen Sie etn)a§ f(i)erät)aft auff äffen . . 
^ä) tagte fdion t)orI)er, ba^ id^ bie tneit ältere fei. 
3ieigung jum ^errfd^en ijobt iä) lt)ot)I aud). Slber ba^ 
fiei)t bietteid^t nur fo au§, toeit id^ meiner lieben Keinen 
;3ofi lange ijobt 3}lutter fein muffen — im beften Sinne, 
toie id) mir einbilbe. S)a§ legt man nirf)t mel^r ab. 
Unb gerabe ba§ fönnte meiner ©d^toefter mit ber 3^it 
langtoeilig toerben. &l\t einem langen mid auf ;Sofx.) Sßir 
fallen un§ ein ganjeS ^di)x nid^t. 2lber felbft in t)iel 
fürserer 3^it — fagen toir meinettoegen, toä^renb ber 
legten ätnei SiJlonate, fönnten fid) im Snnern meiner 
Sd^ioefter Söanblungen i:)olläogen l^aben, bie id^ nid^t gut= 
Ijei^en loill . . . ®§ ift, toie gefagt, ein ©dierj, §err t)on 
3)lori. 

SöUri 
(ein 5ltom üerlegen, leife) 
3fdö Derftelie nid^t gauj, gnäbige ^rau. 

(g r n a 
D, ©ie tierftel^en, glaube id), ganj gut, toenn ©ie 
tootten, .§err t)on 33lori! . . . (2äd)einb.) UebrigenS, bei 



grfter Slft 29 



bn ^anbbemegung, bte ic^ e6en mad^te, faßt mir gerabe 
ein, baß id) meinen ©onnenf(f)irm öergeffen i)aht. ©oldje 
§anb6en}egungen ^aben eigentlid^ nur einen ©inn, tDenn 
man fie mit bem (Scf)irm maäjt ober mit bem fjäd)er. 

inori 
erlauben gnabigfte grau, ba% id) I)oIe? 

®rna 
Slber erft nad)f)er. ?tun jagen Sie mir nod): n)ie 
bringt man f)ier feinen Sag f)in? 

anori 
©näbigfte ^rau, man babet jufammen — nad)]^er 
mad^t man feine ^ßromenabe jufammen unb l^ört ßur= 
mufif — bann ißt man gemeinfam ba§ ©ejeuner, t)or 
bem mid) ©ott ittoaljxt — bann rul)t man ein trienig — 
unb bann finbet man fic^ gert)öf)nlid) auf biefer fo= 
genannten S^erraffe äufammen, ober man fi^t am 3Jieer. 
S)ie SBaronin 3Jlef)rum unb id^ äiei)en toenigften^ f)äufig 
ba§ -öleer oor. DJJan braud)t ba nic^t ju reben — unb 
e§ träumt fid) fo f)übfd) . . . (®ie S3aromn mit einem rafc^en 
»lief ftreifenb.) ®ie trerben fidö tDunbern über biefe§ „5U= 
fammen". 2Qßir finb nun aber l^ier eine ©efellfd)aft. bie 
immer jufammen ift. ^ä) liebe überf)aupt fleine ©efett= 
fd^aft, unb felbft biefe f)ier fönnte für meinen ©efdEimad 
x\oä) ffeiner fein . . . S)acf id) je^t ben Sd)irm fjolen? 

®rna 
3a, ©ie bürfen . . . (Sßä^renb er eilig baüongef)t, ruft fie 
if)m noc^ nad).) ©d^toarje ©pi^eu, gauä fd^tnarj. Sie 
muffen fid) fd^on gu meiner Jungfer bemü{)en. {(Bin eur^e^ 
(Sd^njeigett, raobei ®rna bie ^ugen pfammenfneift unb !aum f)ör* 
bar burd^ bie Sippen pfeift.) ?lun, S^fi? 



30 ®r[tcr %tt 



30)1 

(nod) immer abgeroanbt) 

®rna? 

® r n a 
(näl^ertretenb) 
3iun, gib mir einen ßu^, mein Meiner empftnblid)er 
ßiebling! . . . S)u tt)iQ[t nid^t? . . . gr ift übrigen^ fef)r 
nett, bein g^reunb! 

Sofi 

(fid^ plö^lid^ gur (SdE)ir)efter menbenb) 
©efäHt er bir tt)irfa(^? 

®rna 
©0 tneit. SBarum md)t? @r ift fdiarmant, lenut 
offenbar bie SBelt fe^r genau. 

Sofi 

(bie Sd^itieftern !üffen fid^) 
®u bift bod^ gut ®rna! 

®rna 
3f]^r fommt fetjr oft äufammen, bein Sreunb unb bu? 

»ofi 
D ja! ©iet) mal, er ift ein fe^r lieber 2}tenf(f). SBir 
lönnen fo gut miteinanber plaubern. S)ie anbern mögen 
il^n eigentlidE) alle nid^t. 

@rna 
9lun, bie tüerben t)ielleid^t aud) if)re ©rünbe f)aben. 

Soft 
£) nur, toeit er toirllid^ beffer ift al§ fie. 

®rna 
91a, na 



(giftet 2tft 31 



Soft 
(beftimmt) 
®r ift mein grcunb unb tüeiter niäjt^ • • • 3(^ föniite 
iir fd^tröten . . . 

6rna 
ßeine ©i^iDüre, S^U — • • Unb nun n)itt td^ bir nod) 
ettoQö jagen : it)r t)erlel)rt Woijl ettnag intenfit) äujammen 
unb niexft babei gar ntd)t. tük über tnä} gerebet tüirb. 
Cb'ö Ilug ift toeiß id^ nicf)t. (Sic^yeijucfenb.) Slber tnenn 
bein 3Rann nid^t§ babei finbet — er ift bod^ ber §aupt= 
beteiligte . . . 

Sofi 
D, bag Hingt fo l)ä^lxd). grna! 

6rna 
@o ift'^ aber gar nid)t gemeint. 3[d) trollte nur nod) 
fagen: trenn bie ®efell]df)aft t)ielleid^t fd^on baran ge= 
toö^nt ift, eud^ immer ettra§ ejftui'io ju finben — il)r 
fonbert eud^ t)ielleidE)t in ©tranbförben ober fo ettraö 
ab — bann benimm bid^, bitte, I)eute ganj fo trie bie 
23}odE)en t)orf)er. Sa§ plötitid^e 2lenbern nad^ meiner 2in= 
fünft tüüxbt auffaEen unb t)ielen trie ein @d)ulbbe!enntni§ 
ausfeilen . . . 3d) finbe, toie gejagt, rortäufig gar nidöt§ 
babei — gar nid^t§! 

3oji 
©iefjft bu, Srna, trie nett bu bift, trenn bu bid) 
gtbft, trte bu bift? 

Srna 
S)a fommt bein greunb mit bem ®onnenjd)irm fd^on. 
©r l^at il^n mertoürbig jd^nell gefunben. 93orIäufig 
trollen trir aber bod^ nod) etmaS ju btn anbern ge!)en. 



32 grfter Sltt 



3^e!)ring!. S)lort. (H)^ori eilig mit bem (Sd^irm an SRe^ririö^ 
oi)ne ]^itisufe{)en oorübereilenb.) 

(fi^en bleibenb unb aB fpräd)e er in bie fiuft) 

§Qnn§ 2}taria Sbter t)on 2}iori. 

(sufammenfal^renb) 
g^reb . . . bu? . . . 

9Uf)xing{ 
@§ fc{)eint (langfam auffiel) enb) , id) !omme bir ettDQ^ 
ungelegen ? 

(ber fi^ jefet erft finbet tafd) auf i^n §ugeJ)enb) 
Sßie fann man fo ettt)a§ fagen — n)te lann man. 
(S3eibe brücfen fid) ^erjlirf) bie §an^.) ?tein, fo etoag nel)me 
xä) btrelt übel , fjreb ! . . . (Uebereifrig.) @§ gibt md)t§, 
n)a§ un§ trennen Ii3nnte! . . . S)u fommft mir blofe fo 
abfolut unerlrartet . . . 5llter Sreb . . . ;3d) foKte midE) 
ni(f)t freuen? — 3d) f^^n^ «^tcf) riefig! 

Jlel^ringl 

(nod^ immer abroartenb) 
®itt ba^ ol^ne @inf(f)rän!ung ? 

2Jlori 

5reb — Sad)§! 

9^el)ring! 
91a, ba§ !am tnenigftenS 'oon ^er^en . . . (9lo^ immer 
ffeptifdf).) Slutoritäten erfannteft bu aKerbing§ nie an . . . 
Slber: feitbem bu ba^ a3eftri(fenb=lieben§tt)ürbig=fein gegen 



erftet 2llt 3g 



frembe SBittDen gelernt I)Qft — unb feitbcm bu boS un= 
motit)ierte Cügen gelernt i)a\t — unb feitbem bu ba^ 
i^ögerauge t)extoren l^oft . . . 

3Wori 

(tafc^) 
§Qft bu benn t)orl)in juget)ört? 

9le]^ringf 
©0 'n ii^äjtn . . . 

ajlori 
®§ ift mir peinlid). 

3ie^ringf 

ßann'ö aud^ ... So ein ©auner ! . . . 2Jlit bem 
®omnierQufentf)Qlt auf bem ßanbe l^at ftd^'S bicSmoI nid)t 
fo gentQd)t — rielleid)t meineltregen — l^m? — ber ein 
SDu^enb bringenbe !repe]cf)en ju bem 3tt)ecf an bid) t)er= 
fd^tDenbete? . . . Cber n\d)i t)ielleic^t beinettregen, ber nidjt 
mal leine ^otelabreffe rid^tig angegeben f)at unb ficf) ber 
©id)ert)eit i)albtx poste restante bepefdjieren liefe? . . . 
^m? . . . 

anori 

Slber Sreb, id^ t)erfid)ere bid^ ! . . . 

3iel)ringf 
35ßQ§ id^ mir bQt)or foofe . . . 

anoti 

S)u Mft t)er(e^t? — 

?le]^ringl 
Unb ^enn idf)'0 tx)äre — iebenfoHS mit 9Red^t! 
Soft 3 



S4 (grfter 31 !t 



Slbcr 3Jltn\ä), eine fiteintgfeit jo aufjubaufdtjeu? . . . 
(®inen Slugenblitf überlegenb.) S)a lütff mctnettüegett bic 
t)offc 2Bat)r]^ett. ^ä) I)abe bid) atlerbtng^ nid)! getöünfd^t, 
greb — aber je^t tpo bu ba bift bift bu mir bod& fctir 
ertt)ünjd)t ... 

?le{)ring! 
(mit falfd^er greunblti^feit) 
3ia, ba fönnen tDir ja fo 'ne ©tunbe t)ier tierptau« 
bern . . . 3d^ t)abe eine au^erorbentUd^ tpid^tige 2Jlitteilung 
für bid^. 

3}tori 
SBu^f id^! . . . 5llter, guter ^reb! . . . (mt einem mid 
auf ben (Schirm.) ^n einer SSiertelftunbe fpäteften§ bin id^ 
tDieber ba. 

?ie^ringl 
2öarum nid^t in einer SlJiinute? . . . ©ie^ft bu, mein 
©otind^en ! 

aJlori 
(nert)ö§) 
Slber id) mu^ ben ©d^irm bod) erft abbringen! 

9le]^ringf 
fjrül^er apportierteft bu ©onnenfd^irme nur tnurrenb. 

gjiori 

(ba§ fd^einbar überl^örenb) 

2Ufo fpäteften^ in einer Söiertelftunbe. 
Stel^ring! 

(ru^ig unb beftimmt) 

5iein, lieber §ann§ — tDeber in einer 93iertetftunbe, 
nod^ in einer ©tunbe — nod^ l^eute abenb überl^aupt . . . 



erfter 2lft 35 

Sd^ tDitt niemanb [töten — unb idt) ftöre hiäj im 3Jtoment. 
(3{uf eine S3eroegung snori^.) ^eine Staujeu, bitte, tüettn'^ 
nid^t nötig i[t, lieber ^reunb! . . . 2Ba§ id) bir ju fagen 
l^abe, baju ift morgen üormittag reid^lidö S^tt. 2luger= 
bem trifft fic^ ba§ ganj gut. 3d) bin nämlid^ abfi(^tUd) 
im §oteI nebenan Qbgeftiegen, wo e§ t)on (Snglänbern 
tüimmelt, bie bu t)Qfet, unb bie xdj liebe . . . 3c^ treffe 
mid) ba mit einem 5öi§count — bem berül)mten Süd^ter, 
bii tDeifet ja — n)ir tüoHen n)egen 5ot)(en fd^ad^ern. 
Unb bu njeiBt aud^, n)ie'§ mit bem ^txl gel)t: er Ver- 
langt nüd&tcm l)Qarfträubenbe 5ßreife unb betommt fie 
aud^. Stallt mir aber nic^ ein! . . . ^c^ bänbige i^n mir 
crft mit ein paar ?PutIen ejquifiten ^ßortmein an. §at 
er bie intus, bann ift ba§ ©efd^aft ein§, jn^ei, brci 
gemad^t. ?lm anbern OJtorgen fd^impft er. S)aS gel^t 
mid^ aber ni)(f)t an. 

aJlori 
(ber nur ^alb ^ingc^ört ^at) 

Sttfo bann morgen, toann bn n)ünfd^ft. 3Ed& tool^nc 
9iummer breiunbjn^anjig. 

Sie^ringf 

dloi) eins. SBenn bu bir in ber 3^ifci^^njeit ben 
Äopf jerbred^en tuißft: fotlen einem bie iööget aus ber 
§anb treffen, bann mad^t man fie erft jal^m. ©rü^e bie 
©d^toefter ber SBaronin 9!Jle^rum e^rfurrf)tSDotIft t)on mir. 

3)tori 
(luftig) 
"S^a fann icf) mir allerbingS lange ben ftopf jet= 
I6red£)en. 

Jlel^ringf 

Serbric^ i^n bir nur ! (Sfleic^t t^m je^t felbft bie §anb jum 
^bWcbe.) Slbieu, §annS SJlaria. ^d) fi^e ^ier nod^ fo 'n 



36 gxfter Sl!t 



6i§(f)en 'tum, t)ießei($t freunbe id) m\ä) Qud^ mit btefem 
ober jenem an. 

Sluf aQßiebetfef)en. 

Siefjrtngf 
(langfatn) 
5luf äßtebetfeljen. 

6cc^ftc 65cnc 

a^lltv alx^x, 3^e^ringf. (:3n bte ©xuppe fommt Seben. ä^lan fiei)t 
\xd) Tnel)rfad^ intereffiert nad^ S'icl^ring! um unb erjö^It fid^. äBäl^rcnb* 
beffen fonbern fid^, wie burd^ einen Sn^aU, äUori unb Sofi ab. @ie 
fteigen gemäd^Iic^ bie 2^reppe jum ©tranb hinunter. 2luf ber 2;reppe 
fie^t fid^ Sofi nod^ einmal nad^ il^rer ©d^raefter wie ftagenb um — bie 
(gd&wefter nirft xljx freunblidt) p . . . ^er ^^eoalier löft fid^ au§ ber 
©ruppe unb fommt jum ©rafen.) 

t)on ®xin 
(etn)a§ neugierig) 

©ie fennen ja aber ben 3Kon boä), ®raf!? 

Jleliringl 
äßie mQn'§ nimmt . . . 3^ unb nein . . . SOßer !ennt 
benn übetl)aupt ben onbern? 

t)on Srin 
(üerftänbniSinnig blingelnb) 

©ollte er ^l^nen au§ SBerfelien einige braune Üappm 
jd^ulbig geblieben fein? S)ie SBegrü^ung ton jeiner Seite 
tt)ar jel^r trorm. aOßir tounberten un§ aUe etn^a^. 

3le]^ringf 

(gleid^mütig) 

• ©0 ungefähr ift e§, g^eüatier. Unb tx)a§ l^aben ©ie 
fonft noif) auf htm ^erjen? ^ 



©rfter 9lft 37 

Don Srin 
(ftc^ über ben tleinen 3:ifc^ le^nenb) 
Sic follcn ein bißchen 'rübertommen, ®raf! Jfd^ bin 
ertro abgeid^icft. 

9U ^ r i n 9 f 
S3on tt)em? 

Don Srin 
eigentüd^ üon allen. 

Jte^ringf 
S)a§ ift ein bifed^en md S^re auf einmal. 

t)on 5rin 
9Ja, menn ©ie'^ burd^auS tüiffen trotten — g^ran 
ijon SOßeifefird^, mit ber Sie bod^ jufammen gereift fmb 
njünfc^t Sie bringenb nä^er fcnnen ju lernen. 

3^e^ringt 

Don Srin 
Unb ba§ lodt Sie nic^t? 

9iet)ringf 
(flc^t o^nc @ile nac^ ber U^r, fic^ bann langfam er^ebcnb) 
Sllfo en avant ! — 3Jtan foll ja ^übfd^en jungen SBitoen 
nie einen §erjen§n)unfc^ abfc^tagen. (3ie ge^en jur ©ruppe.) 

Gicbcnte S^cnc 

Vorige, ©rna. !©aronoon2Jle^rum. ®tntge ^abegäfte. 

t)on Srin 
(mit einer großen §>anbberoegung oorftellenb) 
©eftatten Sie, mein fjreunb, ®raf Jlel^ringf, ber 
gro^e sportsman. 



38 grfter 2l!t 

(fid^ na^ aUen Seiten üerbeugenb — unb bann jum ^l^ex)alier) 
@xo^er sportsman? S)er §err Sl)et)aUer ficlieben tt)oI)l 
311 fc^eräeii. 

(Sinigc ©ttmmen 
D nein, ©ie finb at§ 3üd)ter fo fiefannt, ^etr ©raf ! 

5Ret)Ttn9l 
(fid^ nad) ber ©eite üerbeugenb) 

©el^r gnäbig, meine §errfd^aften ! — (Stimmt bann %xavi 
t)on aßei^Jird^ gegenüber $Iafe.) ©näbige ^tQU fjQben bie 
5Reife gut überftonben? 

6rna 

@el)r gut, ©raf Jlel^xing! . . . Sg ift bod^ eigentlid^ 
ein lutiofeg Sufammentreffeu. 

Jlel^ringl 
3in ber Stat, jet)r Iutio§, gnäbige S^tau. 

®inige ©timnten 
3n ber S^ot, jel)r furios ! ©näbige S^rau erjälitte 
eben . . . 

®rna 
©ie tt)oI)nen auä) in biefem §oteI, ©raf? 

3lel)ringl 
9lein, gnäbigfte grau, nebenan, ^ä) l^abe 5|}ferbe= 
gef(f)äftc, bie fid^ ie nacf)bem fe{)r !urj ober fel^r lang 
exlebigen toerben . . . 2Ber ttvoa^ ju tun t)at, ift eben 
immer ein iDenig ©flate . . . 

®rna 

(lieben§wütbig) 

^ie ©IIat)erei läfet fid^ n)of)l nod^ ertragen, §err 
©raf! 



erfter 2tft 39 

D ganj getctB, gnäbigfte grau — unb irenn man 
noäj bQju auf Steifen fo auBerorbentlid^ t)om ©lud be* 
günfiigt ift tDie f)eut . . . 

grna 

(bie Slugen aufammenfncifenb) 

©inb ©ic ganj ernft ju nef)tnen, ®raf 9iet)ring!? 

9t e f) t i n g f 

3(^ l^offe H)cnigften§, gnäbigfte ^rau. ^ni übrigen 
t)Qben ©ie led^t; id^ Wage ttjirlUcf) ot)ne 3tot. ©obatb 
iä) Quf Steifen bin, finbe id) Sefannte — jum SSeifpiel 
in ber einen ©tunbe ijtni nachmittag. ®rft länft mir 
ber Sl^eDalier in bie §änbe, nimmt mir gefd^njinb baö 
®elb im ÜJtacao ab, rct)and)iert fic^ aßerbing^ großartig 
in biefem Stoment — bann famen ©ie, meine gnäbigfte 
5rau . . . id^ muß fd^on ber Steige nad^ ge^en — {(&xmn 
Slußenbiicf überiegenb.) 2lrf) ja, unb bann §err t)on ÜJtori, 
ber fid^ aber, tt)ie idE) jeiU erft bemerle, öerflüd&tigt ju 
{)aben fd^eint . . . (Xte einzelnen ^errfc^aften am ^ifc^ ber 
9ieif)e nad) anfe^enb, um babei mit ©rftouncn auf ^crrn oon 
3)ie^rum haften ju bleiben.) Unb je^t — ein einziger fIüdE)= 
liger 23lirf. (3" «&erm oon SJ^c^rum [ic^ roenbenb.) §err t)On 
a}lef)rum, toir lennen un§ übrigen^ and) ! — 3^enfen ©ie 
an ©t)noben, ß^oralabteilung ! . . . Srinnern ©ie fidE) 
nid)t ba bod^ eineS S)nrd)fd^nitt§gefidöt§, ba§ bem meinigen 
ä^nlic^ fein fönnte? 

öon 3Jte]^rum 
(nac^ längerem 33eunnen, aber fe^r ^öflic^ läc^elnb) 

Slber natürlid^ ! — Sa§ ift ja ein fd}armante§ SQßieber= 
feilen, ®raf 9tef)ringf . . . 2tber ja natürlid^! — ©ie 
tüaren immer fo reijenb l^umoriftifd^ ... 



40 grfter 3t!t 

(nad^bem fie fid^ über ben %x^d) roeg t>K §änbe gefd^üttelt wibcr 
9Btaen läc^elnb) 
darüber gibt'§ atterbing§ t)crf(f)tebene Sluffaffungen, 
lieber SSaron. 

®rna 
(mit einem falten SBlicf nad^ i^rem Sd^roager) 
D ja ! — (^ann jum ©rafen.) 2lber mit ^errn t)on 
3Jtori finb Sie bodf) am intimften befattnt? 

Jietiringl 

(oorfi^tig) 
2lm längften tDenigftenS, meine gnäbige x^xau. 2Btr 
bujen un§ fogar, aber ba^ jagt ja befanntlid) gar nid^tö. 

Srna 
Sei ßeuten tt)ie 3f)nen, ©raf, jagt ba§ eigentüd^ eine 
ganje 3Äaffe. 

Stel^ringf 
SQßenn man bie ©d^ulbanf äufammen gebrütft l^at . . . 
^Itterbingg 2Jiori i[t nid^t jebermannS S^att — unb um= 
gelel)rt . . . (Einige §erren nid^en bei ben legten SOßorten ju== 
ftimmenb. S^e^ring! freunblic^.) §err t)On SJlori t[t al\o awä) 
t)ier nid^t übermäßig beliebt? 

©inige ©timmen 
§m — ]^m — 2Bie man'g nimmt . . . 

JZel^ringf 
S)ann ift e§ eben l^ier tüie überaß, (^urjeg (©d^weigen.) 

t)on ®rin 
6§ ift ein tüibertüärtiger, arroganter ßert! — ^d^ 
mag Öeute, bie fidE) in fo fteinen ©efeUftfiaften jo ab= 



Srfter 9l!t 41 



fonbern, nt(f)t. Slu^erbem . . . (®tmge flogen ftd^ bahei un^ 
auffällig an.) 

®rna 

(bxt S^e^rirtgf fc^arf angefeuert l^at) 
S5iettetcl)t fennt man if)n tüentg. 

9t e ^ r i n g l 

(lieben^roürbtcj) 
2)Q§ fönnte t)tet(etd^t ber ©runb fein, gnäbige i^xan. 

t)on 3Jlel)rum 
(begütigenb) 
Sd^ fittbe §errn Don 50ion fel^r nett ! Sr raud^t eine 
ganj fuperbe ^aüannajigarre. ^ä^ fagc 3^)^^^. fuperb ! . . . 
®r präventiert [ie allerbingg nid^t j|ebem . . . ©egen mtd^ 
ift er immer bie ßieben^trürbigfeit felbft — Ober meinen 
©ie . . . ? (2Bieber fto^en fid^ einige an. 8eic^te§ $Häufpem. grau 
oon SBei^firc^ ftreift i^ren Sc^roager mit einem talten, faft oer- 
äc^tlic^en mid.) 

öon @rin 
(ba§ ®la§ er^ebenb) 
3la, Profit ^ri^! 

t)on ajte^rnm 
^Profit, ßarol, Profit! ®el)r lieben^tüürbig. 

Srna 

(al§ roenn fie nic^t§ merftc) 
®rääl)Ien ©ie un§ boi^ tttoa^ t)on §errn t)on SÜtori, 
®raf! (8öc^einb.) gr ift nid^t ba; alfo vxn^ man bod) 
über it)n tierjiel^en. 

Jlel^ringf 
©nabigfte S^rau, ba§ ift leidster gefagt aU getan. 



42 ßtftex 2lft 



®rna 

aCßarum? 

3i e {) r i n 9 f 

i^xmn Slugenblicf auf bie ®rbe fe^enb, al§ wenn er übexleöte. 

^ann aufbltrfenb) 

Bon! . . . 2Ba§ tDoIIen toir eiflentUd) aud) 93erftedEen 
fpicten? — 5ülori tft {)ier entfditeben nid^t persona 
gratissima. Unh iä) toerbe n)o{)t aud) nid^t fein bicffter 
iJxeunb fein, benn fonft f)ätte id^ bod^ fd^on einige ©e- 
meinl)eiten über ii)n gefagt. ©omeit id) feinen ßebenS«= 
(anf !enne, ift er nngefätir tnie ber t)on nn§ aßen. SlJlori 
l)at fein Slbitnrinm gemad)t tnie jeber — ift Dffiäier ge» 
tt)orben toxi jeber — f)at 9iennen geritten tnie jeber — 
unb naä) fel^r fnrjer 3eit ift i^m ber bnnte 9tocf Iang= 
tDeilig getnorben tt)ie iebem anbern andE). ©päter I)at er 
fid^ nod) einige Sjtraüaganjen geftattet: biplontatifd^er 
Sienft — fofort quittiert, ©tubieren angefangen, feinen 
^^Jaffionen gelebt . . . 2öa§ tnoßen ©ie mti)x ober treniger? 
— Sefet tDartet er, fouiet id) mi^, auf ein SJlajorat. 

t)ün ®rin 

(giftiö) 

2BoI)t im SJJionbe gelegen? 

9lel)ringl 
3n ber ?flai)t tüenigften^, Sf)et)alier — bei 2ladt)en . . . 
(®§ l^ot fd^on lange gu n)etterleud)ten angefangen, je^t vozxtzn 
einige 3)amen bei ben ftarten S3li^en unruE)ig, wä^renb ®ma nid^t 
einmal l^infie^t unb 3^e^ring! nad^Iäffig weitetersö^lt.) 35ei ber 
®elegenl)eit tüirb er ©raf 2Jlori — unb bamit unb mit 
einer großartigen ^od^tüilbjagb toirb tt)ot)t fein ßl^rgeiä bt§ 
in§ 3enfeit§ bef riebigt fein . . . ©ie fef)en, meine gnäbigfte 
f^tau, ein S)urd)fd^ni{t§bafcin fo t)ag unb fo aufgefüllt . . . 
v^^in mät^iiger 33Ii^ flammt auf.) 



grfter 3lft 43 

(Einige S)Qmen 
(fol^ren jä^ gufammen) 
D ©Ott ! (^ie ane^rjal)! ber ©efeajd^aft ergebt fid^ intcrcffierl 
um bic 331i^fpicgcluttg auf bem SO^eere ju je^en.) 

©inige ©timmen 
ߧ fomtnt tüQl^rl^aftig auf! (®ruQ unb bcr @taf finb 
fi^cn geblieben. ©Tita fie^t mit gefriiffener Sippe cor fic^ l^in.) 

t)on ßrin 
(über bic ^^erraffenbrüftuug gelümmelt, fragt, ben ^opf ^alb 
jurürfnjenbenb) 
x^txixQ mit S^rer SRäubergejcf)t(f)te, ©raf? 

9i e 1^ r t n g I 
(ru^ig) 
Sf)tt5Qlier — JRitter t)om ®ctft — treidle SDIalicc ! . . . 
(^er ©raf unb grau ron 2Bei^fird^ fi^en eine 2BeiIe fd^meigenb.) 

Srna 
(Icifc, aber fd^arf) 

Unb ba§ ift Qlle§, Qlle§, tra^ ©ie über biefen intcr» 
effanten §errn t)on 3Won n)i)fen? 

9iel)ring! 
3ft er iDiriad^ fo intereffant? — ^d) Ql)ntemd)t.. 

Srna 
(lod^elnb, aber mit fel)r d^arafteriftifc^er ^anbbemegung) 
Stüjieren ©ie tnic!^ nicf)t qIIju ntebrtg, ©raf yitij» 
ringl ! . . . 3t)r 3!)lori ift lein 2)u|enbnienfcf) , f o trenig 
toie ©ie — ©ie finb nur t)orfi(^tig, fel^r t)orfid^tig! 

?tel)ring! 
Slber gnäbigfte grau? 



44 grftcr 3l!t 



®rna 
»Ute! 

yiel^ringt 
0>m Son ein raenig rocd^felnb) 

3cf) fönnte 3l)nen I)öd)ftenS no(^ jagen, ba§ er meine 
opferte QU§fd)Iiefelidö auf ber S8af)n geritten ^at. Unb 
ba biefe ganje ©efeUfdiaft biefer §err t)on 50lori fo un= 
begreif tid^ intereffiert — er toax fogareinfet)r guter lÄeiter. 
3lber nur §inberniffe unb über n:)eitefte S)iftanäen . . . 
©el^en ©ie, tt)ie unparteiifd) id^ aud) ba bin. S)ie erften 
taufenb 3Jleter tDar bei i^m t)om fogenannten ^er^en — 
bem falten 3Jlut — nie eine ©pur. ßeiber! ©onft 
n)äre er ein großer Gleiter getüorben. SltlerbingS bann 

— tDar er überl)aupt nod^ im 9tennen, ober xoax über= 
t)aupt nod^ bie SJJlöglid^feit, in§ flennen ju fommen, ba 
fd^affte er e§ beinal^ immer. ®r mu^te erft tDarm toerben 

— ba t)erftanb er ba^ frfiarfe 3lu§reiten tt)te Wenige. 
(8cibft roarm roerbenb.) ©el^en ©ie , er \)at in Söaben ben 
großen ©raben nod| genommen auf pofitit) öerenbenbem 
®aul . . . Unb bie ßeute lieb' id£) ! 

Srna 

(fc^arf) 

3luf beutfc^: e§ ift 3l)r befter ?freunb, ®raf. 

3lel)ringf 
5Parbon. Slber mit bem 2lu§brutf toixb t)iel Söli^^ 
brauch getrieben . . . (%ann mit s^a^brucf.) ßeute, bie SJlori 
mirlUd^ fennen, fagen, er fei ein aJtenfd) t)on ©eift — 
mir ift er einmal in einer fd)tüeren ©tunbe^ ein SJlann 
t)on §erj getoefen. 

ffirna 

(auffte^cnb, furj) 
^ä) liebe bie aJlänner öon §er j nid^t ! 



grfter 2l!t 45 

(Tuf)i9) 

S)a§ tut mir in 3fl)rer ©eele leib, gnäbigfte grau. 

6rna 

(nid^t me^r c^an^ ^in^örenb , inbem fic ba§ feibene 2;ud) xjon ber 

Schultet nimmt) 

t)on 2Jlel^rum 
(fofort tommcnb) 
S)u beftel)lft? 

6rna 
aSring, bitte, 3oft bie§ 2udö! (£§ trirb ipinbig — 
unb bann fott fte aud) J^erauflommen. 

Don $Dle!)rum 
3a, ja, e§ tüirb tDirtlirf) tDinbig! (®ef)t jur Xcrtoffcn^ 
trep^:e unb ruft.) QofÜ 

3ofi. ©rno. ^oxu TltljxvLm, 
Soji 

(unten an ber treppe) 
D, tDir finb fd^on ba. (^onn bog 3:uc^ fe^enb.) Um 
®otte§ tpillen, mir ift fo fo ^eife! (£§ ift ©etDittertuft. 

Srna 
3iimm ia^ 2ucf) unb fomm! 

3Mi 

(fleiQt longfam bic ^erroffcnftufcn in bic ^ö^e, SDIori hinter i^r. 

3^r ®ema^I qiht i^r galant ba§ 2:ud^ um, vothtx er i^ren ^al§ 

fcerü^rt, 2)o fröftelt fie unb fagt mit roe^em Säckeln) 

-. D ja, mid^ fröftelt bod^. (3n bem 5(ugenbli(f ba§ erfte. 

ferne Bonnern.) 



3tt>eiter mt 

(grfte Ggcne 

(allein in bem ^onoerfation^simmer be§ $otel§. ®e^t auf unb 
ab unb fie^t nad^ ber U^r) 
. ..Sl^, enblidi! 

(ber rafd^ ^ereingetreten ift) 

^arbon, grab ! . . . ^d) la[)e alte fjreunbe tDartcn . . . 

(«egrü&en ftd^.) 

3te]^ringf 
®u tDirft n)ol)l bcine ©rünfac l^aben. 

3Jiori 

(luftig) 

Selber nid^t ! SRid^t mal eine plaufibte ßntfd^utbigung . . . 
^d) bin nur faul, bummle beim Slnjiel^en . . . 3)a§ ftnb 
nid^t etoa Slnjeid^en beS beginnenben 2llterö, greb — 
im ©egenteil, id^ fät)le mid^ fo jung, fo fabetl^aft jung! 

Jlel^ringl 
®iefer SBabeort fdjeint über{|aupt eine Slrt Sung= 
brunnen ju fein. S)er Sl^eDalier l^at teine galten mel^r 
— unb bu leibeft an ßeben^freube . . . 3)a§ id^ ba§ 
iefetere nod^ an bir erleben foHte ... 



StDeiter 2l!t 47 



3a, ftet)ft bu! . . . 9lber, S^reb, mit bem e^eöalter 
t)er9tei(i)c mid) nid^t ! — ®a§ tft benn boäj ju [et)r meinet 
(Seiftet 3Btbcrpart. %nä} nid^t mit ben anbertt — mit 
feinem einäigen! . . . S)ü§ fie jufäHig alle „t)on" t)ei^en 
— berla^ bid^ brauf, feinet lann titoa^ bafür! ©ie 
ftnb famtlidE) jum gbelmonn gefommen tüie bie Jungfer 
3um ^nbe . . . 3iein, nein, ^reb, ba gilt ber alte 5Pa!t : 
tner toirllic^ Slriftofrat ift, ber ift e§ nur für ftd^ aüein. 
3lber für bie ©ippe ju fdEjtüärmen — bu lieber ®ott ! . . . 
SBenn bie l^ier alle SbeUeute finb fo toie id^ unb bu — 
bann banle id^ für ben Slbel! — ®enn tt)enn mid^ ber 
2lbel jum §erbentier madjt, fo lorreft unb fo üerlogen 
toie bie anbern — nein! — 3^) liebe 3Jle^er§ nid^t, 
aber bie Don 9Jie^er§ ftnb nod) fd^redflid^er. (gür fic^ lac^enb.) 
®er Sllte toäre id^ alfo nod^, S^reb — alles §erbe für 
mid^, atte§! Unb bei ber ®e(egent)eit oergeffe id^ t)oII= 
lommen, ba§ id^ bid^ l^ier I)erumftel)en taffe, toäl^renb bu 
einen ®f)renpla^ öerbienft . . . (gü^rt ben ©rafen, bie §anb 
um feine Taille, 5u einem gauteuil. Sie fe^en fic^.) Sltfo bir 
ge^t^S gut, fjreb? 

Jie^ring! 

©otreit, ja. 

ajtori 

O^ne Sigarren? (^Sein Sigarrenetui ^erou§^oIenb.) S)a5 
glaubft bu ja felbft nid^t! 

Slel^ringf 
imi) 
9lein, §ann§, id^ fann fel^r gut toarten. 

anori 
%Ux bu fannft in biefer ^aratoanferei raud^en fo Diel 



48 3tt)eitcr 2lft 



in tctUft, S^teb. ßein 2JJcnfdö ift an foItf)en SBormittagcn 
im §oten ®ie feiern SöoHSfefte am ©txanbe. 

SReliringl 

(ha^ 3i9örxenetut surüdfd^iebenb) 

^ä) raud)e bod^ ttid^t. ^ä) i)ait I)eute t)ormittag quc^ 
nid^t ein 2ltom Slppetit auf eine Sifiörte . . . (^en anbem 
auf t>a^ mxH nopfenb.) ®u ? 

3}lori 
a5ßa§ triUft bu? 

?lef)tingf 
S)u Mft fonft bod^ gefunb? 

ajlori 

Sc^^offe. 

91e]^ringf 

(mit öö«8 oexänbertem Son) 
S)Qnn Iq6 bir fagen, lieber §Qnn§, ba^ idt) bid£) tüeber 
l^eule t)erftel^e nod) geftern t)erftQnben l^übe. 3d) grata» 
liere bir iebenfoHg ju einer ßebengauffaffnng, bie entoeber 
fo IeidE)t ober fo törid^t geU)orben ift bafe id) bid^ borum 
beneiben möd^te. 

aJlori 

(ad^felgudfenb) 

• %u'§\ 'a3ieHeid)t fonnft bu'§ ol^ne ©trupel Sreb. 

3(1 e)^ ring! 

(aufftef)enb unb ouf utib ab gel^enb, futj) 
3d^ tu^§ aber ni(f)t! 

aJlori 

(cexroutibert) 

• ' 2Ba§ ift in bid^ gefot)ren, g^reb ? 



Stüeitex 2lft 49 



5U f) r i n g ! 
'Hd), if)r ärgert mtd) alle miteinanber! . . . ©piel bu 
meinettregen mir gegenüber .^tomöbie — id) bin mir bir 
gegenüber baju ju gut ! . . . (8te^en bieibenb.) ©iel^ mal, 
mein ^nn%t — idf) reife bei ben unfl)mpQt]^i]d)ften ßeuten 
'rum, fd^meicfile, intrigiere, brol^e, um eine öerrücfte 
^ibeifommi^Haufel ungültig ju mad^en, bie mir äu^erft 
gleichgültig fein fann, bir aber äußerft tt)i(J)tig fein 
mu^ . . . Unb je^t, wo xä) ejtra t)ierf)ergereift gefommen, 
um bir boS Stefultat ber 23erl)Qnblungen mitjuteilen, tuft 
bu beina^, aU trenn biefe ^Jibeifommi^Kaufet, an ber 
beine Sriftenj ^ängt, nid^t eriftierte — ober f)öd)ften§ 
a(§ ^irngefpinft in meinem ®ott fei 3)anf nod) fe^r 
intaften §irne l)erumfpu!e . . . 

2)iori 

(Dermunbert) 

Slber td^ fagte bation fein 2Bort, 5reb! 
?le{)ringf 

(im 2Beiterge^en auflod^enb) 

^aijal . . . ®d^on trie bu ba§ je^t fagft! . . . $ölein 
Öieber (tüteber fte^en bieibenb) , fragt ber t)or junger 
Irummtiegenbe ©tubent ben ©efbbriefträger, ber it)m auf 
ber Sreppe begegnet, Dießeid^t freunbfc^aftüd) nad) bem 
SBetter? . . . 3^ beiner Situation trare e§ bod^ ba§ 
yfatürlid^e, 3nftinltit)e , ba^ mxä) fef)en unb fragen: 
3a ober nein? leine Umfd^tt)eife! ^i) mu§ e§ fofort 
toiffen — ein§ fein mü^te . . . S)afür bift bu nid^t 
einmal neugierig unb apportierft SdE)irme. Stifo an bem 
fc^toarjen @pi^enfd)irm einer S^ame, bie bu laum fennft 
unb bie bid), bei ®ott, nid)t fel^r fdE)ä^t, I)ängt bir auf 
einmal bie SBelt? — 3)ag gibt aüerbingS ju beulen! 

Sofi 4 



50 3tt)eiter 2l!t 



(nod^ immer rul^ig) 
®u btft ja t)orjüglid^er ßaune, fjreb . . . 

Jlel^rtngl 
(jurücftretenb, mit erhobener §anb) 
Sitte, ben Unfittn ni(f)t mir, lieber §ann§ SJlariä! 
— 3d) fenne leine Saunen — bu tnei^t e§ . . . Slber ba 
bu mit gefd^Ioffenem Söifier ju lämpfen tnünfd^ft — eh 
Wen! — (^ü^l.) Sllfo, um bag ©efd^äftlid^e ju erlebigen: 
bie Slerjte geben beinem Dnlel nodf) t)ödö[ten§ t)ier SBod^en. 
Sänger t)ermag auä) ein Söunber bie SBafferfud^t nid^t 
aufjulialten. dlaä) ber ©eite bift bu falöiert . . . 9iad) 
bem 2;obe be§ ©rafen SDiori tt)irb bann ein Familienrat 
äufammentreten, um fid^ fd^tüffig barüber ju mad)en, ob 
bie berül^mte .Rlaufel: bal^ ber SUlajorat^erbe beim 2ln- 
tritt be§ aJtajoratS (fobalb nid^t fört)erlidöe ®ebred)en 
t)orliegen) preu^ifd^er Dfftäier fein muffe ober tüenigftenS 
mit ber Uniform t)erabfd)iebet — aufred)täuerl)alten 
fei ober ni(^t . . . ®amit idt) nod^ einmal aUeS toieber^ 
!äue: bu bift al§ ganj junger ©ffiäier toegen einer ®e= 
I)orfam§t)ern)eigerung öerabfd^iebet — in aJttem Slnftanb 
felbftt)erftänblidö — aber ber ®ad)lage nad^ bod^ fo, ba^ 
toeber ba§ Kabinett nod^ ein ^mmebiatgefud^ bir nadö= 
träglid^ bie ®rlaubni§ jum S^ragen ber Uniform t)er« 
mittein fönnten ... ®a bu aber mit beiner gamilie 
quarante-sept fteljft — tt)a§ id) burd)au§ bittige — unb 
ba bu in einer mäßigen ftnauäietten Sage bift — unb 
ba bu flingenbe O^reunbfd^aftSbetoeife t)on mir unter feiner 
SBebingung toünfdift, ^abt iä) bie SBerl^anblungen mit 
beinen a5ertt)anbten gefülirt. ®ie anbern paax Samilien= 
glieber toaren langfam ju atten ßonjeffionen bereitju^ 
finben, nur bein red^ter Söetter toünfd^te ba^ SUlajorat 



Srütittx 2lft 51 



lieber für [icf). Slber aud^ er t^erjid^tet neuerbtng§ enb= 
gültig, unb jtüQr i)abt \i) biejen 93erji(i)t in metner 2;afci^e. 
S)u meißt, ber SDtann fd^ulbet mir öiel ©elb — unb 
außerbem beft^e xi) ein gebrochenes SI)rentt)ort t)on il^m. 
6§ Xdax nidjt übermö^ig gentlemanlile gegen ben 3Jlann 
unb mir je^r contre coeur, jebenfallg aber freunbfd^aftlid^ 
gegen bic^, ba^ id^ i^m, aU atte Ueberrebung nid)t§ frud^ten 
n)oKte, ba^ gebrochene 6^renn)ort aU ^opanj fo lange unb 
fo energijd^ tor bie DJafe f)ielt, bi§ if)m übet n)urbe unb 
er ba§ 2o!ument l)ier l^erauSgab ... 3^ übrigen ift 
mir biefer SSerjid^t n)al)r^afttg nid^t billig ju ftefjen ge= 
fommen! 9lber id^ benle, e§ trar immer ber Stolj t)on 
un§ beiben, ba^ toir uns gegenfeitig ein tt)enig jel^r i)od) 
über ben lanbläufigen 5Dlarftprei§ ber fjreunbfd^aft 
jd^a^ten . . . Sllfo . . . njenn ber §immel nicf)t einftürjt, 
fo bift bu in abfeljbarer 3^^* 6rbf)err auf fo unb fo öiel 
©ütern, unb menn e§ bir ©pa^ mad^t, fannft bu bid) 
®raf fcf)impfen mie idE) . . . 

aJtort 
(etnja§ gebrürft) 
5reb — alter greb ! . . . 2öa§ foU id^ baju fagen . . . 

3lel)rxngf 

(fe^r beftimmt) 
3itd)t§, gar nichts — öor allem nid^t lügen! 5Jein, 
§ann§, t)or allem nid)t lügen . . . Sir liegt \a bo(^ an 
bem ?tu§gang ber ganjen ©efd^id^te nid^tS, mein Sieber . . . 
®U ija]t SQßid)tigere§ t)Or. (^er anbre mac^t eine S^eroegung.) 
SdE) toünfd^e bid^ nidöt ju langn)eilen, §ann§ — id^ 
toünfd)e auc^ feine gegn^ungenen 23ertrauengfelig!eiten! . . . 
5lur nod^ eine ganj nebenfad^lid^e tyrage : ©ibt'S l^ier fo 
toal tpie 3agb? 



52 3n)eiter 3lft 



3id| glaub' fd)on ... im SBabeprofpeft tüenicjften^ 
ftel)f§ ... S)a id^ aber gar nidit S^ger bin, tote bu 
tüet^t . . . (®tne ärgerUd^e S3en)egung mad^enb.) Uebrigeit^ tft 
ba^ Unfinn! ^latürlid^ gibfg 3agb t)ier - ^Robben. 
®er Tltijxnm liegt ja ju bem S^vtd ben gattäen S^ag auf 
bem SBaffer. 

Slel^ringl 

(f^arf) 

Stein. 3d) meine, ob'§ ^od^toilb gibt — §irfdö^? 

2Jlori 
Qd^ l^abe nie gel)ört. 

Jlel^ringl 
®ann bift bu einer t)on ben wenigen glüdlid)en 33lin= 
ben. 2Jlir beud)t, e§ ftel^en fel^r fd^öne §irfd^e l)ier — 
unb ein befonberS lapitaler 93urfd)e fd)eint bein greunb 
3Jle^rum ju fein . . . Sr l^at tt)ol)t gerabe gefegt — aber 
ber ©etüeifjanfa^ ift großartig. 

ajlori 
(od^feljutfenb) 
©oll ba§ geiftreid) fein, g^reb? 

Slel^ringf 
D nein! — ^ä) möd^te bamit nur fagen: 3ft ba§, 
n)a§ bu mit ber Sofi aKel)rum t)orl)aft, toeiter nid)tS al§ 
eine öerätoeifelte §e^fur? — SDann reife idf) nod^ ^eute, 
toeil iä) überflüffig bin . . . Unb ein toenig leib tut mir 
bie i5rau aud^. aJlan brandet bod£) 'nid)t ben 3tuf einer 
O^^au fo tior aller SBelt ju befdEimu^en, tt)ie bu auf bem 
beften SBege bift . . . (9^ä^ertretenb unb leife.) Ober ift e§ 
mel^r, t)iel mel)r, §ann§? — S)ann bleibe id^ bod^. S)u 
tDirft mid) braud^en. 



Streiter 2lft 53 



(ber aufgeftanben ift mit gepreßter ^xppz in§ Seere ftarrenb. ^ann 
Reifer) 
x^Xtb . . . (3n bem ^ugenblicf öffnet fid^ geräufc^lo§ bie ^ür. 
@tn (Stubenmäbc^en gutft herein, um fofort ju cerfd^njinben.) 

(nad^ ber 2ür jeigenb, reo bog 9)Mbd^en oerfd^routtben) 
S)a ! — SOßenn bu eine nodE) beuttid^ere ßrtti! tüünfd^ft . . . 
aSan tüei^ betne 9tenbejt)ou§ — unb mad^t fid^ gern in 
ber SRöl^e ju fd^affen . . . (Sarfaftifc^ für ftc^.) ®ie SBeiber ! 
ßeine gönnt ber anbern einen $Dlann . . . (gortfa^renb.) 
Uebrigeng, bamit bu aud^ orientiert bift: id^ fal^, Qt§ 
id) tarn, Srau t)on 3JteI)rum burd^ bie ßorribore prome= 
nieren, unb fie banfte meinem ®ru§ etn3Q§ verlegen . . . 
^d^ tue bir, glaube id^, einen großen ©efatten, tüenn iä) 
unfre Unterrebung je^t abbred^e . . . 

3Jlori 
(ber auf unb ab gegangen, auf h^n %xennh jutretenb unb beibe 
§änbe auf feiner ©c^ulter, ftotternb, Reifer) 
greb, fei gut ! . . . 3[d^ Derftel^e bid^ — tjerftet) bn 
midö aud§ . . . S§ l)Qt \xä) freilid) t)iete§ öeränbert feit 
frül^er, fet)r t)iete§ ! . . . Unb mir liegt an bem 3Jlaj[orat 
unb bem © r a f e n DJIori im ^[ugenblidfe nid^tg — tüeniger 
als nid)t§ . . . Su begreifft aKe§ . . . Sfd^ liebe bie fjrau 
— iä) fürd^te, ba^ idt) oi)nt fie md)t leben fann . . . Ser» 
lang leine ®etail§! ^d) lann'g nid^t, fann'3 niäjt . . . 
S)arin bin id^ fo Vdäjtxixä) empfinblic^ . . . 3dt) fann aud^ 
btm beften ^reunbe nid^t fagen, toa^ i^x aUt um mid^ 
l)erum ja fo fd^on toi^t . . . ®al)er bie ganje ßomöbie ! . . . 
Ueber baS, toaS un§ im 3f^nerften ben)egt, fpri(f)t man 
nie . . . ?iur fo t)iel nod^ : id^ bin f einesn)eg§ blinb unb 
toei^ genau, ba^ anbre aud^ nid^t blinb finb. 2)ie ®rna 



54 3ti)etter 2lft 



aSeipird^ lüei^ aUt^ — bu tüei^t alles . . . ^df) bin in 
euern Singen t)tellei({)t nnr ein taltbintiger ©dönxfe, ber eine 
Srau ft)ftematifd^ Derfülirt, blamiert . . . Sreb, id^ bin 
e§ nid^t ! — ^äj bin nnr feige . . . 3fd) bef omme bie fjran 
nie — nnb gef)e bod) nid^t. 3d) lebe t)on S^ag jn S^ag — 
nnb i)üte mid^ , an ba§ 9Jlorgen jn ben!en . . . mtux 
läc^elnb.) ^ä) fag^ bir, tt)enn bie ©ad)e übel ablänft — 
id^ gel)e nid^t an ber ®d|led)tigfeit einer gran ängrnnbe, 
id) gel^e an ber ©üte einer fjran jngrnnbe . . . Unb nnn 
lafe mid& ! . . . S^ ^cibe aUerbingS l)ier ober nebenan im 
©amenjimmer ein ^enbeät)on§ — öieEeid^t ba§ le^te nn* 
geftörte — benn ®rna SBei^fird) ift leine S^örin . . . 
aOßenn bn übrigen^ fannft, l)alte mir ba§ SBeib menigften^ 
eine ©tnnbe t)om ßeib je^t! — 3fä) tt)ill nod) einmal ge= 
banfenloS tt)ie ein fiinb in bie ©onne fd^anen. (Sie brüten 
fid^ fd^njeigenb bie §anb.) 

3lef)ringt 

(an ber %ixx nod^mal§ umfe^renb) 
§ann§ — iff§ bie Sran and^ tnirflidt) mert? 

aJlori 
3a! — aber la^ mid^! 

?lel)ring! 
(in ber ^ür mit einer ^anbberoegung) 
©t . . . ft . . . (SDIori oerfd^roinbet im ^^ebenjimmer.) 

3tt>eite ögene 

9^el)ringt ©out) ern ante. ©bgar. §arr^. (^ie ©ouoers 

nante mit ben ^inbern. §arr^ ungeniert ju bem ©rafen ^eran* 

gel^enb.) 

§arr^ 
S)n, n)0 ift bie aJlama? — 2Bir tcollen an§ SBaffer. 



Stotxitx 2llt 55 



91 e ^ r t n g f 

(mit leifcm ^o^n) 

^d^ treiB nic^t, wo eure 3Rama ift — aber td^ fudie 
[ie aud). (darauf machen fic^ bie Knaben an einer ©tu^u^r ju 
fc^affen unb bre^cn am Seifler.) Sl^nfl^^^^ f^fet ^öö! ^^^^ 
3ungen§ lachen unb bre^en an ber U^r, bi§ [\e fc^Iägt.) 

Jie^rtngf 
§Qbt t^r gehört, if)r Senget^ — i^r fottt boS laffen ! 

®ou Demante 
ßbgar, §arrt), f)ört bod^. (3n bem 5{ugenblicf fäat ber 
U^TOuffa^ flirrenb herunter, unb bie 3unt]en§ fpringcn jo^Ienb 
in bie §ö{)e.) 

5t e [) r i n g f 
rtalb la^enb) 
93enge(8, je^t ^au' xdj aber tnirfttdE) ! 

©ouDernante 

(mit ©mp^afe) 

3o, fet)en ©ie, ba^ Temperament, §err ®raf — ba§ 
nnjäljmbare Temperament. 

?iet)ringf 
(ac^feljucfenb) 
Sie ]d)einen e§ atterbing^j nid^t jäl^men ju fönnen, 
mein gnäbigeö J^äulein. 

©ritte G^ene 

9^ef)ringf. ©rna. 

Grna 
(man ^ört i^re Stimme tjon ber Seite, o^ne fie gu fe^cn) 
2öa§ ift ba^ n)ieber für ein Öärm? — (5Muf bie «ü^ne 
fommenb jur ©outjemante.) 3^räulein, tun ®ie botf), bitte. 



56 3tt)etter 9l!t 



nur einmal in 3t)rem ßeben bag ®et6ftt)erftänblid)e ! — 
SBoäu iDarten ©ie überl^aupt auf mid)? Sie müßten 
mit ben ßinbern fdion feit ©tunben am ©tranbe fein. 
(SDßäl^renb bic ^inber mit ber ®out)emante tjerfd^roitiben, fie'^t fie 
fid^ im 3iinmer um unb bemerft ben ©rafen.) ©uteu SUlorgen, 
©raf! 

©Uten ajlorgen, meine gnäbigfte fjrau. (Sac^enb.) ^ä) 
tt)ar eben auf bem beften Söege, bei 3l)ren Ferren ®öl)nen 
ben fd^tt)aräen SDiann mit ber 9tute ju fpielen. 

®rna 
(aufgeräumt) 
^ä) tüäre Ql^nen bafür f ei)r banf bar getref en, ©raf ! . . . 
^ä) geftatte nur meinen Seuten grunbfä^tid) nie baS 
3ü(^tigung§red)t . . . S)iefe 5|}crfon ift übrigen^ nod^ nid)t 
mal bie f(J)led)tefte ... ©ie i^t leine Stalglid)ter, i)at 
%pptU . . . ®ie Seute l^aben nur bie mir unöerftänblid^e 
5lngft t)or jebem felbftänbigen §anbeln. — S)ienftboten= 
naturen — eine trie bie anbre! . . . 3d^ liebe fie nid)t 
— aber fie finb trol^l nottrenbig . . . Söen ertDurten ©ie 
übrigeng l)ier, ©raf ?lel)ringl? 

Jtel^ringl 

(mit l^alber SSerbeugung) 

©ie, meine gnäbigfte fjrau, tDenn'g erlaubt ift . . . 

®rna 
(läd^elnb bro^enb) 

©ie ©d^toerenöter ! . . . Sfd) f ud^e iebenfatl§ nur meine 
Heine ©(^tDefter. 

9tel)rtngl 

?lein, meine gnäbigfte O^rau, id^ mogle aber toirflid^ 
nid)t. S)a§ §otel fdieint au^geftorben, unb id^ fud^e ie= 



Streiter Stft 57 



juanb, ber mit mir am ©tranbe promeniert . . . S^ ^ör 
fcf)on bei meinem früt)cren 9tegiment8tameraben, 5Diori — 
bereits feit ©tunben ausgeflogen . . . ^l^re ^rau ©dön}ef'ter 
fof) ic^ übrigens nod) nor n)enigen 3}linuten. ©ie ging 
too^f and) ber ßurmufil naäj, wo fidt) ja, toie id) l)öre, 
nnfre ganje itluftre ©efellfcf)Qft allmorgenblidö Derfammelt. 

G r n a 

^Kuftre? — ^d) !enne jum Seifpiel bebeutenb illuftrere 
3JlQnner als ben fogenannten 6l)eoaticr. %\iä) bie anbern 
— DIamen, nur Diamen! . . . DJhr gefällt eS nämlid^ gar 
nic^t übermäßig I)ier. £qS ^otel ift üOerfüüt — man 
toirb bementfpred^enb fd)led)t bebient . . . 2)ie ©ee ried)t 
efell)aft nac^ 5Eang. 

9t et) ring! 

9(ber, gnäbigfte 3rau, ©ie fe^en aufeerorbenttid) njo^l 
aus. — ^c^ backte gerabe . . . 

Grna 
(unterbrec^enb) 
C lieber ®raf, baS ift rein äufeerlic^ ! . . . 2)a gef)t'S 
mir, glaube ic^, tt)ie ^ijmn aud). Söir fönnen uns 
füf)Ien, n^ie n)ir UJoHen, njir fönnen t)inter unS ^aben, 
»aS Xüix tooHen — unb fein DJlenfd^ fief)t'S uns an . . . 
®aS ift ©efeüfc^aftStraining — baS get)ört einfad^ jum 
anftänbigen aKenfd^en! . . . (fiäc^einb.) Unb traS fagen 
©ie ju geftern, ©raf? — 9Jlir toar'S fet)r intereffant. 
^d) wax gerabeju frappiert, toie fcfinell mx unS t)er= 
ftanben! SBir finb bod& nad) einer fef)r furjen ?RefognoS= 
jierung fofort baf)intergefommen, baß ä^M^^^ ßeuten 
toie uns gf)rlid^feit bie befte Diplomatie ift . . . S)arum 
jage id^ 3t{)nen audf) je^t ganj ruljig: S)ie Gourmad^erei 
t)on ^l^rem ^reunbe 9Jtori mit meiner Keinen ©d)tt)efter 



58 3tt)eiter 5lft 



pQ^t mir gar nid^t ! . . . @§ ift fo tr)Q§ ©cfütjlöoßeg brin 
t)cin feiner ©eite, tt)a§ id^ nic^t goutiere . . . Jiatürlid^ 
ift e§ abfolut l)armIo§ — beinaf) eine Äinberei! . . . 
SBiffen Sie, 3Jlct)rum ift meiner ®d)tt)efter fo unbebingt 
fidö^^ — fiß tt)ei§ felbft fo genau, ba^ e§ in unfern ®f)en 
©eitenfprünge be§ ©efül^Ig einf ad^ nic^t gibt ! . . . ©ie 
lommt aud^ nid^t mal auf ben ®eban!en . . . Slber gerabe 
begl^alb ! — Sßobei iä) öietteid^t gar nidE)t§ finbe, barüber 
reben fid^ anbre Öeute bie S^^nge n)unb — jumal biefe 
ßeute ^ier, bie toeber ^fntereffe l^aben nod^ SBerftanb, fon= 
bern nur ben blöbeften SBabeftatfd) )3flid)tfd}ulbig nad£)« 
beten . . . (^urj.) $£)a§ :pafet mir nid^t ! 

?tef)ring! 
©näbige S^rau, id^ t)erfte]^e t)oIl!ommen . . . 2lber ba 
bie ©ad^e tDirlUd^ fo abfolut l^armtog ift — eigentlid) 
nur ein 2lu§taufd| belanglofer öieben§n)ürbig!eiten . . . 

®rna 
(unterbred)enb) 
§armlo§, §err ©raf ? — 2Ba§ ift t)armto§? — 2trte§ 
ift befanntUdE) l^armlog, bi§ bie ®etegent)eit !ommt! . . . 
^ä) ben!e natürlid^ nidjt an ba§ ©egentoärtige, toenn ic^ 
^l^nen fage: SBir beibe finb bodö tt)ot)t ju fet)r in ber 
großen SBelt aufgetoad^fen, um nid)t genau ju toiffen, 
ba^ bie befte SJloral über bie fleinfte ©elegenl^eit ftot= 
pert . . . SBie gefagt, bie Suft I)ier befommt metner fteinen 
®d^tt)efter nidE)t! SQßir toerben fel)r balb reifen. 

Jie^ring! 

(läc^elnb) 

®ine Iomifdf)e fjrage. ®ie Saronin SDle^rum ift bod^ 
majorenn ? 



Stoeitex 2tft 59 



Srna 
©ie ift jtreiunbäirQnjig ^ai)xt, fünfe bat)on t)er- 
l^eiratet. 

(5ögernb) 
3a, gnäbigfle O^rau, ift e§ md)t ein tDenig getDagt, 
ertx)a(f)fene 5Dtenfc^cn gängeln ju n^otten? 

grna 
SBenn fie im ©runbe il)re§ ^erjen^ notf) Äinber finb, 
nein! 

3i e ]^ r i n g f 
SBer tDeife. grembe 3lngelegenf)eiten am falfd^en Snbe 
forcieren — ba§ tjtx^t änn)eiten ... bQ§ l^etfet jutDeilen : 
ein Spiel auf 8eben unb 2;ob. 

ßrna 
aOßie meinen ©ie ba§? 

9ic£)ringl 
Steine gnäbigfte x^xan, bringen ©ie 3f)te „Weine 
©d)mefter" nic^t auf ©ebanfen! 

ßrna' 

(fxc^ aufric^tenb) 
Söeräei£)ung, ®raf ! . . . 

?lef)ringl 

(nac^ einer äßeile, qI§ rcenn nichts gcfproc^en njäre) 
©nabige 5rau, vooUtn mir ntd^t bod^ ben SBormittag 
benu^en? 

Sxna 
(etrt)a§ jerftreut) 
Sa, ja . . . (9iafc^.) 2Bo fa^en ©ie ,übrigen§ meine 
©d)tt)efter? 



60 3tt)eiter 2l!t 



?iet)TtngI 
Sd) glaube, gerate aU fie ben ^otelgarten paffierte . . . 
aber id^ fann aud^ irren . . . 

@rna 

^a, tüir trotten gel)en, ®raf! Qm SBegge^cn nad^ben!^ 
(id^.) ^ft e§ nid)! fonberbar, ba^ tt)tr, bie n)ir un§ etgent= 
lid) fo t)oräügU(i) öerftel^en, am Snbe immer mit geäüdten 
©djtDertern un§ begegnen ... 3ft ba§ eine Unart unfrer 
©el^irne? — Ober ein ©egenfa^ ber ^erjen? . . . 

Sftel^rtngl 

(leife) 

2öa§ tiefer liegt . . . m^en.) 

Q5ierte G^enc 

Öofi 

(^ufd^t in§ 3imttter — fie^t fiti^ um — l^ord^t — gel^t bt§ jur 3:ür 

be§ 33iIIarb5immer§ gegenüber, bort bleibt fie unfci^Iüffig fte^cn. 

Seife, foft fc^üc^tern.) 

§ann§! (9^oc^ einmal nad^ einer $aufe.) §ann§! (®ann 

fd^üttelt fie ben ^opf unb roiü roieber ge^^en. äBä^renb fie bQ§ 

Sögernb tut, öffnet fid) geräufd^lo§ bie Sure 5um S3iIIarb5immer. 

Tloxi fi^Ieid^t i^r nad^ unb legt bie §änbc i^r l^interrüdfg über bie 

Slugen. Sie fäl^rt ein roenig jufammen.) 

3Jtori 
(leife) 
Söer? (»ofi f^üttelt t>m ^opf. 9?^ori fü^t i^r barauf hen 
madm. moxx Reifer.) Söer? 

3ofi 
(leife mit einem Säd^eln) 
S)u. (2Bä^renb er i^r bie 5tugen freigibt, roenbet fie ^ärtlid^ 



Stüeitcr Slft 61 



bcn ^opf jur Seite, fo hafi er it)ren 3)lunb füffen fonn. ^ann 
mac^t fie fic^ auf einmal lo^ unb geljt einige Schritte jurücf. ^ann 
erft bre{)t fie fic^ um. Sie fe^en fic^ an.) 





ajioti 


Oop! 






e»ojt 


§Qnni aKatia! 






3Jlott 


9Ba8 foü baS? 






3ofi 


3(^ bin jo Qngftüd^ 


auf einmal. 



aJlori 
SBarum? 

©icl^t ung aud^ tt)irltid^ niemanb? Saufd^t feinet? 

3nort 
2Ber? — 2Bir tüorcn bod^ f)ier immer t)ßlltg un= 
geftört? (2Bä^renb er nä^er ge^t, roeicf)t fie nod) me^r jurücf. 
a^ori erftaunt.) Sffienn bu nic^t trittft . . . ;3d^ t)erftef)e 
trirflid^ nid)t — 

3ofi 
(roö^renb i§r ©efic^t einen roc^mütigen 5iu§brucf befommt fie()t fie 
in§ 8eere, al§ rcenn fte einen ^ampf fämpfte. ^ann eilt fie rafd) 
auf SJ^ori ju unb füfet i^n, beibe 2(rme um feinen ^al§ legenb. 

eifrig.) 

Slber id^ mitt ja — idt) triü ja, §ann§! 

2Jtori 

(bie |)anb ganj feft um i^re Taille, fü^rt fie ju einem gauteuil 

unb min fie in bie ^olfter gleiten laffen. Ten ^opf ganj na^ an 

i^re 2Bange.) 

©eliebter ©d)Q^! 



62 3toeiter 3tft 



3oU 

(bie fielen geblieben ift. eifrig) 
2)u, ie^t muffen tt)tr aber berftänbig tüetben! (®r 
fü^t fie ai§ Sintroort.) ®u fottft ba§ aber nid^t ! . . . Sie 
foHen ba^ aber ntd&t! . . . 

3Jlori 
Soft, tt)a§ fid^t bid^ an? 

Soft 
§ör mal ju! . . . ^ä) l)dbt nämUdE) bie ganje ^aä)t 
fein 3luge jngetan ... ®§ ift bodf) eigentUd^ fo fd)led^t, 
tt)a§ tüir tun — tt)a§ idö tue ! . . . ffi§ ift aud) beffer, 
tt)enn tt)ir un§ tt)ieber ©ie nennen — (sögemb) aud) t^enn 
tüix aßein ftnb . . . ©el^en ©ie mal, §ann§ . . . (2Bieber 
löd^einb.) ©ief) mal, §ann§ — id) fann'g hodj nid^t! — 
SOßenn id) mid^ je^t mal öerfprädie t)or ben anbern — 
trenn e§ meine ©d^tnefter l^örte . . . (S'ia^benfenb.) ®u — 
bin id) fd^led^t — fel^r jd)led)t? moxi mu i^x ben mnnh 
mit ber §anb f^lie^en.) — D, id) bin fd)ledE)t — fo fd^Iedt)t! 
, . . 3f^ ^^ife gctnj gut . . . Unb trenn bu mit einem 
anbern mid^ fo fe^en toürbeft unb audE) aHe§ trü^teft, 
atteg — tDürbeft bu mid^ bann nid)t au§ tieffter ©eele 
t)erad^ten? — £) bu toürbeft eS ~ unb bu mü^teft e§! 

aJlori 

(fie in ba§ ^olfter brütfenb unb fid^ ^u i^r beugenb) 
SEßer l)at bir ba§ beigebrad^t, ©d^a^ ? — S)u — unb 
fd)ledf)t! . . . 3d^ toti^ nur, ba§ bu beinen 3Jlann nid)t 
liebft, nie geliebt ^aft, ba^ bu beinal) al§ ßinb ju biefer 
unglüdfeligen ®l^e t)erbammt toorben bift . . . §at beine 
©d)tt)efter ®rna tttoa . . .? 



Stüetter Stft 63 



Soll 

(i^n xa\d) unterbred^enb unb im falben 5luffte^en) 

Dtein ! — fein SBort ! . . . S)u barfft ntd)t \(i)M]t öon 
if)r benlen, §Qnn§ ... 6ie tft ja jef)r gut, fo ]^eräen§= 
gut ! ßein SUtenfd) auf ber ganjen Stbe meint e§ fo gut 
mit mir irie fie. (2nori onfe^enb.) S)u natürticf) aud^ — 
natürlid^! 216er bu bift bu! 2)u bift ettt)a§ gauj anbre^. 
Sin bicf) ben!' id) nie, n)enn i(i) an all bie anbern 9Jien= 
|cf)en beule . . . S)a§ tüei^t bu \a felbft ! — 2lber meine 
©rf)tüefter . . . (eifrig) xi)x müßt eud) erft fennen lernen ! 
©ie ift fo ftug, fief)t alle§ — fte al^nt fidler etn)a§ bon 
unfrer Siebe. Unb fiel) mal, fie l)at baüon uocf) nid^t§ 
gefagt. ©ie n^ar geftern ben ganjen Slbenb mit mir 
attein — t)at x^xx^ ertra n^eggefd^icft . . . SBar ba^ nicf)t 
f einfül^lig ? 6^ tt)ar audE) bann fo gemüttidt) — tüir jnjei 
aßein, bie n)ir un§ fo gut t)erfte{)en, obgleidE) toir fo ganj 
anber§ finb. 2Bir l^aben über alles möglicf)e gefprod^en, 
toeißt bu — aud) über bid). ©ie l)at nid^t§ gegen bid^, 
fie mag bid^ gern ! . . . (3ögernb.) Soor bir f)abe id) feine 
©el^eimniffe, §ann§ ... ©ie ift bod) SBitn^e feit einem 
falben ^ai)x — unb fie t)at mir geftern audt) gefagt, ba^ 
fie i^ren Diel alteren SJtann gar nid)t fo leibenfd^afttid) 
geliebt ^abe, ba^ e§ meljr 3ld)tung unb S^eunbfd^aft ge= 
n)efen fei. (Seife.) Unb ba {)abe id) gauj beutlid^ ]^erau§= 
gefpürt, ba§ fte audE) mand)mal unglüdlid^ get^efen fein 
mufe, fid^ einfam gefüllt f)at — unb fogar l^ä^lid^e ®e= 
banfen gebad)t l)at. ?lber fie n^u^te, n)a§ if)re ^Pflid^t 
tt)ar — fie l)atte i{)re ßinber . . . Unb ba§ 5ppid)tgefü^l 
l)at fie fo glüdlic^ gemad)t am ®nbe! . . . SPttr tüurbe 
ftebenb f)et^, toie fie fo erjö^lte. 9[Bo{)l barum f)abe id) 
bie ganje ?lad)t nid)t fd^lafen fönnen. — ^c^ bin bod^ 
eigentlich bireft eine SSertüorfene! 



64 3tt)etter 9lft 



(Ieibenfd)aftlitf)) 

»oft 

(tx)eici^) 
%ä) \a, bn fja\t auäj red)t — unb tx)enn ic^ mit btr 
äufammen bin, bann f)aft bu eben bie ^Ulad^t über mid^. 
^ä) fomme mir Qud) je^t gar nid)t met)r fo t)ern)orfen 
t)or. (^räumerif^.) SBenn id) einen Siomon (efe, lt)o fo 
tt)Q§ öorfommt, ober t^enn man'g t)on einer JSefannten 
tüifpert, bann ben! td^ nod) l^ent: Sßetd^e ©ctüiffen^biffe 
mu§ bie fjrau bocf) Ijaben, nnb tok fel^r mu^ fie fid^ 
t)erad)ten ! — ?lun tn' id^'g f elbft — tue ba^ ©d^Iimmfte 
— unb eigenttid^ finbe id^'^ nur natürlid^. 3)ie fdjtrerfte 
©ünbe ift mir ba§ ]^ödE)fte ®lüd . . . 

ajlori 

(auf unb ab öe^enb) 
3a, toenn n)ir beibe fo fünbigten, n^ie e§ bie anbern 
tun, au§ Jöergnügen, au§ ßaune . . . (Sic^feipcfenb.) ^q, 
bu lieber ©ott, bann ift eben alle§ ©ünbe auf biefer 
äße«! 

»oft 
®ief)ft bu, bu toei^t aud^ nid)t! 

ajlori 
(etnfl) 
3d) tt)ei6 nur, ba^ id^ ein Sßunber an mir erlebt 
i)ait — unb metir tritt id^ gerabe I)eute nidE)t triffen. 



Soft 
ßiebft bu mid^ tDirfUd) fo? 



Stoeiter Slft 65 



(cor i^r fielen bleibenb, il^re beiben §änbe föffenb unb if)r in§ 
©efic^t fc^auenb) 
3)Zein <Sd^a^ — td^ l)abt btr gejagt unb fag'S bir 
aud^ je^t triebet: SJerlang' t)on mir, tt3a§ bu triHft — 
ba§ fd)euBlic^fte Söetbted^en! ^ä) tue e§ ol)ne 2Bimpern= 
Juden, of)ne ben @(i)atten t)on 9ieue. (3ic^ ju i^r beugenb, 
t>a^ fid^ bie ©efic^ter faft berühren, Reifer.) Slbet bafüt Utufet 
bu aud^ mein fein, ganj mein! 

3oji 
(fid^ raeit ^urücfbeugenb) 
D, trag bu fagft, ift fdEiredüdE) ! . . . ®u fprid£)ft faft 
tt)ie ber 23erfu($er. 

SDlöri 

(firf) erf)ebenb mit bittcrem Säd^eln) 

Sdf) glaube nid^t, 3iofi! . . . 3^^ gtaufie überfiaupt 

nid^t, ba^ e§ große ©ünben gibt, e§ gibt nur Meine. 

2ln ber großen ben^ufeten Sünbe ftirbt fein 3)lann! . . . 

3ln ber Meinen fterben tüxx toof)l alle — bu aud^ . . . 

3ofi 
©prid) nid^t fo! — ßg ift toieber ba^ 2IIte. 

moxi 
darauf toürbe bir ein anbrer antworten: bu liebft 
mid^ nid^t. 

3ofi 
(aufipringenb) 
5pfui! 

aJlori 
^a, fiel^ft bu . . . (2Beiterge^enb unb tjor einem S3ilbc 
fte!^en bleibenb.) 

3ofi 5 



66 Stneiter 9llt 



»oft 

(ü^m nad^fel^enb, nad^ einer äöeile) 
§ann§ ! 

aJlori 
(über bie Sdjulter tneg) 

Äomm' bod^ ein Bi^c^cn! 

SDlori 

(nod^ immei; ftelien bleibenb) 
Söenit bu tüünfd^ft. 

Soft 

(roeic^) 
3fd^ bitte, (ä^ori !ommt langfam su i^r; al§ er bei i^rem 
(Stul)L i^m bie §anb l)inftrecf enb , fd^elmif^.) §ilf! — ^ä) 
lann ntd)t allein aufftel^en. ^ä) bin fo matt I)eute. 

a)loti 
kleine ©(^aufpielerin! (5Iber er sie^t fxe bod) empor. Sm 
legten SJloment fpringt fie febernb in bu §ö§e unb umarmt i^n.) 

Sofi 
9^un f otttm — bu ! — ©ei rtii^t unartig ! . . . fjülire 
nttd) tt)ieber ju unfetm ©ofaplafe an ber ©tfe. (2ßät)renb 
er bie §anb leife um it)re Taille legt.) ©u btÜcJft tttid^ uid^t ! 
— ®u tuft mit überl^aupt nie totf) tok mein 3}lann, 
unb bu fagft boä) felbft, bu l^ätteft eine jo I)arte 9ieiter= 
I)anb ... (an bem ©ofa) uub nun gib mir ba^ gro^e 911« 
bum mit ben ^t)otogra))l)ien bort ! («Sie fd^miegt M in bie 
©ofaed^e.) ©d^lag'g auf ! . . . Unb je^t fe^ biä) bid^t neben 
mid), gauä bid^t! . . . 9lber fo, ba^ bu fofort aufftel)en 
!annft, toenn jemanb fommen foüte. (S^iori tut aHe§ qe^ox-- 



Streiter 2t!t 67, 



fam.) (So ! . . . ©0 ift e§ reijenb ! . . . Unb nun !ü§ vxxä) 
nod) einmal — aber nur einmal! (®r !ü^t fie.) Unb nun 
erjöl)! mir — erjäf)! mir irgenb ettt)a§! ^t^Ö tnill bie 
Slugen jumad^en. (erliegt bie siugen.) . . . Slber bu erjälilft 
ja nid)t? 

DJIori 
(tüte au§ einem Srautn erttjac^enb) 
2Ba§ fott icö erjätilen? 

Sofi 
©iel^ft bu, bu bift boä) ungejogen! . . . Sfd^ gel) aud^ 
auf ber ©teile. 

dJloxi 
(fie utttfaffeitb) 
©el) nid^t, ^ofi ! . . . ©iel^ mal, ber ßieben§n)ürbigfte 
wax iä) nie . . . ^ä) l)atte aufeerbem eben mit 9lel)ringf 
einen Keinen ©peed^ . . . 

Sofi 

(eifrig) 

§at er bid^ geärgert? — O, bann mag iä) itju gar 
nid^t leiben! 

moxi 

äJiit Slbfid^t iebenfallg nid)t! - gr ift mein befter 
T^reunb . . . Unb njie bie beften ^reunbe äun^eilen, l^at er 
mir bie ßeötten gelefen. — ®r l^at ein t)olte§ ^fted^t ba= 
ju . . . 3d^ bin nid)t§ — id) fann nid^t^ — tDOju bin 
id£) überliaupt ba . . . (3u fic^O 3a, ba§ tDei^ id^ allein . . . 

Sofi 
®a§ Wax nid)t nett t)on beinern Sreunbe — unb e§ 
ift aud) nid)t nett, ba^ bu e§ mir je^t gerabe tüieber 
erjälilft . . . (SDiori attfe^ettb.) ®u l)aft fonft ganä anber§ 



68 S^-otxttx 2l!t 



äu mir gefprodien . . . S)u t)aft immer gefagt: 9l6er feit= 
bem id) bid) fenne unb liebe, ;3ofi ... 

Sfflori 
(uttterbred^enb) 

3fa, gett)i^! — ^ä) braudje fein Sßort 3urü(fäu= 
nehmen . . . (Soft anfe^enb.) ^ä) bin ein 5lor — unb id) 
bin e§ jo gern ! . . . Slber e§ lommen boä) and) bie grauen 
©tunben . . . ©iet) mal: ^d^ Wax ©olbat — quittiert 
n)eil id^ ba§ töblidie (Einerlei be§ ©amafdö^nbien[te§ nid)t 
mel)r ertrug, ^ä) tüax fo tr)a§ trie ^Diplomat — banfe! 
Söenn man t)inter bie ßuliffen fielet — bu lieber (Sott! 
^ä) t)abe meinen Steigungen gelebt, ba§ l^ei^t, id^ 1)abt fjkx 
unb ba genafd^t — ein bi^d^en gemalt, ein bi^d^en ge= 
|d)miert . . . 3m ©ommer bei 5lel)rtngl ^Pferbe Wtifiert 
— 93on 5Pferben t)erftel)e id) aUerbingS ettt^aS. 3Jlad^t 
mir aud) ©pa^ . . . 2luf beutfd^ : ^ii) ^aU mein S5er= 
mögen unb meine Talente finnlo§ t)eräettelt — unb bag 
gauä jelbftberftänblid^ gefunben . . . (9la^bennt(^.) ߧ ift 
eigentlid) fd^redlidt) ! . . . 2lber e^ liegt tüoiji and) mit in 
ber S^tt: S§ toaxh n)ol)t nod) nie jo fiebert)aft gearbeitet 
unb |o törid)t gebummelt toie l)eut . . . Unb bann fanb 
id^ bid^, ^o\x, — unb fanb mid^ felbft . . . eigentlid) fc^on 
ein alter ßerl . . . 

Soft 

D nein! — ^ä) ftnbe bid^ fo jung, fo jung! 

2)lori 
^ä) mid) aud). Seiber, lieber ©d^a^ ! . . . S)enn tt)a§ 
l)abe id^ im ©runbe baüon? — S)ie Qual! . . . S)u liebft 
mid), unb id^ liebe bidö . . . ^ä) ^dbt enblid) mal ba§ 
©efül)l, ba^ man ju ettoaS ba ift auf ber Söelt — id^ 
möd^te arbeiten, i^ möd)te ettt)a§ tun — aber n)ir!lid) 



StDetter 9llt 69 



etn)Q§, t)on bem bie SBelt jagen fönnte: S)er t)er* 
tummelte ßerl f)af^ boä) nod) gefd^afft! . . . Sd^ möchte 
fo rajenb gern! . . . 3lber lann id^? (53eibc §änbe cor fid^ 
i^in ftredeenb.) §anbfd)e[len ! — 3att)oI)l, §anbjd^ellen, bie 
bii mir antegft unb bie id) nidt)t äerreißen !ann! . . . 

Soji 
(ge!rän!t) 

S)u I)aft beinen grauen 5lag f)eute . . . 
moxx 

(fortfa^renb) 
Jiel^ringf t)at mir audE) nod^ bie le^te 91euigfett mit= 
geteilt, bafe id^ in furjem ba^ gro^e 3[Jlaiorat meines 
DnfetS n)ir!tid^ erben trerbe. — ^ä) fönnte mic^ aljo be= 
tätigen. Sfd) l)ätte, tt)enn idf) n)ollte, ein großes, freiem 
Selb ber Slrbeit t)or mir . . . Unb bie 9iad)ridE)t ift mir 
t)öllig gleidigültig ! . . . S)ie SIBelt ift eben grau. Unb fie 
ift mir grauer barum, tüeil id^ am Sittig bie geftraffte 
©dE)tt)ungfeber fü^le unb am gang bie roftige ßette ju= 
gteidt). (®ine lange ^aufe, voo beibc üor fid^ ^in ftarren.) 

3ofi 

(fic^ aufric^tenb, i^r @cfi(i)t faft an ba^ feine fc^miegenb, leife) 
9Iud^ trenn id^ bir fage: Qd) liebe bid) — id^ mxbt 
bid) immer, immer lieben? (9Jlori mad^t eine S3eroegung mit 
ber §anb.) £), id) tüerbe bid) immer lieben! — ©enügt 
bir ba§ alfo nid^t? Qft bir ba^ lein 2roft? (SJlori fc^ütteit 
ben ^opf.) . . . Sc^ n)erbe böf e ! . . . (^ann liebeüoE.) ^d) 
mxbt bod) nid^t böfe . . . ^d^ !ann nid^t. — Slber quäl 
bn mid) aud^ nid^t! . . . ^ä) vod'^, ba'iß xä) fd)n)adE) bin, 
t)ielleid6t ein ßinb tro^ allem. — SfdEi bin nun einmal 



70 Stotiitx 2lft 



lein 2Jlann! . . . S^^ i^nn bir nur jagen: ^ä) liebe bxd), 
unb id^ bereue nid^tg . . . (9^ad) einer ^aufe.) ^ä) tt)ei^ 
anä) nid^t tt)ie'§ au^geljen tDirb . . . ßenne iä) mxä) ? — 
9tein . . . 2öei§ iä), trag gefdjiel)!, tüenn bn nid)t mel^r 
bei mir bift? . . . S^fet t^öfte i(f) mid) nod^ immer unb 
fd^aue rürftnärt^: ^ä), toit tnar'g bod) fd)ön!... ^n 
bie Sufunft f(^aue id^ nid^t. Söoäu aud^? ... ®ie irirb 
grau fein — ha^ mi^ iä) Wo^. — Slber id) bin tbtn 
nur ein Srauenjimmer, feines eignen SnifdiluffeS fäi)ig. 
3rf) bin audö angefettet, fann aud& nid^t fliegen, tüie idö 
möd)te . . . (Starrt oor fid^ l)in.) greilidE), id) ^abt aud) 
meine ©ebanfen. 58ei mir get)t aUeS fo tangfam fd)ein= 
bar — unb bann fommfs urplö^lid) über mid) n^ie ein 
©türm, ber mid^ mitreifet . . . Slber id^ fürdE)te: immer 
JU fpät . . . (@id^ jufammenret^enb, mit neroöfer Suftiflfeit.) 
5Rein, mein §ann§, tüir tüoßen nid)t baran benfen! . . . 
(®ann roieber emft.) SQßenn id^ bid^ einmal in ©efal)r tDüfete, 
in tDirflidEier ©efal)r — id) tnüfete bo(^ nid)t . . . 2lber 
nein, nein! ßäd)le, füffe mid) — mad^e mir ha^ Seben 
nid)t fd)U)er! — ^d) liebe bid^ j[a fo — idE) bin ja fo 
glürflidö, bafe id) bid^ nod^ l^abe. ((5id^ an i^n fd^miegenb.) 
^äj l)abe einen befiegt, htn nod) feine befiegte, — unb 
borauf bin id^ fo ftolj ! . . . S)arf id)'§ ? 

3)lori 
(lä^elnb) 
©tel^ft bu, bu 3ief)ft mir bie §anbfd)ellen nod) fefter, 
fd^miebeft bie Sagnofeffel gang ju — unb bennod) . . . 
(®r !ü^t fie leibenf^aftiid^.) ^f^f) l)abe einen Slugeublid, einen 
legten SlugenblidE in bie ©onne fef)en njotlen — nnb id^ 
fel^e fie — unb füf)Ie bie Steffeln nid)t mef)r . . . (äärtutf).) 
kleine S^uberin, raaS f)aft bu au§ mir gemad)t? 



Smeiter 3lft 71 



3oit 

(glücffeltg) 

3e|t bift bu trieber gut — unb ii) bin tüieber 9tücl= 
lic^ ! . . . (©ifrig.) Unb ®rna fage ic^ lein SBort über 
un§. D, n)ir n)erben nod^ fo lange l^ier äujammen- 
bteiben ! 

gjlori 

(Särtlic^) 

SBeiBt bu ba§ gemiß, mein ©c^a^ 

^a, ganj geUjiB ! . . . (Sluftorc^enb.) . . . Sinen 2lugeu= 
blidt! (gä^rt 5ufammen, doü Singft.) ^d^ {)öre jemanb . . . 
6§ ift gcmj getüi^ . . . (kraulen im S^orribor eine marfante 
Stimme: 3^/ ber 2}lenfc^ ift rcie üom (Srbboben oerfc^rounben ! — 
Saut rufenb: 9}lon!) 

Soft 

(bleibt ^itternb fifeen) 
D ©Ott! 

anori 

(ber ruf)ig aufgeftanben ift, gan^ leife) 
a3(eib rut)ig ! — ^d) jeige bir bie SJiappe . . . (Sauter.) 
^a, meine gnabigfte grau — 2)ieppeö ift ein Jleft tt)ie 
jebeS anbre — ungefäfir biefelbe ©efettfd^aft trie l^ier. — 

fünfte 6gene 

Vorige. @rna. 3^ erring f. 

;3iei)ringf 
(juerft eintretenb)' 
Slf), fiel) ba! . . . (§umoriftifc^.) 3Jlan ftört boä) nid^t, 
meine §errf(i)aften? (Sugleid^ tritt ®ma ein, 3)lori oerbeugt 



72 Streiter 3l!t 



@rna 
(auf bie «Sd^raefter gugel^enb, freunbltd^) 
©nblid^, Soft! (Soft läd^elt al§ Slntwort nur unb vermag 
nid^t gu fprerf)en.) 

Sölori 

(ru^ig) 

©ie Saronin tüartet fd)on eine gatiäe S^it auf ©ie, 
gnäbige grau. 

®rna 
(ium ©rufen) 
©el)en ®ie, §err ©raf, td^ jagte bod) gleid^ . . . 



©ritter mt 

(Jrftc Sjenc 

(£^eoQlier. 9}Ul)rum. Ginige Ferren, barunter oon ^aforo. 
©päter 9^e^ringf. 3ofi. 2)^ori. Otalienifcfte 9lQc^t im ^ur- 
garten. SIbgelegene @c!e mit Stühlen in einer ©rotte. ®in Spring* 
brunnen. ©legant gefleibete 9)lenf(^en fluten oorüber. 2)ie^rere 
Ferren ber ©efeQfc^aft, barunter ber G^^eoalier.) 

Don Srin 
(auf ben 2:ifd) ^eigenb) 
S)cn motten tuir aber fdöl^i^nigft mit Söejdjlag be= 
legen! 

9Jlef)rere Stimmen 
JJatÜrtic^ ! (Sie fe^en p*.) 

t)on Srin 
(nac^ bem t)orüberget)enben Neuner rufenb) 
ßellner! Cherry cobbler . . . (auf bie einzelnen jeigenb) 
2 ... 3 ... 4. 93erftanben? . . . Sie bort nel^men natüt- 
lid^ See! 2letterer ©enttemanmagen triH n)of)l nicfit mef)r? 
(SXügemeineg Sachen. G^^eoalier, ben ^ut auf einen 8tu^l merfenb 
unb bie Stirn mit bem ^ellila Saf^entud^ trorfnenb.) 2[ÖQ]^n= 
finnige ®tut! — Stalienifi^e mäjM . . . SBenn bie alte 
fo finb — banfe etgebenft! 

93te^rere ©timmen 
9Jlan möchte faft ben 9tocf auSjiefien. 



74 dritter 2tlt 



tion ®rin 
SBarum ni(f)t lieber bie ganje ßteibage? — ®§ tDäre 
bod^ fabelliaft Ulltg ! . . . (^ie ©rftifd^unöen fommen. e;^e* 
©alter mit bem Stro^alm im ®ife rül^renb.) ^ertgott, U)irb 
ba§ S^ug jd^metfen! 

t)on SafotD 
©0 ungefäfir, trte bem brat)en Tlt^xum bie 3Kori= 
Sigarre! 

t)on (grin 
(ben ©troi^Ejalm im SUluttb, über ha§ ©Ia§ gebeugt Iatf)enb) 
aSoräügtidö ! 

Sinige ©timmen 
2lber ©ie muffen bod) mal mit Ql^rem Setter ein 
t)ernünftige§ Sßort fpred)en ! . . . ®§ ift gerabeju f!Qn= 
batö^ ... ®ie finb ja f)eute afienb mal tDieber tDie log= 
gelaffen, bie beiben . . . ?lee, im ©ruft, ©IjeDalier ! 

Don ®rin 
(!opffd)ütteInb) 
S:un ©ie'§ bod) ! — ^d) tüerbe mir ben 2}lunb gerabe 
t)erbrennen . . . («iffig.) Uebrigenö feitbem ber 91el)ring! 
ba ift . . . Sag ift and) fo 'n ßerl — mit feiner Söi^elei 
mir birelt tüibertüärtig. S)er nnb ber 3Jlori einer tt)ie 
ber anbre. Söeit nnterm ®tri(^. 

t)on S)afotr) 
©agen ©ie ba^ nid)t änfäUig mal, tüenn bie beiben 
babei nnb! ©o 'n ©pa^ tierftel^en fie, glanb' id), t)er= 
flnc^t fc^lec^t. 

t)on (£rin 
(al§ wenn er nid^t§ geprt) 
©jqnifiter Cherry cobbler ! (äflori unb Soft promenieren 
üorüber. :3ofi lebhaft mit einem üeinen (Stöcfd^en*n)in!enb.) 



Srittcr 2llt 75 



3011 
Za i[t ja and) grna! ... (3u anori.) 2ld), c§ ift fo 
irunbert)übfd[) (}eute abenb! 3<^ f)^^^ nrid^ in meinem 
ganjen Seben noc^ nie ]o gut amüfiert. (3n bem klugen- 
blicfe grüben bie ^"^erren. ^oii banft fe^r freunblid). 2)Jori fteif. 
3ie ge^en oorüber.) 

t)on S)Qfotü 
9k, ba ^aben Sie ben ©alat! 

einige Stimmen 

(rcoljrenb bie ^crrcn, bie ^öpfe sufammemjcutrti, rebcn) 

5Pai)en Sie auf: bie gef)en noc^ burdE). 

Don !?Qi'otü 
2)Qnn gebe id^ je^n 5lajcf)en ^Pommer^ auö S^eubc 
barflber. 

Don 6rin 

(ärgerlid)) 

3lrf) xvai^l So n)eit loirb bie Ü)ieljrum bie ©efcf)macl= 
(ofigfeit boc^ nic^t treiben. (SDU^rum uub Sie^ringt pro* 
menieren in 5(bftQnbcn vorüber.) 

Don 9JieI)rum 
(bie Ferren fef)enb, biegt ju iE)nen ob) 
©Uten Slbenb, meine §erren. DIett f)eute — nicf)t 
tt)at)r? 

ginige Stimmen 
(ju bem @rafen, ber Dorüber rciü) 

ßommen Sie bod) ein bißchen ptaufcf)en, ©raf! 

92e{)ringf 
(aögemb unb fd^Iec^t gelaunt, nä^er gef)enb) 
Stog! 



76 S)ritter 2lft 



3ltf)mtn ©ie bo(^ 5|}Ia^, ©raf! 

9lee. Sl^r tut ja natürlid) mat tnieber ntd)t§ anbreS, 
at§ bem lieben Jlädfiften bie ®]^te abjd^netben . . . ©aju 
ift mir ber Slbenb ju fd^ön — unb it)r feib mir nid)t 
fd^ön genug. 

Sinige Stimmen 
Df)o! 

t)on SÄeljrum 

(lteben§roürbig läd^elnb) 

®g ift, glaub' id^, tt)ir!Iid^ intere[fanter ju t)romenieren. 
3tei3enbe§ ^eft! 

t)on ®rin 

ft alblaut unb btffig, hen 9tüc!en bem ©rafen suwenbenb) 
®§ lommt ganj auf bie ©efeßfdiaft an. ^ä) für 
meine 5ßerfon bleibe fi^en. 

t)on 2)afon) 
®ann bleiben ©ie tt)enigften§, aJlel)rum, lt)enn ber 
®raf burd^au§ nidjt tüitt. (Stuf eine 9ttefenstgarre jeigenb, bie 
sne^rum mit ©enu^ rau^t.) SBo^l eine t)on ben berühmten 
aJlori«3tgarren? 

t)on 9)lel)rum 

mm) 

S)ie§mal äufättig nid^t . . . 9lber §err i,t)on SJtori 
raudf)t tatfäd^lidö bie befte gigarre, bie id^ fenne. 

t)on ®rin 

(pfeift leife burd^ bie 3^^^^, niä^renb S^el^ringf, ber einen 5(ugen^ 

blide am %\\6) geftanben, ge^t, nur mit groei gingern ber redeten 

§anb jurüdfwinfenb) 



©ritter 2tft 77 



9U ]^ r t n g f 

(läffig) 
Slbieu. (@e^t raeg.) 

Stntge ©timmen 
91a nu? 

(fic^ r)orfirf)tig umfef^enb) 

3a, feigen Sie, meine Ferren, id) !ann an bem ©rafen 
Jtelinngl aud) ntd^tg finben. S)od^ eben bte UnUeben§= 
tüürbtgleit in 5perfon? ... 3^ \^^^^ bagegen ben a)lori, 
ber fo berü(f)tigt unlieben^mürbig fein fotl, fabelf)aft 
tieben§rt)ürbig . . . g§ i[t trirltid^ ein Söotnxteil, ba§ ©ie 
gegen i^n l^aben. 

Don grin 

(fnurrenb) 
©efc^macf fad^e ! . . . UebrigenS : 5)}tofit, O^ri^, anf ba^ 
e§ bir tüotjtgefje! 

Don 5)ie^rum 
^Profit ! ßann leiber ntd}t nadif ommen . . . Wln^ mid) 
aud) fofort brüden, meine Ferren, ^d) t)abe meine grau 
unb meine ©d^tüägerin f)ier in bie ?läf)e beftellt. §aben 
©ie t)iellei(^t äufäüig gefe^en? 

3R^i)x^x^ ©timmen 

t)on Safotn 
3^re grau ©emaf)(in f($ien bei Dorjüglid^er Öaune 
ju fein! 

t)on 3Rti)xnm 
£), ba^ ift fie ftetg! . . . 2«fo auf SBieberfe^en . . . 
3d) fomme nad^ljer nod) einmal 'ran. (@e^t weg. 2ii§ er 
üerfd^raunben, faffen oerfc^iebene mit ber §anb an bie Stirn.) 



78 dritter 5l!t 



ßinige ©timmen 
D bu ©runbgütiger ! 

tion Safott) 
^a, tüiffen ®ie, Si)et)alier, er berbtent ja fämtUdtie 
Slu^äetdinungen fämtlidtier ^Potentaten — aber fömtlid) 
burd^ bie SJJafe am 9tinge ju tragen . . . 3jt ber 3JleI)rum 
tüirflid) fo ein 5)}ret§CK^fe — ober ift er ju feige — ober 
ju beqnem, ober ju gutmütig . . . Ober . . . (§ö§tttf^ 
burd^ bie 3ä^ne pfeifenb.) ®§ gibt aud^ nod) eine anbre 
9Jtögtid^!eit ... §i, f)a, l^o, I)a, I)o . . . (Siae la^en.) 

t)on grin 
(ba§ @Ia§ Qu§fcE)lürfenb) 
Stöbftnn ! — 2lnftänbiger £erl — nur total blinb . . . 
(@ine 3igarette ansünbenb unb aufftel^enb.) 5Jlun tOoHeu toir 
aber aud^ etn)a§ toanbetn! ^ä) ^be ba eben toieber ein 
paar n)unbert)übfd^e Sürgermäbete ^ruml^üpfen gefeiten — 
J?onfeffion unbelannt ... (3u ben §erren geroenbet.) Ober 
tüotten toir Ijeute toieber ßla[fenl)a^ jüd^ten? . . . Slber 
fo tt)a§ toitt audf) mal toa§ I)aben — unb eine anftänbige 
SSlutmifd^ung tut benen am Snbe fel^r not. (©e^en ah.) 



3tt)eite G^ene 



fUlori. S^el^ring!. (Tloxx unh ^t^xmot baiiinfd^lenbernb, biegen 
ein, bleiben ftel)en.) 

SJlori 
S)u, S^reb, toag id) nodf) fagen inoHte, fei ein Heiner 
bi^d)en lieben^toürbiger gegen ben 3)te^rum! 

91e]^ringl 

(trocfen) 

9lee. 



Stitter Sllt 79 



DJlort 
SBarum nic^t? — ߧ toax mir nämlid^ t)orI)in bireft 
^einlief) — unb 3o[i and). 

9Iel^ringI 
9Jiir mdf)t. — Sold) ein Sc^tappier ift benn bocf) ju 
efel^aft! . . . 3JIq9 Dielleid^t audE) nur bie ©umm^eit 
fein . . . Slußerbem — icf) I)Qbe abfolut feine ßuft, !Q^en= 
freunblid) gegen einen fflknn ju jein, bem id^ üielleid^t 
fctjon binnen t)ierunbätt)Qnätg ©tunben eine ^orberung 
auf fünf ©d^ritt Karriere ju übermitteln ^abe. 

33^0 ri 
(ncroö6) 
Srften§ mal ift e§ nod^ nidE)t fo tüeit — ätrciten^ 
tüör'g bodt) nicfit bQ§ erfte SDIqI, ba^ bu für midt) . . . 

91 e I) r i n g ! 

(i^n unterbred^enb) 

$Rnn mad^ aber, bitte, mal bie Singen auf, §ann§! 
— S)eine Slngelegenl^eit ftel^t auf be§ 3Jleffer§ ©d^neibe. 
DJlerft^^ ber i?erl ni(f)t fc^lieBlic^ bod) felbft, bann bläft 
il^m ein guter S^reunb ba§ 9Ja(^tlid^t feines ©e^irne^ 
l^eller . . . ober bie SBei^ürd) ... (3n anberm Son.) Söie 
n)eit bift bu? 

3Jlori 

9luf bem alten 5(Junft. 

Jlel^ring! 

©(f)limm ! — Slber meinen 9iat tritt id) bir nid)t t)or= 

entl^alten: forcieren — auSreiten — e§ ift finish, mein 

greunb ! . . . kümmere bidE) ben S)eutt)el brum, tt)a§ gut 

ober fd^lecf)t ift, toaS bie SBelt baju fagt, ober toa§ eine 



80 ©ritter 2lft 



x^xavi ]^interl)er flennt! — Slber ftell bie ÄQbinettSfrage 
— ^eute nod^ — meinetoegen gleidö ^ier. 5piftoIe anf 
bie SSrnft — id^ ober er? . . . §Uft mfdjt . . . Unb tnenn 
il^r in SJlad^tlleibern entftiel^en mü^t. 

aJtori 

(gequält) 

SBenn fie Qfier nein jagte . . . S)u aijn\t ni(f)t, tna^ 
id) mit biefer {Jran t)erliere. 

?le!^ringf 
(fel^r ernft) 
S)ann gar nid^t^, mein ßieber ! . . . Sann ift fie e6en 
eine Keine ©eele — nnb bn tt)ärft tobnnglücflid^ mit i^r 
getüorben . . . 2)n tüirft empört fein, a6er id) mn^ bid^ 
nodö einmal fragen: Sfft'S fie'§ and^ tDert? i^a einer 
§anbbenjegung.) §ann§, bu tüei^t, trie gnt id^'§ mit bir 
meine. 3cf) fönnte bir ja fagen: Sa^ ben ßarren lanfen, 
tüie er tüitt! — S)a§ (£nbe ift bod^: ßo!omotit)pfiff — 
tüel^enbe^ Süditein — fentimentale S^räne . . . ©dfitramm 
brüber! ... 9lnmmer 3^^i ntad^t ba§ ßüffen nodt) beffer — 
bie SBeiber l^aben mir in fold^en gäEen nie leib getan . . . 
Slber ba bir in beinem S^all fold^er 3lbfdt)ieb an bie klieren 
gellen tonxht — tn toa^, tn'§ fofort ! . . . ©egen bie SBeife* 
lirdE) finb tnir alle 2ßaifen!naben. 2)ie fagt t)ortänf[g 
lein Söort, beobad)tet nur, aber im redeten SJloment jiel^t 
fie bie Sd)linge ju . . . (Söamenb.) S)u — ber @inf(ufe 
unb ber überlegene SöiHe biefeg g^rauenäimmer^ trirfen 
fd)on ie^t, t)erborgen t)ielleid)t — aber fie tt)ir!en. S)rum 
la§ xijx nid^t bie S^it äum Sangfd)u^! 

3Jlori 

(f)tn unb ^er gel^enb) 
S)u quetfdtjt mid) trieber an§ . . . Slber bu meinft e§ 



dritter 2llt 81 



IQ gut. (3« ^em ©rafen tretenb.) J^enfft bu t)ieüexd)t tüenn 
id) l^eute abenb trie ein Söertiidter getanjt i)aU — fd^ar= 
miert pouffiett bi§ jur ffllöbfinnigfeit . . . S^enlft bu, ba^ 
f)a6e mdf)t aud^ feine ®ef(f)td^te? — Sertianergefüfile 
^atte id) babei nidE)t — feine Slngft ! . . . ?iatürlid) toiti 
man fid^ in erfter ßinie betäuben . . . aber ber §inter= 
gebanfe . . . (5:ie ginger ber ^ec^ten f)ebenb.) ^d^ möchte bie 
g^rau nämlid^ auc^ in ben 9?aufd^ I)Qben, ben cRaufd^, n:)o man 
fid) fetbft t)ergiBt, n)o man aße§ tut, atle^ ! . . . (§in unb ^er 
ge^enb.) ßg trifft ]xä} feltfam, ba^ gerabe bu immer meine 
9ienbe3t)ou§ ftörft . . . (Stehen bieibenb.) 2Bir finb i)eute 
ineinanber t)ielleid)t t^erliebt toit nie. ^ofi tüirb in ein 
paar Dhnuten äufäflig t)ier t)orbeiIommen, tüir tnerben 
äufättig tjier ®i§ effen, äufäöig ba§ 5euern)erf barüber 
tergeffen, nad^ bem ber ganje 5Pöbet brängt . . . ®a laff 
id^ meine aJlinen fprengen . . . 33ieIIeid)t, ba^ fie e§ felbft 
fagt: ßomm, nimm mid) — n)ie ic6 bin, in ber 9iobe 
l^ier, of)ne 3KanteI — aber nimm midE) of)ne Säefinnenl . . . 
Unb je^t n)eg, tüeg! Sßenn bu fein ©elb bei bir fjaft, 
f)ier ift meine Srillantbrofd^e — fie ift ein Sßermögen 
n^ert... Oromfrf).) Ob id) gef)en tnürbe, Sreb? — §a!... 
^ä) tüürbe audf) fef)r genü^enb ©elb f)aben — id| trage 
ie|5t immer mein ganje^ Vermögen bei mir, ber ßoffer 
ift aud^ gepadt. 3a, benfe bir ben Unfinn, iä), ber id) 
nie f)ier SIßagen faf)re, f)abe fett SKonaten in einem 3Kiet§= 
ftatt einen öanbauer mit ^ferben 2;ag unb SRad&t parat . . . 
3d) bin tbtn tJerrttdt . . . (©e^t raieber auf unb ab, roobei er 
in ben bürgerten fiel)t.) Sa fommt ^ofi fd)On! . . . @ef)! . . . 
Ober bleib aud), eg fie^t fo pbf(^ fpiepürgerlic^ au§, 
tDenn bu erft fpäter gel^ft. 



»oft 



82 Srittet 2t!t 



©ritte ßgenc 

5) r i g e. ^o^, i%xt Ferren ge^en ^ofx entgegen.) 

(fd^ergenb) 
©nabige grau bürfen l^icr nid&t paffieren! 

Soft 

(erl^t^t aber lad^enb) 
^ä) jal^le ©träfe, tuaS ©ie trotten — nnr meinen 
3^ä(f)er muffen ©ie mir loffen . . . @§ ift fo erftidEenb 
i)ei^ im ßnrl)au§. (®e^t ju einem @effei.) £), t)ier ift e§ an« 
genehm! . . . SBeforgen ©ie mir boä) cttiiaS ®i§, ©raf ! 
(^ie erfte diaUU sifd^t auf.) 

9t e f) r i n g f 
9Iuf ber ©teile, gnäbige ^Jrau . . . (^^crjenb.) 2)arf 
man ©te aber and^ attein laffen, meine ^errfd^aften? 

3ofi 

(mit bem gäd^er nad^ i^m fd^Iagenb) 
2Ba§ fättt Ö^nen ein, ©raf? 

Jlel^ringf 

D, id^ gel^e fd^on, id^ gel^e. 

Vierte Sjene 

Soft. moxx. 

Sofi 
%d}, ber bumme JletjringÜ 

aJlori 

(läd^elnb) 

Äommt nid^t mel^r jnrüdE — Iriegft and^ fein ®i§ . . . 



©rittet %tt 83 



3ofi 
SBeife er? 

9)tori 
gr ^Qt boc^ 3tugen! 

Soft 
SJlag er! . . . §eut t[t mir ba§ egal . . . Söenn er 
ttur nicf)t fommt — tüenn niemanb fommt! 

a)tori 
(S§ fommt niemanb. 

3o]i 
©ib mir bic §Qnb unter bem Zx]d) ... (©r tur§; fie 
jittert bei ber üöerü^rung.) (Sie^ft bu, mie aufgeregt i(^ bin! ... 
SIber eö finb nur DJerüen — unb ba§ bumme §erj . . . 
5ic^ glaube, man {}ört ben Sd)[ag? ... (@r fc^atteit ben 
5^opf - fie leife:) Sld), id) bin glücflid^ ! . . . SBar'g nid^t 
]d)ön f)eute? — 3ft'ö "i^^t nod} fd^ön — n)unberfcf)ön? 
(Wloxi brücft i^r al^ Slntiüort nur t>\t §anb unb fie^t fie an; fie 

bcforgt:) Tu fief)ft aber icf)lecf)t au§! ®ir ift nicf)t mol^t . . . 
5)u erfölteft bid) f)ier am Snbe? 

DJtori 
D, bei bir ift mir immer uiof)tI 

3o]i 
3)u bift ]o fonberbar . . . (Sic^ ju i^m beugenb.) ©og, 
ba^ bu midö Iiebt)aft — furcf)tbar, rafenb, unfinnig tieb! 

moxi 
2)aa tüei^t bu borf), ^oft. 

3oii 

(eifrig) 
9iein, idö ireiß e§ nicf)t! . . . ©ag'g boc^! ©ag'§ ein 



84 ©rittet 2lft 



bu^enbmal mtnbeften§: ^ä) i)abt bxä) lieb, id^ l^abe bid^ 
lieb, iä) ijobt bxd) lieb! . . . ©ag'^ fd)nett! 

2Jloxi 
(langfam) 
^ä) i)abt biäj lieb — idf) l^abe bid^ lieb — id^ 
mürbe . . . modt) 

3ofi 

(befrembet) 

Sßarum fdt)tt)ei9ft bu auf einmal? — SBar ber ©d^tu^ 
nid^tö ?lette§? . . . (©ans leifc.) @ei bod^ gut, §ann§, 
l^eute ! . . . S)u — totnn xä) mxä) fo ganj iDeit jurütf = 
lel)ne, bann fie{)t mxä) niemanb — (3:uf§.) liefet barfft 
bu mid^ Hlffen. 

2Jlori 
(fid^ über fie beugcnb) 
^ä) ^dbt bxäj lieb, Qofi. (€>eiferer.) Qd) l^abe bid^ lieb . . . 
td^ n)ürbe . . . fterben ol^ne bid^ ! . . . 

Soft 

(Sitternb) 

Sßarum fagft bu ba§ j[e^t? 

3Jlori 
2Beil mir'§ fo um§ §erä ift . . . 

* 3ofi 

(träumerifd^) 
2lber eS ift boä) fo fd)ön l)eute . . . ®§ toiH un§ ja 
aud) niemanb trennen — meine ©d^trefter getoife nid)t . . . 
(S)tüben jifd^t ba§ geuernjer! — ^ofen ber 9?ienge. S3etbe l)or(^en auf.) 

moxx 

(für fid^, oeräd)tHd^) 

S)a§ gafft, ba§ freut fidf). Unb tt)ir . . . 



S)ritter 5l!t 



3ofi 

(i^n gro^ anfe^enb) 

331ori 
(auffte^enb, langfam) 
Unb tpit feigen un§ i)telleid^t jum legten 3)tale. 

Sofi 

(gequält) 

©ag bQ§ md)t — jag ba§ ntd^t! . . . ©er fi^öne 
3;ag . . . 

3Jtori 

aSir t)a6en il)n ja aud^ genoffen . . . (Seife.) S)er Sedier 
ift leer . . . ߧ bleibt nur nod) bie §efe . . . 

3ofi 
(leibenfd^aftlid^) 

5Retn, er ift nid^t leer! 

DJtori 

(ernft) 
Unb er ift bodt) leer! 

öofi 
(leife) 

©e^ bidö nieber ! . . . (®r tuf §.) ®u mad^ft mir aud^ 
angft, §ann§ . . . (Lüfter.) ®§ ift aKe§ fo anberS getüorben 
in btn paar Sagen . . . 9Zur SBolfen — SBolf en — überall 
SBoHen ! . . . §eute f al) idf) enblid^ einmal tt)ieber bie 
©onne . . . S)u nimmft fie mir . . . 5ft i>ö^ l^übfd) t)on 
bir, §annS? 

ailori 
(nertjb§) 

3d^ lann nid^t anberS ! . . . @§ liegt irgenb etlDaS in 
ber ßuft. ®§ fdE)n)ebt um un^, über un^ ... ein ®e* 



86 ©rittet Slft 



fpenft . . . ober ... (Sn anbem Son.) ^ä) toti^ oud) ni(i)t . . . 
(Songfam.) Unb Wenn tt)ir un§ boä) hü§ le^te Ttal t)eut 
fiaben, ^op? 

Soft 

(beftimmt) 

®§ tft unmöglid^! . . . S)ann müfete einet t)on un§ 
fterben . . . 

Unb mnn einer t)on un§ ftüxbe? . . . 

»oft 

(leibenfd^aftlid^) 
Slber nid^t bu, nid)t bu! — S)ann id^ . . . id^! 

3DUti 
(il^r ganbgelen! umfaffenb) 
Unb n)a§ bebeutete ba^ für mid^?... (Setbenfd^aftu^.) 
Äinb . . . trotten tt)ir benn nie bie JBinbe t)on ben Singen 
nel)men? — SQßotten tt)ir benn burd^auS tüarten, bi§ [ie eine 
frembe, falte §anb un§ l^egrei^t ? . . . ©ut — e§ ift l^eute nod^ 
nid^t ju ®nbe — aud^ morgen nod^ nid^t — aud^ übermorgen 
no(^ nid)t . . . aber einmal mu§ e§ bod^ ju 6nbe fein!— 
Unb tt)a§ bann? . . . (Sangf am.) Unb n)a§ bann? . . . 
(ScibcnWaftiid^.) SBeifet bu bann, ba§ e§ bann lein ©d^erj 
ift, tomn iä) fage: ^d^ lann ol^ne bid^ nid&t leben — 
lann nid^t — !ann mäjt — fann nid^t!? 

Sofi 

(bic klugen mit ben §änbcn bebetfenb) 
Sßeiter! ... 

gjiori 
SOßir muffen ung bod^ Ilar n)erben. (9^ad^ ber 9iic^tung 
be^ geuern)crf§ aeigenb.) §af § mit bem ba brüben unb mit 



©rittet Sllt 87 



Mr ein ®nbe — ober ]^Qf§ ein ®nbe mit uns beiben? . . . 
i^axt.) ©ag tu^ig: ffi§ l^ot ein 6nbe mit unS! 

Soft 

(bie §änbe vom ©efid^t reißenb) 
9Mn — nie, nie! 

Unb? 

3ofi 
Unb? 

aJlori 

(Icibenfc^aftlic^ fortfa^renb) 

2Btr ftnb boä) leine ßinber ntel^r, 3fofi — Qud^ feine 

2Bai)nfinnigen l^offentlicf) — unfre ßiebe lann aber bod^ 

nid^t t)on ber Suft leben . . . ©ie i)tx]ä)t boä) eine %at — 

irgenbeine, aber eine %at\ 

3ofi 
(roieber sufammenöefunfen, ben ^opf fc^üttclnb) 
3fcE) tt)ei^ and) nid)t . . . Qd^ tDeiß aud^ nidE)t . . . 
(gie^enb.) ©ei bod^ baiml^etäig, §anng! . , . 3tt)ing nüd& 
nid^t ! . . . 3d^ bin fd^tradf) . . . 

ajlori 

(bitter) 

Sonn tt)oßen toir aud^ jum SenertretI gefien! 

(empört) 
2)u bift fc^Iec^t bu bift I)eralog! 

3Jlori 
(oerjweifelt) 
Unb id^ fage bir, e§ ift ba^ le^te 2JfQl, tDO trit uns 
f)Qben . . . 



88 S)ritter %tt 



(i^n leife ju fid^ jie^enb) 

DJlein greunb, bleib ! ... ^d) bin nid^t oberfIäd)tid^ — 
id^ bin nid^t bie, tüofür bu mid^ jc^t I)ältft . . . ©iel^ mal, 
td^ I)ab' e§ ja md)t jagen n)oßen, toeil bu bid^ immer 
fo um meine ©efunbiieit forgft: ^d^ l^abe biete 5täd^te 
lein Sluge mel^r jugetan — iä) bin ungtüdKid^, öerjtDeifelt 
tüie bu . . . ^ä) Wtxbt anä) au§ metner ©d^tDefter nid^t 
fing — fie fprid^t freunbtidf) öon bir — aber ba§ britte 
SBort ift immer „WW" . . . 2öa§ ift WW^ - 2öa§ 
f)eifet 5PfIid^t übert)aut)t bei einer grau? — 3dt) n^ei^ e§ 
nid)! . . . Siegt bie ^Pflid^t ba brüben bei bem? . . . D, id^ 
l^abe il^n nie geliebt td^ mag if)n nid)t e§ gibt ©tunben, 
tDO midt) bei feinem SlnblidE ein Sf el ol^negleid^en fd)üttelt . . . 
(ginfter.) g§ gibt aud^ ©tunben, tt)0 iä) il^n au§ tieffter 
©eele l^affe — j[a, l^affe! . . . S)u trauft mir ba§ nid^t 
gu . . . 2lber e§ ift fo . . . (2Beid^.) Unb bann tut er mir 
Qud^ tüieber fo leib! — 2Ba§ fann er fd£)lie^Ud) bofür? 
(3n piö^Ud^er SlufiDaHung.) D, er lann bafür, gen^ife fann 
er bafür ! ®r braud)te midE) nid)t ju l^eiraten — er burf te 
nid^t einmal... (9^ad^ einer $aufe.) 91ein, nein, nid^tg 
mel^r öon il^m ! . . . (9fiad^ben!ii^.) Unb bennod§, bennod) . . . 
(^lö^iic^ auffpriitöcnb.) Stein, nein, id^ lann nid)t — id) 
tann nid)t baöonlaufen ! . . . (Söieber in bcn ©tu^l fin!enb.) 
2Ba§ ift gut, n)a§ ift böfe? . . . ©ott, l^ilf mir bDd)! . . . 
^ä) tappe im S)unfeln . . . Tlit il)m bin id) Derljeiratet, 
i^m t)abe idE) bie Streue am Slltar gefd^n)oren — unb bid^ 
liebe id) . . . §at nur ha^ 95ergangene ein ?Red)t ober 
nur bie ®egentt)art? 

?mori 
(ernft) 

2öa§ ftärfer ift . . . (3ofi birgt ha§ §aupt in ben ^änben. 
er faft bro^enb.) SSag ftärter ift. 



©rtttei: 2(ft 89 



3oft 

(bic auffielen voiü) 

aJlori 

(brücft fic in ben Stu^I jurücf) 
^d) laffe bidö ni^t! 

(matt) 
Sirfo bitte . . . 2Ba§ tüiHft bu? 

aJlori 
(leife) 
§ör tnid^ an! . . . ^äj ijobt xnxä) t)cute betäubt, be» 
TQufcf)t — id^ taf§ Qbftd^tlid) . . . 

Soft 
(tonIo§) 
^d) QUCf). 

5DUxi 
;3(^ l^abe e§ nur getan, um bte ßraft ju finben für 
bie le^te 2lu§einanberfe^ung . . . (Soft gittert er leibenWaftUd^.) 
2öa§ ättterft bu? 2Ba§ fd^auft bu immer nur jurüd? 
— ©ie!) bodE) nid^t immer in§ ®unl(e, fiel^ bod^ in§ 
Sid)t! ... S)er 2Beg ift ja fo «ar . . . S)u liebft i{)n 
nidE)t — er liebt bidE) laum — eure Sl)e ift eine fjorm, 
eine leere {J^rm . . . B^^'id^l^g fiß ! • • • ßomm ! 

3ofi 
(noc^ immer abgenjanbt, feine g)anb faffenb) 
§ann§ ! 

ajlori 
(leibenfd^aftlic^) 

ßomm! 



90 ©rittet 3lft 



5ofi 
^ä) lonn nid&t. 

aJloti 

aCßorum nid^t? — 3id) fose btr, bu fünbigft nid^t! 

Soft 

(bic Slugen auf bie @tbc gerid^tct langfam) 

3dö fünbige bod^ . . . Qd^ fünbtge fd^tDet . . . 2Benn 

id) je^t mit bir ginge — aU ba§ ©efd)tt)ä^ Ijinter^er, att 

biefe ®emeinl)eitcn — entfe^lid^ ! . . . Slbcr id) tüifl'S et* 

trogen . . . 

ajiori 

(aufftel^enb) 
?llfo! 

(fi^en bleibenb) 

^d) liebe bid^ getüife — im dtan]d) ift mir bie§ ®c^ 
füi)l ba§ ©lüdE. ;3d£) möd^te mit bir gelten — id^ möchte 
ftet§, fooft id£) bid^ fel)e . . . 2lber id) fann nid^t — id^ 
ertrug'^ bod^ nid)t . . . SBenn id) l^eimlid^ fünbige mie je^t, 
bann entfd^ulbigt mid& nod^ immer ba^ ^erj. ^d^ 
barf mir fagen: ha^ ©d^Ummfte tt)ar ja nod^ nid)t — 
id^ lann nod) jurüdE — id^ lann nod^ in^m , . . (£in 
fd^led)ter Sroft — id^ mi^ e§ n)o]^t . . . Slber mir ift 
e§ nun einmal ein Sroft. ®ti)' id) je^t, gel)' id) über^^ 
l^aupt, bann fommt ba^ ©etüiffen, bie Dnal, ba§ Un^ 
füljnbare . . . 

Söiori 

Unb tt)enn bu bleibft? 

Sofi 
S)ann f)abc id^ nod^ immer bid^, beine Siebe — id^ 
tann t)on bir träumen, tt)enn bu fern . . . Sd^ bin eine 
g^rau — (njei^ntütiQ) am @nbe genügt mir aud) ba§ . . . 



dritter Stft 91 



moxx 

(beroegt) 

5lt)er 3op, bann ift ja bcin Scfien eine Öüge! 
Soft 

(matt) 
©etri^! 2lbcr lennen tütr S^rauen e§ eigentlich anber§? 
— SBir finb in bet S^e immer gefeffelt if)r feib immer 
frei! . . . UnS fud^t man aug, öerfdjad^ert man, n)ir finb 
eine SÖare . . . 2)ie Streue in ber ®t)e ift un§ bennod^ 
^ftid^t . . . 3f^r brecf)t fie nac^ belieben — unb niemanb 
l^eifet eud) ]ä)Ud)t . . . S)arum Hämmern tDir un^ an ba^ 
5Pf)antom . . . (®ans leife.) SBir finb ber @Ilat)e, ber 
l)ücl^ften§ an ber ^ette jerrt — brecfien mn^ fie ein 
anbrer . . . SBir belügen un§, end^, bie SBelt — man 
ätringt un§ baju . . . Srft n)enn baS Sleu^erfte gef(^el)en, 
finb tt)ir frei . . . finb n)ir auf ber ©trafee . . . (Scibem 
fc^aftiic^ roetbcnb.) Unb barum Hammern mx un§ an btn 
Sd^ein ber 5Pf(id^t ber un§ t)or bem Sleufeerften n)enigften§ 
betDafjrt! . . . Sfd) trei^, ba^ e§ nur Sd^ein ift, tx)ir tt)iffen 
e§ alle, toenn tt)ir nad^benfen. 2lber n^ir Hammern un§ 
bennod^ an if)n — tüir bürfen ja nid^t anber§ — tr)ir 
finb ja ©Hauen — n^ir ^aben fein Siedet. 

aßori 

(rQfA) 
©0 nel^mt'5 eud)! 

3ofi 

(tte^ (öc^elnb, mit erhobener |>anb) 
3Jlit biefen §änben ? — ©ie finb t)iel ju fc^toad) . . 

3Jlori 
3ofi! (®r ftiiet cor i^r nüber, ttä^tcnb fie trieber bic 5(ugen 
mit ber ^anb bebest.) 



92 ©rittet 5lft 



Soft 

(auffe^enb) 
Um ©otteS tüttten! 2Ba§ tuft bu? ... S)u Mft 
tüQftnfinnig ! 

Sülori 
Unb trenn td^'§ tüäre? — ©Qg'§ morgen aßen, ruf§ 
ou§ . . . Slber Ia§ mid) nod^ tjeute fnien t)or bir . . . 
(Stire ^ättbe faffenb, ^ei^.) ^ofi. id^ \itt)t bi(^ an . . . 

Soft 

(abgeroanbt tonIo§) 
Qdö t)erfprad^ bir nid^t§ ... 

moxi 

(letbenfd^aftlid)) 
©0 öerfprid^ e§ je^t! (Sie fd^üttelt ben ^opf . . . ©rleiben^' 
fd^aftltd^er.) ®Qge ja ! . . . (@te lange anfe^enb unb bann lang* 
fam auffte^enb — in üeränbertem 3:on, faft l^art.) ©o jag tt)enig== 
ften§: nein! — ©age: id^ gel)öre it)m, e§ ift jn ©nbe! 
(Sofi mad^t eine abwel^renbe Bewegung. @r wieber bringenb.) Qoft, 
id^ tnei^ ni(f)t ob id)'§ ertrage . . . Slber id) mu^ e§ er« 
tragen — id^ wiW^ ! . . . Unb loenn mir mal toa§ SUlenfd^' 
lid^e§ paffieren foHte — in meinem ©dE)reibti)dE) tDürbe 
immer ein SBrief liegen: id) ftarb, toeit mir ha^ ßeben 
nad^gerabe tangtreilig gen)orben toar . . . ®ie toerben mir 
aufg Söort glauben! . . . Ober idE) ftarb, toeit id^ an einer 
unt)eitbaren Äran!f)eit leibe . . . 3luf bid), Soft, f ollen 
I^ine ©diatten fallen — aud) bein ©emiffen belafte id^ 
nid^t ... (£§ mar eben a5erl)ängni§ . . . 2lber tt)a§ bu 
nid^t tun fannft, ba§ foEft bu aud^ nid^t tun! . . . 
(ßangfam.) 5lbieu! (®r gel^t, n)äl)renb fie mit frampf^aft ge=« 
fd^loffenen §änben unb gef^loffenen 5tugen bafifet.) 



dritter %tt 93 



Soft 

(plö^Itd^, fd^rill, überlaut) 
§Qnn§ ! . . . (®r brei)t fid^ um . . .) §Qnn§ — idf) lommel . . . 
(8ie rcia auf i^n gu.) 3id^ lomme . . . (^a§ le^te leifer.) 

DJiori 

3iofi! (@r umarmt fie.) 

3oft 

(fd)n)an!t, oon i^m gefüb^rt, mieber jurücf unb fc^t firf) — ben ^opf 
fd^üttelnb) 

^d) tann borf) nid)t . . . (Schwüle q^aufe.) . . . ®U tjättcft 
md)i jofort jurüdlommen fotten, aU iä) rief . . . (2«ori 
fie^t fie oermunbert an.) ^d) treife QUcf) Tlid^t tDatum . . . 
5Kber id) l)ätte bir nadieilen muffen, lange nad)eilen burd^ 
bm ganjen ©arten . . . (Saft f)eftig.) SBarum Ie{)rteft 
bu um? 

$mort 

Söetl id^ unter beinern Sauber bin . . . (^ofen. ^a§ 
geuerirerf ift gu ©nbe.) 

Soft 
(auf^orc^enb) 
®tb mir SSebenfjeit! . . . 2}ierunbätranäig ©tunbcn — 
e§ ift ni(J)t lang' ! . . . (Seife.) ^ä) l^offe auf ben Drf an, 
ber mid^ mitreifet ... id^ f)offe auf ba§ SBunber . . . 
(Tloxi fte^t in bumpfem Sd^meigen.) S)U mad^ft mir angft . . . 
2Bie ]oU ba^ enben? . . . (3^n piö^iid) umarmenb.) 2Ba§ 
and) fommen möge, jtDeiffe an atlem, aber nie on meiner 

Siebe! (^a§ ©eräuf^ fommt nä^er.) 33Ieib bu ! . . . (SDßä^renb 
fie auffielt, träumerifc^.) ^ä) t)Offe auf btXi Dxtaxi . . . ba^ 
Sßunber . . . (5f)n anfe^enb.) (£§ trirb fommen! (Sie geE)t, 
n)äf)renb er ^alb abgeroenbet fi^en bleibt. Stuf falber ©jene 
rcenbet fie fid^ nod^ einmal um, al§ menn fie surücfeilen rooHte. 
Siebeöoll, leife.) §ann§ . . . 



94 SDritter 2lft 



SDlori 
(tonlo^) 
3ofi. (Soft ge^t.) 

fünfte Sgenc 

SJlori. 9^e^rittg!. 

?let)ringf 
(eilig, cor ben anbern) 
Sdö tüotttc cud^ at)ertteren. S)er Ätimfiim ift auy . . . 
Siaein? . . . 

3Jlori 
(ol^ne aufjufetien, tonlog) 
©atlj allein . . . (auffte^enb) äl^! (f^üttelt fi^) uttb 
möd&fS aud^ für biefen 2lbenb bleiben. (@e^t o^ne @ru^ 
mt ein S^ad^troanbler.) 

5>lel)ring! 
(i^m nad^fei^enb, mit ge!niffener ßippe) 
©ollte bic ßanaiHe fd^on f)eute [tarier fein aU trir? . . . 
(SOlit bem gu^e leidet Qufftampfenb.) ?lun, ba^ n)oKen tüXX in 

jel^n 2Jlinnten l)erau§^aben . . . (^ro^enb.) S)u fönnteft 
bid^ in un§ ein tt)enig fd^tüer t)erredönet liaben, teure 
Qtxnal (®e^t.) 



6cc^fte S^cne 



<£^et)alier. üon 2)afon) unb anbre S3abegäfte. (^^erfd^iebene 
Ferren fommen, ber ©Ejeralier an ber ^pi^e.) 

öon ®rin 
(fid^ umfe^enb) 
2Bo ift benn ber füfee Slff e geblieben ? . . . 3dE) f a^ 
bod^ nodö t)or jtoei ©etunben ben SKojartjopf ba l^inter 
ber §edEe. 



©rittet 2tft 95 



atinjefaHen, ß^eüalier! 

Don ßrin 
3, tüer f agt ^i)ntn benn ba§ ? . . . 3e^t mad^en rair 
ein ßeifeltteiben. 3ti)et rechts 'rum, stnei linl^ . . . 
(2(uf einmal.) S)a ift fie ja! Unb bie bicfe Slonbe anäj. 
Sie 3}läbel§ l^aben un§ nun einen §Qfen gefcfilagen unb 
feijen {cf)on Dor Vergnügen . . . (3:ie ^o^ie ^anb am SJhinbe, 
€in 3agbngnal nac^mac^enb.) Treiber, in ben ßeffel! (Unter 
Sachen ge^t bie ©efeUfc^aft roeiter.) 



Siebente S^ene 

®rna. SD^e^rum. (3Binb ergebt fic^, bie 8ompion§ fc^rcanfen.) 

Grna 
®a§ 5IBeitere fönnen trir ja ^ier terl^anbeln. (Be^enfic^ 
an einen 2;ifc^.) . . . DIein, lieber 5ri^, t)erftef)e bie ©adie 
nic^t faljd^ ! . . . ^(^ jagte nur : i^r mü^t balb reifen — 
je^r balb . . . 

t)on DJie^rum 
Slbcr toiefo benn? 

Srna 
Sieber Sc^toager, i^r jeib ^ier eben ^u lange ge= 
toejen! . . . Su bift ben ganjen Sag auf ber ^aqh, — 
3unge grauen t)ertragen ba§ nid^t . . . S§ ift jttjar meine 
eigne Sd^n^efter . . . 

von 3Jtef)rum 
(unruhig) 

ßben barum, Grna. 



96 dritter %U 



Srna 
(ungebulbig) 
3q, eben barum! . . . ^ebe junge ijüi\ä)t g^rau lä^t 
\\i) eben gern bie Sour maä)tn — aber e§ ift gut tDenn 
ber aJtann in ber dlai)t bleibt. 

t)on 3JleI)rum 

(nod^ unrul)iger) 
Srno, id^ f)abe aber nid^tg bemerft . . . 

Stna 
(arf)fel5urfenb) 
^a, in ben paar SJlinuten, bie bu babei bift, natür« 
lid) nid^t! 

non 3)iel^rum 

(fel^r unrul^tg) 
Sllfo bu meinft ba^ biefer 3Jloxi in ber 2at . . . 

®rna 

(ru^ig) 
^d^ meine gar nicf)t§, lieber ©dE)tt)ager. (£§ ift eine 
Sourmad)erei ol)ne jeben Setang — id^ lege, totnn bu 
tnillft, meine §anb in§ Steuer . . . 2lber bie ßeute reben 
unb reben jelbftnerftänblidf) tttoa^ 2lbfd)euli(f)e§. S)a§ ift 
bod^ t)ier il^re §auptbefc^äftigung. Dber meinft bu tiwa, 
ba^ bie fd^öne Suft ober ber 2öeKenfd)tag ober tiielfeidjt 
gar bie Sonnenuntergänge . . . D nein ! aJlan fcabet 
unb man !latfd)t. Voilä tout! 

t)on 3Jle]^rum 
(auf bem ©tu^l ^xn unb ^er rücfenb) 
Sfo, bann toerbe id^ olfo 3ofi ben SBerf el^r mit 9}tori 
bireft t?erbieten . . . 



dritter Stit 97 



Srna 

(ironifd)) 

aSenn fte ficf)'S rerbteten laßt — tnaS id^ i^r fd^tner 
i^erbenfen tDürbe . . . D^ein, lieber ^xi^. Sine Sorl^ett 
mit einer Qnbern gutjumad^en, ba^ i}ai nod) niemals Sinn 
gef)abt. Sonn fa(^en fte gonj gemiß f)inter bir I)er! 

Don DUf)rum 
(enifc^l offen) 

Sann muß id) atfo eine ernfte Stu^einonberfe^ung 
mit §errn non DJlori jud^en. 

ßrna 
2u f)aft fonberbare ßinfätte ! :2enn jagft bu bem 
3}tori ettt)Q§ 2(ef)nlid^eö, fo tDirb er bir nur freunblid) 
auf bie ©d^ulter Hopfen unb anttrorten : ßieber 3Rti)xnm, 
Sie finb tvoijl über 9iad^t nja^nfinnig getrorben . . . 2)q§ 
tut mir für 3£)re {yrau ©ema^lin teib — aber id^ tann 
nidE)t§ bafür . . . (Bef)r xut^iq.) a?efprec^en tnir bie 2(n= 
gelegen^eit bod) nerftanbig! 5ßa]fiert ift nid)tö unb tmrb 
aud^ nic^tü paffieren . . . 2lber toenn eine auffallenb 
f)übid)e junge ^rau, bie nod^ baju feine ßinber f)at nad^ 
fünfjäl^riger ßf)e — id^ treiß nid}t, tro ber üe^(er liegt — 

t)on SDie^rum 

{hie 3txrn runjelnb) 
Siebe (Srna, baS finb Singe, bie mt(^ l^öd^ft peinlid) 
berü£)ren muffen. 

Srna 
3a, lieber 5ri|, foft^e S)inge berüf)ren immer pein^» 
lid^ , aber fie muffen nun einmal gefagt trerben . . . ffiin 
hx^äjtn bitter foU ja jebe 5)}itte aud^ fd^mecfen, fonft \mxlt 
fie nid^t. 

Soft 7 



98 ©rittet Stft 



t)on Sölel)rutn 
@rna, xd) mu^ bitten. 

®rna 
©oüiel bu ßuft I)aft. ^d^ fenne eure el)elid)en S5er= 
t)ältniffe gar nid)t, tüiU fte gar nid^t !ennen . . . 3d^ t)abe 
meine fleine ©d)tüefter nur lieb, au^erorbentüd^ lieb — 
ic^ ):jalt \a eure 25erlobung bamal§ burdiau^ Drotegiert. 
Sben beön^egen f age td^ bir : l)eute i[t fjreitag, unb morgen 
befommft bu eine ^tpt\ä)t, naä) ber tt)ir alle |)lö^li($ 
abreifen muffen — bag 9M^ere tnitt idE) atleg fd^on fingern . . . 
2öir reifen eben ab, unb bie ßlatf(f)bafen l)aben ba§ 
Dkd^fe^en. 

t)on 3Jlel)rum 

(ttad^ einer ^aufe) 

5llfo bu meinft. . .? 

@rna 
^a, id^ meine. 

t)on 3Jlel^rum 

(ftocienb) 
2Ba§ bu übrigeng ba t)orl)in fagteft . . . trottteft bu 
bamit . . . ? 

®rna 
(rafd)) 
^ä) tüottte gar nid^tS . . . 2llfo wix finb einig ? 

t)on 2Jlel)rum 

(gejn^ungen löd^elnb) 

®u befiel^lft — unb ber a3efel)l einer S)ame . . . 

®rna 
(ad^feljurfenb) 
Sieber ©d^tnager, mid^ gel)f§ ja im ©runbe gar nid)t§ 
an . . . (Sölit S'la^brucf.) 3fd) I)abe e§ nur immer mit bir 



©rittet 9[!t 99 



gut, lef)r gut gemeiut! (53eibe ftef)en auf.) 3lun fucf) ]dö[eu= 
nigft beiue !(eme grau auf uub laß fie ntdöt mel^r fo 
Diel allein . . . ©ie xoixb bir bafür fel^r banf&ar fein — 
fe^r banlbax, lDenn'5 aud) inelleidit im 3Iugenblicf nid^t 
fo QUöfiefjt. — 3cf) fenne fie beffer . . . (?kc^benfenb.) 2lc^ 
ja! . . . Sag il)r, bitte, fein Söort Don unfern piö^lidf)en 
9teifeplänen. S)a^ n}irb firf) fcf)on ganj Don felbft macj^en . . . 
Sagft bu namlicf) ettoag ober burd)i(^aut fie'^, fo be= 
fommt fie einen Soupcon. fü^lt fid^ tief beteibigt — unb 
ba§ mit 9ted)t . . . ©ie ift, toie bu felbft am beften treißt, 
ein Heiner, lieber ßigenfinn, ber ganj plö^lid) ganj anbre 
Saiten aufjie^en fönnte . . . 

Don 93tel)rum 
(i^r galant bie §anb füffenb) 
^ä) banfe, liebe 6rna. (@eF)t.) 

Grna 
(auf unb ab Qc^enb) 
Safe bie beiben fd)on fo toeit finb ! . . . Söenn ber 
gute gri§ eine 2tf)nung tjätte . . . Sfcfi ift bod^ eine fteine 
Sd^einl)eilige . . . &lxt einer ärgerlichen ^einegung.) 2Bie bring' 
id}'^ it)r am beften bei? — ߧ ift eine bumme ®e= 
fd^id^te I . . . 

Grna. ?lef)ringf. 

9t ei^ ring! 
ftinter bem S3o§fett rortretenb) 
3DMne gnäbige grau, je^t fud[)e id^ Sie aber toirflid^! 
(§ält einen fleinen ©lace^anbfc^ut) in bie §i3^e.) 



100 Srttter 3lft 



(lod^enb, iE)tn bie befjanbfd^u^ten §änbe entgegen^altenb) 
gin ^Qnbfd^ul^, ber mir gar nid^t gehört, gar ntd^t 
gehören fann, trte Sie feigen! . . . Ober follte e§ eine 
Heine Sllalice fein? . . . ^d^ l^abe ®e(f)yeint)iertet — unb 
ber l^ier ift für eineßinberf)anb . . . 2lber ba§ mad^t ni(f)tg ! 
^d^ freue mid) im ©egenteil, lieber ®raf, ba^ gerabe ©ie, ber 
®ie fxä) fo auffallenb ejflufit) öerl^alten . . . (^ro^t mit htm 
giitger.) ®a färbt bie greunbfd^aft mit §errn t)on $Dlori 
tDol^l ah"? 

Dl e ]^ r i n g f 

(ben §Qnbfd)u]^ betrad^tenb) 

^ä) l^abe il^n aber tatfäd^tid^ auf ^i^itm 5p{a^ beim 

fyeuertDerl gefunben . . . ^d) faf) i^n an unb fagte : 

Gigentlid^ boc^ läcf)erlid) !(ein für eine fo energifd^e §anb ! 

grna 
§übfd^ g^fcigt! . . . Siber — id^ ^abe Sie nämltd^ 
tüäfirenb be§ 5euertt)er!§ gerabe beobadf)tet — aber ba 
]ai)m Sie mit einem fo eigentümlid^en 2lu§brud über bie 
ganje 33lenge l^in, aU toenn Sie über bie aJlenfd^tieit im 
affgemeinen Diel toeniger galante ©ebanfen gef)abt l^ätten. 

9cel)ringf 
(langfam) 
Sa§ fann tool^t fein . . . Sd^ bin. n)te Sie ja tniffen, 
großer ^Pferbe^üd^ter — e§ ift mein Seruf, meine 5ßaffion. 
Unb fo intenfit) betriebene^ -^anbtoerf f)aftet einem immer 
an . . . 2öie id^ mir l^eute bie gaffenbe 9Jlenfd)^eit anfal^, 
bad)te id^ fe^erifd): 2öa§ für miferabte 3üd)ter euer§ 
eignen ©efd^Ied)te§ feib il^r bod)! 



ßrna 
Xa§ unterfc^reib' id). 



dritter ?tft 101 



Dcebrtn:! 

Sei Sieren bringt man gujammen, tDQ§ sufammen» 
gehört — toir jüd^tcn f ^^ematifc^, bie ftraft, bic Sei^ng. 
Ser f^njie ^engft toirb auirangitrt, totmi bie ffta^sadfl 
mä)t§ taugt . . . 9Btr foperOugen SRenfc^ aber paaren 
jum Seifpicl einen reiten Sudligen nnb eine arme &dfin^ 
i)nt, unb afle finben ba§ barauö refulticrenbe Äinb reijenb, 
iDeil ba^ 3^inniem)urm bieSmal einen &tD>\ad ftatt be§ 
f&udtU auf bie SQSelt mitgebracht ^at . . . Unb fpejieO 
toir beim 9>oIlb(ut — toaB gibt man fic^ nid^t für eine 
SKefenmü^e, um baSSepc jufammen jubringen? Unbjeber 
Sßerpanbige fie^t bann bei Qfönen erfi auf bie &iflung 
unb bonn auf ben Stammbaum . . . • SorlolKf c^.) SBir foHen 
ba^ menf^tidje SBoIIblut repräfentieren — nnb f^en an§ 
^(c^tung baDor bei ber 6^e nur nad^ bem Stammbaum 
über bem @elbfacf. 2Bir f nben ba§ rationell — tounber= 
fc^ön . . . 3)a§ foll Staffenjuc^tung fein — i^ bitte je* 
manb ju grüßen! . . . (8o4l) §a, ^a . . . 3)ie ftmmmen 
unb bie Säumen jufammengefpannt. — Cb baS alte Slut 
noä) ettpa§ taugt, ba§ ifl ja ganj glei(!^ä(tig . . . 

Srna 
Gäc^elnb) 
3e§t fommt unfre Heine ©efellfd^aft ^ier bran, i^ 
atjv.t e§? 

9le^ringl 
aSarum nid^t? — ^d) jebenfaKS finbe in unferm 
Ileincn ^ei§ bie 3ä4tung§ref ultate mif erabel . . . 6§ Hingt 
cquifoque — aber fagen Sie fetbp, gnObigeSran: aJhi^ 
nic^t ber 6^et)alier gum Seif|ne( eine ^übfc^ bnmme 
HJhitter unb einen uralten Sater gehabt ^aben? — Qdpnt 



102 dritter Sl!t 



9iaffe — fd)öne 9iaf)e! . . . SBir tonnten jo beinahe alle 
bnrd&nel)men. Sei meinen ^ferben fönnte id) j[ebenfaü§ 
ba^ ©Ieid)tt)ertige l^ö(f)ften§ im ^ReferDegefpann ober t)or 
ber ©{janffeett^alje Brandjen. (®rna fd^rceigt marfant.) . . . 
(^öflid^)... (Sie reifen übermorgen, gnabige grau? 

ßrna 
(oeritiunbert) 

2Ber fagt S^nen ba^'^ 

?lef)ring! 
3d| i)abt \o ba§ ®efüt)I. ^ä) t)obe mid) barum t)ou 
3I)ter O^rau ©djtoefter t)ort)in mit einem befonberg toarmen 
§änbebrud t)erabfd)iebet. 

Srna 
©ie ^abm eben gel^ord)!, ©raf! 

3le]^ring! 

(gleichmütig) 

^ä) l^abe eben gel^ordit — aber leiber nur eine Söeite. 

(Srna 
S)a§ I)ätte id) S^nen nie jugetraut! 

?tet)ringl 

(ironifd^) 

brauen Sie mir, bitte, alle§ ©c^led^te ju, gnäbige 
g^rau! — ^d) toax nie Sf)argierter t)om Sugenbbunb. 

Srna 
Unb tt)a§ tüoßen Sie bamit jagen? 

Jlel^ring! 

(auf fie jutretenb) 

®a^ ®ie übermorgen nid)t reifen foHen, gnäbige 
f?rau — ober toenigfteng aßein! 



©rittet 3Ift 103 



6rna 
ßrlaubcn ©ic mal, ©raf ^lel^ringf! 

Diel^ringl 

(le^r emft) 

©näbtge S^rau, reifen Sie nid^t! — 2ßir beibe iDifjen 
genau, mie ineit bie Singe gebieten [inb — laffen n)ir 
ftc toeiter gebei^enl — 2a]]tn tüir t)öttig ertpac^fene 
3}ienfc^en ifire kämpfe allein au§fedf)ten! rXringenb.) ©er 
fiampf fotl ba§^ Sefte au§ un§ t)erau§I)o(en — baju ift 
er ba . . . Unb tüenn man jtüei 3Jhnidf)en jujammen« 
gejpannt l^at, bie ni(f)t jujammenge^ören, fo foll man 
if)nen ef)er f)elfen, njenn fie fic^ Doneinanber reiben, aH 
fie in§ gemeinfame ^od) äurücfjtringen . . . Saffen Sie, 
gnäbige ^rau, bie §anb qu§ einem Spiel, ju bem Sie 
mcf)t aufgeforbert finb! 

ßrna 

3cf) fud^e üergebenö nac^ SBorten. 

5i e f) r i n g f 
^d) fann n^arten. 

Srna 
(fic^ ^ufammenne^menb, mit einem 2äci^e(n) 
^s(ii fe^e ju meinem Sebauern, baß gerabe trir beibe 
auf Siegen ober 93rec^en ftel^en . . . (|)oc^mütig.) 3[tn übrigen 
n)ci^ id), tüa^ meine ^]lxd}t ift. 

9ie{)ringf 
^dö au(^! ... Sie reifen nid^t! 

Srna 
Sfßotten Sie mir ba§ Dorfd^reiben, §err ©raf? 



104 ©rittet 2lft 



?tef)ring! 

(fd^roer atmenb) 

©näbige S^rau, toix ftel^en fd^arf auf fd^arf — unb 
©ie untertarieren mxä) t)ielleid)t boc^ ettt)a§ . . . S^f) 1^9^ 
Stirnen: ^rau t)on 2Jlet)rum reift übermorgen nid^t — 
mit Sinnen nidit! . . . 5öorf)er paffiert ein UngliW . . . 
ßaben ©ie e^ nid^t auf ^^x ©emiffen! -- ^cf) bin !ein 
ßeidiengänger — id) tt)ar'§ nie ~ aber id^ !ann über 
ßeid^en geljen, t)iel{eid)t lälter unb jielbetDu^ter aU 
©ie . . . C^ie §anb mit bem §anbfd)U^ {)ebenb.) SBir Öeute 
t)om ©porn unb ber 5Peitfd)e lönnen eifentjart fein . . . 
(gaft üeräd^tud^.) Uub Votxiu xf)x mir ba§ 5|}aroIi biegen 
tooHtet, fo biege id)'§ euc^ mit 5Double»(Sl)ance! 

@rna 

(frfinjer atmenb, bann mit einer §anbberoegung, al§ wenn fie na^i) 
h^m ©rafen fd^lagen woEte) 
©ie finb irol^l toE getüorben, §err ©raf! 



Vierter mt 

ßrfte Sgene 

Grna. 3 oft. fSflef^xum, (Salün con Slc^rum^. SRe^nun mit 
grau iinb Schroetter beim 91exni*U^r*3:ec.) 

6rna 
ßö fc^eint je^t l^ier an ber See bie Sicgenpcriobc ju 
fommen . . . anä) toa^ man neuerbingö t)on ©efcllfc^aft 

fxef)t . . . 'cjä^nenb) gctabe ein ^od^genuß ifl ber 2tufcnt= 
f)alt voxxUii) nicfit mef)rl 

Sofi 

t^oie bruienD unb ftumm bageienen — rIo5l:r.» 

2lber e^ Hart fic^ ja fd^on n^icber auf. 

ßrna 
(fc^einbar gerftreut) 

^a, ja . . . (3u sne^rum.) SOBoHtcfl bu nic^t auf äffe 
Sdtte noc^ eine große Stranbpromenabe machen, {yrig? . . . 
(greunbiic^.) 3^^ vS^ger einen ganjen Zag mit unö allein 
im 3inimer — bas tttare graufaml . . . ^ü\i, nid^t toa^r, 
bQ§ öerlangji nid^t mal bu, öerujö^nte Heine Qxan, öon 
beinem 5)lQnn? 

Sofi 
ftöfHg) 
£), toenn gri| ausgeben toiff . . . 

t)on a3te^rum 

Öögcmb) 

3a, :renn itir meint? . . . 



106 2}terter 2l!t 



®rna 

((ad)enb) 
^a, tt)ir meinen! (3öäf)renb ^c^rum langfam auffteB)t fie^t 
if)n ®rna fd^arf unb bebeutimg§ooIl an.) 

Don ajlel^rum 
2ltfo auf SBieberfel^en ! . . . (M^ ben tarnen bie §anb.) 
SBenn icf) jurüdE tomnte, f eib il^r n)oi)l fd)on ju 58ett ? . . . 
Sllfo Quf äßteberief)en, morgen! 

(matt läc^elnb) 

Sluf aßiebetfe^en! aWorgen! 

Srna 
(aufgcröumt) 
®el), gef) ! . . . {^im nad^rufenb.) ^ijx fpielt bod) l^eute 
ntci)t ettüa? (50lef)ruin mad^t nod^ eine abroelirenbe ^anbbemegung 
unb ge{)t.) 

3tt>eitc G^ene 

3 f i. (£ rn a. 

Soft 

(bie aufgeftanben ifi njanbert unruf)ig auf unb ob. Stehen bleibenb. 
ol^ne bie ©d^raefter ansufel^en) 
®rna, id) tt)ill aud^ nod^ ein bi^djen gef)en ! . . . 

Srna 
(fanft) 
9lber bod) I)eut nid^t mel^r . . . S§ ift ja aud) fd)on 
fo fpöt . . . 

Sofi 

(Icife) 

2tt)er id^ möd)te bod) . . . 3i<i) bin bod) fonft nod^ oft 



Sterter 3(It 107 



abenbS am Straub . . . 2en gängelt Sag ift man l^eut 
nic^t inö greie gelommen tt^egen be§ Oiegen§ . . . ((Snu 
fd^loffen.) ^ä) tütxbt boä) ge^en! 

grna 
(langfam auffte^cnb unb jur Sc^rcefter ge^enb, bie §Qnb um i{)re 
^Qtüe) 
®u trirft aber nitfit ge^en! < Seife, aber benimmt.) ®u 
irirft ganj ficf)er mcf)t ge^en, Qofi! 

(ftc^ Io§mac^enb) 
^d) toerbe aber bod) . . . 

Srna 

(leife) 
S)U irirft aber nid^t! (3ofi. bie ans genfter gegangen, 
fc^aut fic^ beim 2on ber legten SBorte um. *2:ie S^roeftern feigen 
fic^ lange an. @rna leife unb lauernb:) ^oft, tnaS tDllIft bu 

brausen? — fo alletn? 

(ift ju einem gauteuil gegangen. Sie ft^t ba unb ftarrt nor fic^ 
^in, mit 2;ränen fämpfenb . . . diadc} einer 2ßeile bumpf) 
Seit geftern tnerbe iä) \a t)on euc^ mie eine ©efangene 
bet)anbelt . . . (^aum hörbar.) 2ßie eine ©efangene . . . 
(^lö^iic^ auffte^enb.) ^ä) tüitt'^ aber nid^t fein! 

ßrna 

(bie leife f)erange!ommen, brücft hi^ Sc^icefter fanft in hzn Seffel 
Surücf) 
S)u bift franf, bu fieberft. 

3ofi 

(o^ne bie ©c^mefter angufc^en) 
3d^ bin uid)t frani! 



108 Sterter 2l!t 



Srna 

(fic^ 5U i^r beugenb unb ha§ %>aax ftreid^elnb) 
S)u bift trtrflid^ franf, ^fofi, red^t frani! ... S)ir 
befommt bie ©eeluft fo trentg trie mir. 3Kan firaud^t 
biä) \a nur anäufel^en . . . 93}q§ für ein nert)öfe§ ®e= 
fd^öpf t[t au§ meiner frifd)en ©d^tüefter gett)orben . . . 
($aufe, ii^ieber fanft.) SBir troHen balb reifen, ©dE)tt)efterd)en. 

3ofi 
(auffaljrenb) 
Slfireif en ? (SOßteber sufammenfinfenb.) D ©Ott ! 

6rna 
(fanft, aber feft) 
Söir tDerben ialb reifen, ^d^ badete an ®pa ober 
^omlnirg ... ^n ®pa tüürbe bir bie ©pielban! ©pa^ 
ma^en, einen 9tie)enfpa^ machen — bu !(eine ^^ura^e . . . 
3n §omburg trürben bir bie Söben gefallen — bie fd^ön= 
ften ®d)muifad)en, bie bn bir benfen fannjl . . . g^ri^ 
fprad^ neulidf) Don einem ©maragbfolitar, ben bu bir fo 
n)ünfd)teft unb mit bem er bid) überrafd^en möd)te . . . 
®§ gibt toenig 2)Mnner, bie aud^ bie leifeften SBünfc^e 
if)rer fjrauen fo feinfül)lig . . . Oofl hk bei bem s^amcn 
Sufatnmengefa^ren, gittert.) Stber auf jeben gatl toirb bir bie 
2BaIb= unb »ergluft too^l tun ! 



Soft 

(bumpf) 



^ä) reife nid^t! 



Srna 
(ernft) 
5lbet e§ ift fdE)on atte§ beftimmt. ®u braud^ft nur 
naä) beiner Qungfer ju !(ingeln, bafe fie bie Toiletten 



23terter 3tlt 109 



einpacft. (Surj.) 2Bir reifen nämlid^ morgen mit bem 
grüfiäuge. 

3ofi 

(bie §änbe ineinonber geframpft, rceinenb) 
Sfd^ reife nirf)t . . . ic^ reife nid&t . . . (^löfeli^ bie 
©c^raefter raegftoBenb unb in ein fonüulfiöifc^es 3d)lud^5en aus* 
brec^enb, bie §änbe t)or ber 8tirn.) §errgott, §errgott, traS 
I)abe id^ benn getan, ba^ bu mirf) fo ftrofen tütUft! 

Srna 

(ge^t im 3intmer auf unb ab, juireilen auf bie Sd^roefter fe^enb. 

SQßieber fid) ju if)r beugenb, leife) 

Soft? 

3ofi 
2Bq§? 

Srna 
(noc^ (eifer) 
Soft! §aft bu ben OJiori mxtüäi fo lieb? 

3ofi 
2Bq§ rebeft bu ba? . . . 

@rna 
Db bu ben DJbri n)irflic^ fo liebl^aft? . . . 3ft^ treiß 
nämtid) alle§ — aüeS ! 

3ofi 

(in einem ptö^lid^en Ji^Pulfe bie §anb ber 3c^roefter faffenb unb 

fie §u fic^ jie^enb, ftoBmeife) 

3a — xd) t)abe xi)n — fo lieb ! . . . Srum fei bu 
tt)enigften§ barmt)eräig! 

Srna 
(bie ficf) fanft Io§gemac^t ^at, nimmt i^re ^romenabe lieber auf) 
SBeine bid& nur rul)ig au§, Äinb ! . . . ®ö gibt fdjlimnxere 
©ünben . . . 



110 Söierter Sl!t 



3ofi 

(nad^ einer 2BeiIe aufftet)enb, ha^ Safd^entud) cor bem ©efid^t) 
3d) bin fdtjon ganj ru^tg . . . SHfo, n)Q§ joll trerben, 
Srna? 

ß r n a 
(bie 8d)n)efter umfaffenb, freunblirf)) 
©tet)ft bu, ba§ freut mid)l . . . ?lun trollen trir un§ 
äufaminenfe^en (fe^en ftd)) unb bie 2lngelegen{)eit ganj t)er= 
ftänbig befpred^en. ^d) bin bie baxml^eräige ©d)n)e[ter, 
bu bift ba^ franfe ßinb. (Soft mac^t eine abrae^renbe ^e* 
lüegnng.) D, Iran! bift bu bdä) uub tnittft ba§ tt)ie alle 
trirflid^ Traufen nid^t tüoijx ^ben! — 3lber bu mu^t 
triebet gefunb trerben uub trirft triebet gefunb trerben. 
(3treid)elnb.) Uub uuu l^ör mxä) o,an^ ruf)ig an unb benfe, 
tra§ audö ba§ Meine I)ei^e §erä bagegen fagt: ®§ ift 
beine ©d^mefter, bie fo ju bir fprtd}t, beine einzige 
©d^trefter, bie e§ fo gut mit bir meint trie lein SDIenfd^ 
fonft. 

3ofi 
2ll]o fprid)! 

Srna 

(nac^ einer $aufe) 

3Ilfo bu t)aft eine gro^e, gro^e Zox^dt begangen . . . 
£)ber nennen trir'g aud^ lieber eine gro^e, gro^e ©ünbe — 
benn bann t)erftef)ft bu mid) rielleid^t aud^ beffer. 

3ofi 

(nicft) 

^(S) trei^ trol^l. 

ßrna 
(mit Dlac^bruc!) 

3fa, eine gro^e ©ünbe! Unb bie fann man nur gut= 
mad^en burdf) eine mutige rafd)e S^at . . . Unterbrid) mtd^ 



Vierter 3(ft Hl 



nid)!! Söon ber JReife trollen nur t)orIäun9 nid^t fpredjen . . . 
Unb boä) — ton meinen'^ ja alle fo gut — i(f), xmxi td^ 
beine ©d^toefter bin, bie bid^ t)on früt)efter Sugenb auf 
fennt unb bie bid^ nidfjt blinb in§ UngtüdE laufen taffen 
barf . . . Unb bein 9Jtann, O^ri^ . . . (3on jucft ix)iebex- ju-- 
fammen.) dliiji nert)ö§ tüerben! . . . ®enf mal, morgen 
um bie S^it finb Xdix ]d)on lange in @pa ober in §om= 
bürg ober too bu toiüft — wix Ijaben eine anregenbe 
Steife l)inter un§ burd^ fdE)öne, 6lül)enbe ©egenben. Dteue 
©efid[)ter, neuer S)iale!t. £u glaubft gar nid)t, ttiie fo 
eine Slbtoed^jlung ben Dteroen tool^l tut! . . . 2lm 5(benb 
ift eö bir öielleid^t nod^ bumpf im ßopf, bu l^aft aud^ 
oieHeidEit ein n)enig ^eimtoe^ nad) biefem l^öfelid^en 93abe, 
ba^ beine 3^neigung gar nid^t Derbient. Slber toenn bu 
bann, mübe oon ber greife, nad^ einem gefunben ©d^laf 
fpät t)ormittag§ aufn^adjft — ein ladjenber ©ommertag 
funfeit bir entgegen, bu fiet)ft bie grünen Serge, atmeft 
bie toürjige Suft, (überrebenb) bann toirb meine f leine liebe 
Sofi bod^ läd)eln! (3ofi fc^ütteit ben Ropf.) Dleinettoegen 
ettx)a§ tDel)mütig, and) eine Sräne mag ftd) in ha§ liebe 
2luge ftel)len — ba^ nimmt bir niemanb übel! — aber 
ba^ 25ergangene erfd^eint bir bod^ al§ ba^, tüa§ e§ er= 
fd^einen mu^ — ein S^raum . . . unb ätoar ein S^raum . . . 

3ofi 

(auffa^renb) 

2:raum — S^raum ! . . . S)ann l^ätte iä) if)n boc^ nie 
geliebt! . . . 

Srna 

Slber ba§> le^tere Perlangt ja niemanb Pon bir ! . . . 
©0 fe^erifd) ba^ auä) gerabe Pon mir Hingt: SBarum 
foHft bu nid)t einmal in beinem Seben einen 9Jlann red^t 



112 Vierter 3lft 



gern gel)abt ^aUn, ber äufätitg nid^t bein SJlann tDar? 
So n)a§ fommt unb ge!)t — man barf § nnr unter feiner 
93ebingung gro^ tradfifen laffen. Unb bei bir ift e§ nod^ 
gar nic^t gro^ gen)ad)fen. ®u lannft noäj fo gut jurüdE. . . 
(Ueberrebenb.) ^öft, bu gtaubft gar ni(f)t, \vu bu mir ba§ 
batb banfen trirft ! . . . Später tt)irft bu bid) t)ielfeid^t 
mit get)eimem ©rauen ber 3^it erinnern unb mir ganj 
l^eimlid^ bie §anb brüden unb ganj tieimlid^ jagen: 
kä), tretdieg ^inb tnar id^ bod}! Erinnere mid^ nie, 
nie tüieber an biefen töridEjten, törid)ten Sraum! 

Sofi 
©pridE) nid)t n)eiter in bem Zon ! . . . aSenn bu meinft, 
ba§ meine ^erjengangelegenlieit fo oberfIädE)Hd^ bet)anbelt 
werben f ann, fo irrft bu bid) fd)U)er ! . . . (®ie g)anb üor bie 
(Stirn preffenb.) ^ä) i)abi if)n j[a fo liefi, fo lieb ! unb toenn 
idE) get)e, fo gei)e id) mit einem tobmunben ^erjen . . . 
(Sangfam auffteEienb. bleibt vox bem 5SifdE) ftef)en, bie Slugen ftarr 
auf ein 33ilb gexidjtet.) 

®rna 
(auf unb ah ge{)enb) 
©ut — gef)l — 2lber toaS bann? . , . ®§ ift ettDa§ 
fe{)r ©d)öne§ um fo i)ti^t Siebe — aber nid)t für btn 
§au§gebraud) unb nid^t für lange 3af)re . . . Unb toa^ 
fie l^inter ber tx)eggelaufenen ^rau l^er äifc^etn — bu ! — 
^ä) tüxW^ nid)t n)iffen. 2öir f)ören'ö ja aud^ nid)t . . . 
Slber ba§ anbre — tt)a§ ba§ ®efidE)t n)ie ?tab ein pridelt — 
tt)ie t)ergiftete DIabeln — unb ba^ §erä burd^ftidE)t mit 
teifem, ^eimtüdifd)em ©tid) ... bie ßeute, bie bir bod) 
mal \pakx begegnen — fidjer begegnen — oft begegnen ! 
S)ie grauen, bie bei beinern t)ertegenen ©ru^ btn ßopf 
l^odjmütig jurüdtDerfen, bie SDMnner, bie bid) gru§to§ 
unb fred) anftarren, bie fpielenben ßinber, bie man au§ 



aSterler Utt 113 



beiner ?Jäf)e ruft, bamtt fie ba§ ©ift beS perfetten SQe= 
t)rud^§ nicf)t fc^on mit beiner ßuft einatmen. Unb felbft 
n)enn i^r eucf) irgenbmofiin tjergrabt — bie 91acl)barn, 
benen bie 2BQf)rf)eit bod^ mal jugeflüftert trirb, fo ba% 
bie anftänbigen 5^^^^^ ]^^ ^^^ ^i^ ^^M äurücf^ief)en, 
iDä^renb bid) ba§ li(f)t]c]^eue ©efinbel auf einmal ju pro= 
tegieren beginnt. 2:ein G^aperon t)ieüeidE)t eine ältere 
ßofette . . . grtrag'g — ertrag'^, ^ofi! — S)u, bie bu 
für bie §ö^en ber ©efeüfdjaft geboren bift nnb bi(^ im 
Sumpf nie, nie tüoijl füf)(en fannft ! — ®rtrag'§ — trenn 
in bem Sefefalon eine§ 33abe§ bn beutlid^ I)inter bir 
flüftern f)örft: Slf), bie oerfloffene 3Jtef)rum, bie je^ige 
grau ton Söiori, Sble t)on SDlori — f(f)on allein ber 
Son: ffibte! — mit bem 5!Jlann mit bem fabelhaften 
3Jlaiorat im 5ülonbe . . . SBei^t bu nieüeic^t, ob il^r fogar 
t)or 9tot gefdiü^t fein tt)erbet? — !Eenn bein mütterliche^ 
Söcrmögen ift nirf)t fo groß, unb unfer alter 93ater lebt 
©Ott fei 2)anl ober — leiber nod^ . . . (3u ber beroegungs^ 
io§ ®Qftef)enben tretcnb.) SBag Ujeißt bu überf)aupt t)on bem 
3Jlori? ©aß er ein notorifd)er 33erfcf)n)enber trar! . . . 
Unb ba^ er ein Sujfreunb t)on bem berühmten Jiel^ringf 
ift: §abenicf)tö — 2;unicf)tgut — 23erfül)rer t)on 5ßro« 
f effion ! 

3ofi 

®rna! 

®rna 
(oeräc^tlic^) 

3an)ol)l! . . . 3<i) ^^iß ^i^t tra^biefe beiben g^eunbe 
fo eng äufammenlettet, icf) fef)e aud) feinen t)ernünftigen 
©runb bafür — tro ber eine tro^ altem ein ganjer SDtann 
ift, unb ber anbre beftenfallS ein geiftreidE)er Saufeur. 
SCßenn nun bie beiben eine fleine ©emeinf)eit jufammen* 

Soft • 8 



114 Vierter 2l!t 



fettete — eine bunffe ©efd^idite t)om Sfiennpla^, tüo aud^ 
bie SBeften e§ ni(l)t übermäßig genau mit ber 3!Jlorat 
nel^men? — 3Jlir njirb ja Don berufener Seite beftätigt, 
ba'^ §err t)on SJtori aßerbing^ ein brillanter ^Reiter n^ar, 
ber nur aüju plö^Iid^ ou§fd)ieb — au§ ber Slrmee fo- 
tt)of)l aU t)om ©Port . . . ®g ift nur eine aSermutung — 
aber tüarum foE fie nic^t jutreifen? — ®§ fann perfibe^ 
DJlanagern, unfaire^ ^Reiten fein — ganj f)armtofe ©ad)en, 
für bie man aber einen ^odei el^rloS i:)on ber S8af)n 
jagt — bie man bei §errn t)on SJlori fo gut tt)ie mög= 
lid^ totfditüieg, treit man ni(f)t aud^ ben mäd)tigen ^Patron 
treffen tvoUk ober burfte! 

3ofi 
(bie mel^rmal§ sufamtnengejucft ift enbltd^ leife) 
S)a§ tut mir toef)! 

(Srna 
(roeil Soft roieber fd^roeigt) 
©iel)ft bu? — eg trifft bod)! . . . 

Sofi 
(raie erroad^enb) 
91ein, e§ trifft nid)t — e^ trifft ganj getoi^ nid^t!... 
(5luf bie @d)tt)efter 5ugel)enb.) ©eftern uod^ — t)ielleidE)t, ba^ 
ba bod^ ein ©tac^el jurüdEgeblieben n)öre — aber ^eute — 
nein! . . . SSieHeid^t in biefen paar armfeligen SJlinuten 
ift e§ mir ganj !(ar getrorben, ba^, traS mi(^ geftern 
fd^redte, {)eute nid^t mel^r fd)redt. 3)a§ lommt etn)a§ 
plö^lid^. Unb ba^ ift t)ielleid)t mein 33er^ängni§ über= 
^aupt . . . (9iut)ig.) Öa§ bie Seute reben, lafe fie mid^ nid)t 
grüben — id^ fönnte nid^t einfamer ot)ne fie fein, ai^ id) 
mit it)nen toar . . . S)a§ aUeS foll mid^ nic^t anfed^ten! . . . 
Unb mag er aud) arm fein, ba§ 3}iaiorat feine fire Qbee — 



Vierter 2(!t 115 



id^ Ijab'S id)xtdiiä} an mir erfafiren, baß Dteid^tum bod^ 
nid^t gtüdtItdE) tnad^t : 3<^ Unnt bie 2(rmut nid^t — aber 
ettüaS ©d^Ummcreö qI§ ber 9ieid)tum lann fie mir aud^ 
n\d)t bringen . . . (9la^ einer ^aufe, roeid^.) Unb tüenn er 
ettuag begangen t)ätte — id^ trill'ö gern mit i^m tragen! — 
6§ tt)äre ja bodt) nur ein Unglüct, benn id^ njei^ beffer 
aU aüz, ba§ er immer Dorne{)m gebad)t unb gefüfjU l)at . . . 

6rna 

3)ann bin idf) in ber unangenehmen Sage, ^of^ atle§ 
beinem 3Jlann mitteilen ju muffen. 

3oii 

(Icibenfc^aftlic^) 

Xu'ö — tu'g — tu'g auf ber ©teile ! . . . mad^ bem 

eieftrifc^en 5^nopf eiienb.) ^^dt) tt)itl jelbft lUngetn — man 

foll i^n fofort i)okn. — ^d) tüiti felbft babei fein, tüenn 

bu'g fagft! (klingelt.) 



©ritte Sgcne 

S8 r i g e. Jungfer. 

Jungfer 
Srau SBaronin ^aben gettingelt? . . . 

Grna 
■ (rafc^) 
Dlein, ic^. (Sagen Sie meiner ^^^Qf^^/ ^^^ P^ i^ 
Sett gef)en fönnte, icf) fäme erft jpüter unb jöge midE) 
allein auö. (^ie Jungfer ge^t.) 



116 agierter 2tft 

QSierte G^ene 

Qoft. (Stna. 

Soft 

(murrenb) 
aOßarum nid^t? 



®rna 
Sßetl icf) bei 93erftanbe bin . . . G&in unb ^er ge^enb.) S)q^ 
i{)r eudE) nid^t befonberg liebt, treife id^ allein . . . (Saft be- 
fd^njörenb.) Slber ba§ gehört ja gar nic^t unbebingt jur 
®l)e, ^o\x\ . . . Siebes ßinb, nad) einer ätr)Qnäigiäl)ngen 
@l^e get)en alle nebeneinanber ^er — e§ ift nur ©ett)ol)n= 
l;eit. — 3)lein 3Jlann unb id^ finb and) nebeneinanber 
ijtx gegangen bie leWen 3al)re. 2(6er id^ l^atte meine 
ßinber. 



S)u — ja! 



(groUenb) 



(£rna 
3lber aud^ ol)ne baS . . . Unb auBerbem mit beinen 
ämeiunbätranjig 3al)ren — id) bitte bid)! 

(leibenfd^aftlic^) 
3d) mü leine ßinber t)on i^m — je^t nid)t unb nie l 
®§ tüäre ein ]d)redlidt)e§ Unglüd, benn bann müßten aud) 
meine ©ebanlen bei if)m aushalten, ^d) liebe i^n nid)t 
unb 1)abz ii)n nie geliebt ! (5tuf bie Sc^wefter gueilenb unb 
i^re §anbgeienfe prcffenb.) äßir ^obm nebeneinanber l)er 
gelebt, feit bem erften 2;age, ber erften 9lad)t! ^ä) 
fenne e§ ntc^t anberS . . . Unb tDenn er mid^ gefügt l^at^ 
bann f)abe id) meine Sippen äufammengeprefet, unb mnn 



9}terter Slft 11/ 



tv mxd) gefragt f)Qt: §aft b\i tnid) lieb? — ba ijabe 
ii) ben ^opf n)eggen)anbt unb gefagt: 31etn! . . . Unb 
er l)at baju geläd^elt — getäcfielt! . . . §a! . . . ßr t)Qt 
feine 9(f)nung, tüaS Siebe, ®efü^( ift . . . (2)te öänbe ber 
Sc^rcefter preffenb.) gr burfte inirf) nic^t l^eiraten -- er 
burfte nid)!! 

ßrna 
Unb bu btft boi) bei if)m geblieben? 

oofi 

(bie ^änbe Io§Iaffenb unb n)ieber roanbclnb) 
2öeil id) ein ßinb trar, tüeif er mir leib tat, Wtil id] 
bie Siebe felbft nid^t fannte. (^umpf.) ^tUt fenne id^ [ie . . . 

6rna 
S)ann aUerbing^B! 

vjofi 
(oeräd^tlic^ läd)elnb) 
D nein! — 3d) bin förperlid) fo unberührt tüie je. 
(©e()t fc^roeigenb auf unb ob.) 

® r n a 
(eiftg) 
911] bu toirft baüontaufen? OoriWnjeigt. emalangfamO 
Unb bie ^Pflid^t? — 2öa§ bu am 9Iftare beid^tuoren t)or 
(Sott? 

viofi 
(fcfineßer ge^enb, bie §änbe üor bie 5{ugen preffenb) 
^ßflid^tl — 2)a ift e^ tüicber, ba^ graue ©efpenft, t)or 
bem id^ mic^ fo fürd)tel 

Srna 
(fic^ in einen Stu^l fc^enb) 
^ä) fe{]e, ba% mir uuö nid)t mef)r t)erfte{)en. 2)u fannft 
tiid^t mcijx . . . 9(Ifo gef) ! — gef) ! — e§ ()ä[t bidf) nie= 



118 Giertet 2lft 



manb! . . . Qc^ latin [a [tatt beiner beinen 3Jlann er* 
waxkn, (5li§ ^oft fte^en bleibt.) SBarum ge^ft bu nid^t? — 
(^crädE)tIi^.) ®ti) bdä)\ 

Soft 

(i^re SBonbexung raieber aufne^menb — leife) 

®rna! 

®rna 

Safe boä) ba^ ®efüt)(t)otte je^t! — 3)u Ijaft mal eine 
Sd^trefter gefjabt unb iä) Ijobt mal eine ©d^tüefter ge» 
t)Qbt . . . Slber ba§ ift j(f)on lange ^tx. 

Öofi 

(lüieber ftel^en bleibenb — flel^enb) 
®rna! (®rna sucft hk 5J[d^feIn unb f^Iägt ein Jöudö auf, 
3ofx sögert einen 5iugenblic!, mad^t ein paar ungleid^e Saftige 
Schritte auf bie Sd^roefter ju, unb il^r fd^Iud^jenb cor bie gü^e 
faUenb — t>^n ^opf in i^rem ©c^o§.) ©ag bQ§ nic^t! — ®ag 
ba§ nic^t! . . . ^^f) bin fünbig, unb id^ bin fd^trad), unb 
bu bift meine einjige ®rf)tt)efter . . . S)u bift fing unb 
gut — unb id^ trill bid) \a gerne f)ören . . . §ör bu mid^ 
auc^! . . . S)ent e§ fei tt)ie einft — ic^ fei ein ßinb unb 
fänie, tüic fo oft, ju bir gelaufen, treil idE) ungtürflid^ 
bin, tt)t\l mid^ etn^aS quält, unb fagte fle£)enb : l^ilf mir ! . . . 
§i(f mir aud) ^eute, ®rna! ©ag, tva^ fott id^ tun? 

®rna 
®eine 5pflic^t tun. &toa^ anbreS tneife id^ aud^ nid^t 

Soft 

(gut Sd^raefter auffd^auenb) 
S)u l^aft auf einmal fo falte Stugen! . . . ^))x \)aU 
alle fo fatte 2lugen, toenn if)r t)on 5pf(id)t fpred^t. 



Vierter 3lft 119 



gxna 

(unberoegt) 

Sie 5pflid)t ift ernft unb il)r SEßeg t^at Spornen. 

(fc^Iuc^öenb) 
3^Q§ fogt il^r immer. — ^d) bin jung, icf) liebe boS 
Seben — baö ©lücf. -Dlein ©lücf trar jo groß unb fo 
furj! . . . Soll W^ I)alten, joü ic^'ö tregftoBen — baS 
®(ücf ? . . . Unb baS Jun!e( banad)! . . Stdf), grna, irarum 
ift bie ^]lxdjt fo grau unb if)r aSeg fo lang? — Unb 
iDQTum leuchtet ba§ ©lücf roftg unb. oerfmft fo jaf)?... 

(Xic Sc^rcefter onftorrenb.) 2Öa5 ift ^flid^t? aSeißt bu ey 
toirtlid^ ? 

Crna 
SetDiB, Soft, ßß ift bQ§ Seftef)enbe, ba^ ©ebotene, 
eö ift bQ§, tDogegen man nic^t beulen barf . . . 

3oji 

(cnjeifelnb) 

Sat)cn fd)lagt mein ^er.j nic^t n^eniger bang . . . 3ciö 
toitl bir fagen, U)ie e§ ftef)t: ©eftern aöenb f)at er t)or 
mir gefniet, toie id) ror bir fnie, unb gefagt: ^ofi, 
fomm in biefer Stunbe — in biefer gefunbe noc^, toeil 
er bic^ frein)illig boc^ nie ^ergibt. Unb icf) i)aht gebebt 
unb gejittert unb gerungen — unb bin geblieben . . . 
?lid^t ettoa, n}eil mid^ bie ^ßflid^t I)ielt/ fonbern il^r 
Sd^emen — ba^ graue ©efpenft, ba^ loie Sunft über 
bem furchtbaren , nie gefd^auten 2lnttife liegt . . . 3<^ 
I)abc mir Sebenfjeit auSgebeten — tiierunbjtoanjig 
Stunben (matt), bie f^nb je^t t)erftricf)en. 



120 a}ierter Sl!t 



StttQ 

S)u I)Qft tt)m olfo nod^ md)t gefdjrieben? 

3ofi 

®rna 
©0 \ä)xdht U)m t)eute: bo^ bir bie 5ßflicl^t beftel)lt, 
ba Qu§äu{)arren, tDO bu e§ gelobt l^aft. 

Soft 
(bie ©^trefter onftarrenb) 
®a§ fann id^ md)t! 

@rna 
S)ann fann id^ bir eben ntd)t fielfen . . . SBenn nidit 
einmal bie 5|}flirf)t . . . 

Sofi 

(tüteber fd)lud^5enb) 

WWr WWl - S)a§ ift, al§ tüenn mid) ein Slip 
brüdte ... 3^ feud)e unter il^m, id^ fd^leppe il^n tt)ie 
eine furd)tbare öaft — nnb bred)e bod^ nid)t äufammen . . . 
(^te §änbe ringenb.) 2ld^, ©ma, bu l^aft ja red)t! (9^ad) 
einer ^aufe für fid).) Sßer fal) je bie ^fixdjt löd^eln ? . . . 
Söenn tt)ir un§ freuen, bann jünbigen tüir — unb tüenn 
tt)ir un§ blutig lafteien, bann tun tüir nur unfre 5)}flid^t . . . 
e§ ift \o törid)t! . . . 

^ ®rna 

5tber eS ift nun mal fo. Söenn mir O^rauen am 
93eftet)enben rütteln tnollten, tüer l)älf§ nod) . . . ? ©d)reib, 
Soft! 

»ofi 

Sd^ tann nid^t ! . . . ^ä) ben!e aud) nur immer an 
midt) unb foH bod) nur an if)n beulen. 2öa§ tut er ? . . . 
Söie erträgt er'^? ®r l)at mid^ ja audE) fo lieb! 



2}iertev Slft 121 



Grna 
Qx ift ein SJJtann. 

Soft 
(leibenf^aftlti^) 
9Iber er liebt miä:}\ 

ßrna 
Siebet Rinb, bei DJfönnern ift ba§ nie ]o jcf)Iimm . . . 
Sr ift eben ein D3tann , unb ba^ fagt leiber alle§. ©ie 
l^aben l^unbert Siebeteien Ij'mitx ]\(i) unb mQ(^en bei ber 
l^unbertunbeinten ben anbern unb Dielleid^t and) fid^ tpeiß, 
ba^ e§ it)re erfte Siebe trar . . . 

Sofi 
Stber trenn id^ nun feine tuirflid^e, erfte grofee Siebe 
tüar? — ®r {)at'ö mir gefcbu^oren, unb idj glaube if)m . . . 
(^umöf.) ^i} tt)uBte ja aucf) nicf)t, ira§ Siebe n?ar, t)or= 
t)er . . . 

ßrna 
3n fo tr?a§ fteigeift bu bid) mit ©emalt je^t f)inein. 

3öfi 
Slber id^ liebe i^n — liebe if)n — unb trerbe xi)r\ 
etüig lieben! . . . (9)lurrenb.) ^i) tüeiß nic^t, ob e§ nid^t 
eine öiel größere ©ünbe ift, trenn man ben geliebteften 
a}IenfdE)en in bie troftlofe 2Büfte fcf)icft unb ftd^ felbft 
mieber in§ 3od^ fpannt bei einem gel^a^ten OJlann . . . 

G,rna 

(}\d^ lierab&eugenb) 
®ann tt)iK id^ bir nod) thva^^ feigen. — SBarft bu 
geftern mit bem 931ori banongegangen — bie ©ünbe 
bliebe fid^ ganj gteid] I — aber xäj batte mir bod^ tnenig= 



122 Vierter 2l!t 



[ten§ fagen fönnen: beine ©ditüefter folgte bem, n)a§ 
tüixIüdE) ftärler toax . . . 2lber bu bift geblieben, bu tüei^t 
nodö I)eute m(f)t, ob bu geJ)en fodft... (grcunbii^^ernft.) 
3a, Hebe ^ofi, bann ift bein ©efül^l eben nid^t ftatf 
genug ! 

Soft 
2lber e§ ift ftatt — mein ftärffte§! 

®rna 
Unb bu bift xi)m bocf) nid^t gefolgt. 

Soft 

(nad^ einer ^aufe be§ 9^ad^ben!en§) 

®a§ ift n)of)t n)Q{)t . . . $lber t)ieaeid&t ftimmt fo 
etit)Q§ nur auf bid). ^ä) bin anber§, id) bin toeid^, unb 
taufenb Heine ^äben fnüpfen ntid), bis ber Dttan fie 
ptö^Iid^ mit einem 9iude jerrei^t . . . 

(grna 
Slber bief er Drf an f ommt tbtn niäjt, lommt nie ! S)u 
gibft mir ba^ fd^on inbire!t ju . . . Unb ba§ ift für eud^ 
beibe gut . . . Sßenn bu je^t mit bem 2Jlori baöonge{)ft, 
mad^ft bu il^n tobungtüdlid^. S)u tnirft etoig in ber 
a3ergangen{)eit n)eiterleben , bie bod) für bid) bann t)er= 
funfen ift. S)u tüirft i^m naditräglid^ bie fogenannte 
fjreifieit nid)t bauten — bu ganj gemi^ nid^t ! . . . Unb 
er? — S)enfe ruf)ig an if)n! 

3ofi 
3Jleinft bu? . . . 2ltterbing§, tt)enn id^ tl^n unglücflid^ 
mad)te — tobunglüdlid^ . . . 

Srna 
S)u mad^ft xijn ganj fidler unglüdlid) ! . . . ©ag, n)a§ 



aSierter 3ltt 123 



bu toiDft — abix ^eutc finb beine ©efül^te nod^ lenftiat 
— Qud) feine. 

Soft 

(tierjroeifclt) 
?Jein, ®Tna, nein ! . . . (Sc^rcer atmenb.) ®q§ ift e§ boci^ 
nid^t . . . SBenn tc^ nur tüüfete , wo für unfereinen bie 
5Pf(ici)t liegt — rüdtnärt^ ober l)ortr)ört§! 

ffirna 
2)u tDeifet e§ ]d[)on. 

Soft 

(fopffc^üttelnb) 

^d) f)Qbe um ben Crlan geflef)!, um baö Söunber — 

unb tc^ fül)(e nur einen füf)Ien, fül)len §aud) . . . Unb 

ba§ Sebcn liegt n)ieber t)or mir n)ie ein einjiger grauer, 

enblofer Sag . . . ?lIfo bog n)Qre bQ§ Snbe? 

iSrna 
(liebecotl) 
9lein, ^oft/ ganj getrife nid^t! 2luf Siegen folgt 
immer einmal ©onnenfcf)ein in biefer SBett . . . (2)cr 
Sd^raefter hm ^opf fireic^einb.) Unb toeun bu um ein Söunber 
geflef)t i)aft — ba§ SBunber ift ha . . . (8ic^ tief su i^r 
beugenb — gang leife.) 2)u gef)ft nid^t — bu gel)ft nie . . . 

Sofi . 
2)a§ l^ab' id^ nid^t gefagt! 

@rna 
Slber bu fül)tft fo . . . Unb nun ben! audf) nod^ an 
beinen alten SBater! 



124 Vierter 2tft 



(!opffd:.ütteInb) 
Sr ift |o alt unb toax immer fo t)Qtt gegen mid). 
3c^ fa]^ if)n aud^ fett fünf Satiren laum. 

®rna 
(ernft) 
S)ann ben! tr)entgften§ on beine (S(f)tt)efter f)ter! — 
2Btr ftnb ©ott fei San! über ben Serg. 3lber id) tüill 
bir el^rlid) fagen : id^ I)ätte beine S^al^nenflud^t ni(f)t au§« 
gel^alten ! . . . Unb, nid^t tral^r, ei)e bu midE) innerlid) 
unb äufeerüd) befcf)mubt unb bamit töteft, opferft bu 
lieber einen fd^önen — fd£)önen S^raum? 

3ofi 
(bumpf) 
3fd6 opfere mid^ felbft. 

grna 
(ergebt fid^, bie Sd^raefter jögemb mit) 
3lun fe^ bidö l^in unb fd^reib il^m! 

3ofi 
(matt läd^elnb) 
Sq^ mir S^tt bi§ morgen ! . . . 3itf) toeife bod^ nid)t . . . 

®rna 
?lein, liebet ßinb — tüenn bu für ben SJlann Qud) 
nur ein 2Itom ®efüf)l nod^ {)Qft lä^t bu it)n nid^t tnarten 
unb tuft gleid), lt)a§ bu mu^t. 

Soft 

(langfam) 
®rna, id) tt)ei| bod) nidöt . . . 



qSierter 2(ft 125 



ßrna 
(ber 3c^inef:er Sinn ne^tnenb) 
ßomm nur! — (güf)n fie gum Bc^reibtifc^. 3ofx nimmt 
eine geber unb ftarxt in§ Seerc . . . 2;ann ic^reibt fie, einem plö^- 
liefen ©ntfc^Iuffe folgenb, ein paar SBorte mit ^uiammengepreBten 
Sippen. (£xna, fic^ auf t>en Srief beugenb.) Um ©otteö tnillen 1 
„§err von SWori, ic^ bitt 3f)rer nic^t irürbig — ic^ i)abt 
mit :3^nßn gefpielt — tc^ f)a6e Sie nie geliebt." 

3ofi 

(bumpf) 
fir foH irenigftenö ba§> Scf)Iec^te[te Don mir benfen! 

Srna 
U'u^ig) 
darauf jcf)ieBt er ficf) einfach tot. 

xjoji 
(aittemb) 
®u, Stna — ic^ tDürbe trafinfxnnig in bem 3Jloment . . . 

Srna 
(nad) einer $auie, mütterlich) 
Schreib, tote icf) bir jacje: „Cieber greunb. tjerjei^en 
©ie mir — id^ fann hodj md)i — meine ipflic^t . . . 
SJerfuc^en Sie, mic^ nie toieberäu je^en ! . . . gine ^erä= 
licf)e Sreunbfc^Qft toerbe icf) 3f)nen biä anS (Snbe be= 
wal^ren." 

3oii 
3lber ba^ ift eine elenbe Süge — eine elenbe Süge! 

ßrna 
Siebet Äinb, er lomm.t iebenfaUg bamit am beften 
brüber tneg I . . . O-mmmt ben Srief unb fcfcreibt bie Slbreffe.) 



126 Söierter 3l!t 



Soft 
Safe il^n mir nod), ben Srief! 

ßrna 
S)Qg toare Ouälerei. S)u äertei^t ein S)u^enb Sogen 
unb fd^reibfl bod^ jule^t ben erften, unglaublidien Srief. 
(Sd^liegt ba^ ^utjert hu Sc^rcefter um hx^ %a\ü^ faffcnb unb an 
fxd^ brücfenb.) 9iun gel^ i}nb]äj jur ?Ru{)e ! . . . 5xi^ l^at 
feine Sll)nung. Slßir falzten übrigen^ erft morgen um elf. 
{3ofi roenbet langfam ben ^opf cib.) Dber foll id^ lieber bei 
bir bleiben? (3ofx ftögt fte weg.) ©eine ®d)tr)efter? 

3ofi 

(auffte^enb — mit ®fel) 
©el^! geV. 3)u ^aft tüQg bu toittft, aber gef)! 

@rnö 
(einen Spi^enfd^al umne^menb) 
Äteine liebe, törid^te Sofi . . . ©d^lafe red^t tool^t! 

Sofi 
<bie Qbgercanbt bageftanben l)at, o^ne ju antworten, eilt ber 
@c^n)efter plö^lic^ gut Sure nac^, fo baB iii^ oerrounbert fte^en hUibt) 
Su . . . toenn i^m ettoag paffiert — bu, id^ fage bir 
— id^ fage bir . . . (^Jlö^lic^ tjeräditUc^.) ©e^ ! — 



ßrfte ß^enc 

©inige Ferren ber ^abegefettfc^aft, barunter ber 6:^ et) alter, t)on 
^aforo, S)lort. ©päter 9le{)ring!, SD^e^rum. (©roger (Salon 
im §otel — Heine elegante §errengefeHfc^aft. ©inige in (Gruppen 
am 2:ifd^ ©carte fpielenb, anbre plaubernb. G:f)eoalier mit oon 
^afora promenieren 5Irm in 2lrm.) 

t)on 6rin 

§eute tüoßen lüir aber mal bic großen ©(f)iefeer l^od^= 
net)menl 

t)on S)afotx) 

SBenn fte fid) man l)od^nel)men loffen ! . . . ^d) traue 
bem ©ditrinbel nid^t, id) pinjere . . . 2Ba§ tüoHen ©ie, 
6I)et)aIier? — S)em SRelirtng ift e§ ganj gleidigüttig, 
tDa§ er verliert — Safd^e tioU ©e(b — bie ßeute fd)tefeen 
[id^ immer tüteber gro^ 'rau§! . . . Unb ber ba'? (5(uf 
SDlori jeigenb, ber abgercenbet am Büfett le^nt unb an einem 

haften fnipft.) güentuett gattä böfer ^tmxl . . . 

t)on 6rin 
(oertraulic^ üatfd^enb) 
®er baV. (^ur^ aufia^enb.) (S(l)trerli(f) ! ßrone ge= 
brod^en — feit geftern poftttD abgefegt — td) t)erfid^ere 

©ie, pofitit) ! . . . C^ie §anb an be§ anbem €l)X ^altenb.) ©anj 

unter un§ Jungfern! — 9JleI)rum§ reifen morgen. ®er 
Steuer padte t)or{)in ben ®en)e]^r!offer. Untrüglid^eS 
Seid^en! . . . Slber gauj entre na nous uatürlidE)! 



128 Söierter 2lft 



(ftef)en bleibenb) 

2)a§ enbet aber fel)r programmäßig! . . . Qd^ l^atte 
auf fo 'n Meinen großen £rad) gehofft ... So tff§ ieben= 
faa§ beffer ... (®ieirf)güitig.) S)ann fommt S^r SJetter 
natürlid^ I)eute nid^t? 

t)on ®rtn 
Stuf feinen ^aU ! 

t)on ©afotr) 
®r toar Qud^ nie ein befonber§ banfen§tnette§ Dbjelt 
für groben 2lnfcl^nß — fpielt mir ju toafinfinnig t)or« 
fid^tig . . . (®i^ umfeiienb.) 2Ö0 bleibt benn aber eigent= 
üä) ber 5Pferbegraf, ber ben ©pielabenb bod^ fo quafi 
arrangiert I)at? 

t)on 6rin 

(ijämifd)) 

®a§ lönnen toir ja bei feinem SSufenfrennbe erfatjren. 
((Selben f)m. SDlori, übet ben ^ifd^ gebeugt, fnipft roieber ge* 
ban!enlo§.) . 

t)on ®rin 
a3eräeil)nng, §err t)on 5Dlori — fommt JJreb Jlel^ringl 
beute nid()t? 

ajlori 

(ol^ne ftd^ aufjurid^ten) 



SBeiß nic^t. 

t)on S)afon) 

(auf t>en haften jeigenb) 

2öof)t ^n ^Piftolenfaften? 

DJlori 
(ben haften öffnenb) 
Söffet. 



Vierter 2llt 129 



ton Safotr 

(roi^elnb) 

^d) bndEjte, Sie trollten trgenbeinen abj(i)ie^en . . . 
m^ i^n moxi anfielt raic^.) Jiatürlid^ im ^tU. 

aJlori 

(bie Slc^feln jucfenb) 

SBen? Qd^ t)erfte^e ben 2QSi^ nid^t . . . 9lber tüenn 

Sie fi(f) für bie S)ueIlpifto(en fo interejfieren, tüenben Sie 

fxd^ an 3ief)ringf, ber reift ftet§ mit einem 5Jifto[en!aften. 

(9fiu{)ig.) ®g voax n)enigften§ früher feine ^Dtarotte . . . 

(8ic^ langfam nad) ber ^ür ju ixjenbenb.) S)a ift er Übrigen^ 
f d^on ! 

3^et)ringf 
(eintretenb unb fic^ gleich umitjenbenb) 
kommen Sie nur f)erein, 9J{e{)rum! ®§ ^ilft Sf)nen 
nicf)tö . . . Slu^erbem beißt f)ier niemanb. 

t)on 9Jlef)rum 

(bla^, gögernb, läc^elnb) 

©ut'n Slbenb, meine Ferren! . . . ^d) fomme aller= 
bingg etn)a§ unfreitt)illig — id^ tt)oIIte mir bie 39ranbung 
brüben noc^ ettDa§ anfe^en — aber 3let)ringf, ber mic^ 
anfällig traf . . . 

non ®rin 

(burrf) ben 3aal rufenb) 
?lun fann ba§ ©eftf)äft ja lo^ge^en ! . . . Dber, neue 
ßarten ! 

t)on Safon) 
Slber feine au§ bem filub ber §armIofen! (©eiäc^ter. 
3nbe§ gel^t 9J^e§rum unb begrübt bk einzelnen öerren.) 

Soft 9 



130 aSierter 2llt 



(oB er SDlori erblidft, ber fid) langfam aufgeridE)tet l^at, ftu^t, geijl 
bann aber rafc^ auf tl)n gu. Brüden fid) bie §änbe.) 

3l{), aud) ®ie? - ©uten Slbenb. 

DJlori 
©Uten 2lbenb. (^ie Ferren treten sunt ^ifc^, inbel ber 
Kellner bie harten bringt. — ^oxl gufäUig neben SJ^e^rum, jiel^t 
fein 3i9ö^^enetui l)erau§, nimmt langfam eine S^Ö^i^^e. 2tl§ er 
ba§ ©tut roieber fc^lie^en mU.) ^axboxi — td) öerga^ . . . 
(SDhl^rum ba§> ®tm l)in]^altenb.) 

Don 3JleI)Tum 
«aftig) 
?lein, id^ ban!e tnirtlicf)! — Set)r lieben^trürbig, aber 
td) banfe tüirfttd)! 

t)on ®ajotü 
(ber jugefel^en) 
SBitl tüol)! tiid^t Tnel)r fd)meden, SJlel^tum? 

moxi 
&R^l|xnm mit einem fd^arfen, lurjen S3ltcf fijierenb — !ü^l) 
©attä tüu ©ie tüotten. 

t)on 23t el^ tum 

(fid) smingenb) 

Slber, lieber 3)tott, td) bitte ©ie! ... (3« t)on ^aforo 
fid^ menbenb.) S)er Sltät I)Qt mir nätttlid^ feit l^eute ^m^ 
portett ftreng t)erboten. (Säd^elnb auf bie S3ruft tippenb.) ^erj ! 

t)ott ©afotü 
(luftig) 
©d^eint itt ber S^at fo, lieber SJle^rum! (^ie Ferren 
fe^en fic^ ober ftel^en. ®er ©^eüalier nimmt hk f8ant) 



Vierter 2llt 131 



t)on Srin 
(ein Spiel harten mifd^enb) 
2lIio Sempel? — 3^^^^ ^ttt)Q§ veraltet — aber ha^ 
jd^ab't mici)t! . . . Sttjo bitte 311 fe^en! . . . Düd^t ju 309= 
i)a% meine fetten! 

t)on Sajott) 
(einen Sd^ein fe^enb) 
SBIattfd^ufe auf ben S^eöalier! . . . ®a§ fann bod) 
nid^t ]0 f(^tt)er fein . . . (3ie fpielen. Tlan prt ba§ klingen 
be§ @elbe§.) 

t)on ®rin 
(plö^Iid^ nert)ö§) 
S)ame tüieber für ©ie! 

aTiori 

(ru^ig) 

^äj taffc ftet)en. 

öon Srin 

(ärgerlich 

9tatürlidt) trieber 2)ame für Sie! . . . 2Biet)iel Samen 
finb benn eigentlich brin ? (2)^ef)rum fie^t SD^ori fc^eu an.) 

3[Jlori 

(gleichgültig) 

öaffe nod^mat ftet)en. 

t)on grin 

(rcütenb) 

9iatürlid^ trieber! . . . Sraud^e f(^on gar nicf)t metjr 
a6äUäief)en . . . (©inen (Sd^iuc! trinfenb, giftig.) Uebrigen§, 
ba| Sie ein ebenfo foIof|ate§ ®lüi im Spiel n)ie in 

ber ßiebe fjaben . . . (9}^el)rum§ §anb gittert leicl)t.) 



132 Vierter 2llt 



3Jtori 
(matt läd^elnb) 
©te müj'fen'§ ja tüiffen! . . . Oiu^ig.) Uebrigen^ tier« 
ftet)e id) 3i{)re äöt^e nod^ immer nid)t. 

Dberfellner 

(ber fd^on eine 2Beile l)inter S^lori geftanben, fid) ^erabbeugenb, 

leife) 

S)rau^en tvaxttt jemanb, ber §errn 33aron perfönlid^ 
fpred^en toiH. 

3Jtori 

ßomme fofort . . . (^uffteiienb.) 23eräeif)ung , meine 
§erren! . . . (®e^t. Tle^xnm fie^t i^m nad).) 

?let)ring! 
ßI)et)aUer, bie Sandte gel^t bei 3I)nen -merimürbig 
rafd) 'runter! ©ie ^aitn nod^ immer nid^t gelernt, mit 
Slnftanb JU Verlieren . . . ($einltd)e $aufe, wo ber e;^eöalter 
burd^ bie Qä^m pfeift unb in ber ^affe mit ben gingern fpielt, 
^yie^ringf gieid)mütig.) 2Ö0 Wegen Sie eigenttid^ bie un= 
finnigen 95emer!ungen jur rediten Qdt immer I)er? 

t)on ®rin 

(p^nifd)) 
5lu§ ber Öuft tna^rfd^einlid)! 

Jte^ring! 
(fura auflädt enb) 

3Iu§ einem teeren SRanme alfo ! 

a)lori 

(tritt ein, faft fd^wanfenb , eimn S3rief in ber §anb, auf hm er 

ftarrt. Slud^ bie (Spieler feigen auf il)n. ®r bleibt mitten auf ber 

©jene fte^en) 



»terter 9l!t 133 



t)on S)afott) 
(leife) 
2)a§ grofee So§ fd^einf § auä) nid^t ju fein. 

3t e f) r i n g f 
(nod^ einem langen ^licf auf 9}^on — eigentümlid^ i)axt) 
9ietn, ba^ gro^e ßo5 traljr j(i)etnlid^ nid^t ! . . . UebrigenS, 
ßl^eüalier — n)a§ Sie ba Dorf)tn jagten — id^ fjab'g mir 
je^t überlegt: SJlein O^reunb 3Jlori ^at tnol)! aHerbing^ 
grofee§ ®Iücf bei grauen — (mit 9fiac^bruc!) aber nur bei 
fjrauen . . . (9)^e^rum§ ginger fpielen auf ber 3:ifc^platte — er 
lächelt, ^ie anbern fe^en fic^ an. 9^e^ringf laut:) §at bir bein 
8iebdE)en abgefd^rieben ? 

DKori 

(äufammen^ucfenb, fie^t fid^ wie roirr um. ^ie §erren lad^en oer* 
legen. 2)^e^rum lächelt ftärter, bie gänbe vibrieren. Wloxx fnittert 
bcn Sricf jufammen unb ftecft i^n in bie Jörufttafd^e . . . ©igen* 
tümlic^ leife) 
ßeKner! einen ß^artreufe — grün! . . . (äßä^renb ber 
Kellner mit ber glafc^e fommt, ge^t er auf unb ab, trinft bann.) 
9tOd^ einen ! (2:rinft mieber.) 3tod^ einen ! . . . (Schüttelt fid^.) 

©o! . . . (3u ben Ferren.) SBaS id^ fagen tüoHte: Saufenb 
auf bie 9teun ! . . . 

Gin ige Stimmen 
S)onner(^en ja! 

t)on ®rin 
3lel)me id) nid^t an . . . ®o t)ie( ®elb ^abe id^ gar nid^t 
bei mir. 

gjiori 

(nä^ertretenb) 

S)Qnn bejal^ten Sie mit Song. (Si^eräd^tii^.) Qrgenbeinen 
Söifdf) 5ßapier . . . ®§ ift ja ganj gleid^gültig ! 



134 aSierter 2llt 



?lef)rtngl 

(sufammenfal)renb) 
914) fo ! . . . (©d^ersenb.) ©o 'n ^infd^erjeu t)ertrage id^ 
nämltd) nid^t auf bie Sauer, meine §erren. 

t)on ©afotö 
Saun nel^men ©ie bie San! bod), §err i:)on 3Dfioxi! . . . 
SBenn tnir bie braunen Sappen in ber 33anl fef)en, !ommen 
bie ©ä^e j(f)on gauj aHein . . . 

ajtori 
SBenn bie Ferren tüünfdien, gett)i§. (©e^t m. SBö^renb 
er mit nertiöfer §anb bie S5rieftafd)e l^erau^giel^t, fäHt ber S3rief 
x)on t)or5itt mit l^erau§. SD^an fiel)t bie ©(ftrift. ©tedft xi^n mieber 
ein. ®a§ ©piel beginnt. Tl^^xum, o^ne §u fefeen, läd^elt je^t 
eigentümlid^. SJlori sielet ah, ol^ne red)t l^injufel^en. ®r tuf§ fo 
unorbentUd), ba^ einmal groei harten auf biefelbe Seite fallen.) 

t)on ®rin 
S)ie§mal geljört aber bie S)ame auf bie anbre Seite! . . 
©(f)tägt augnat)m§tt}eife für mid). 

2Jlori 
aSer^eil^ung ! . . . (QW t^eiter ah,) 

9ie]^ring! 
(tt)ie im ©elbftgefpräd^) 
5Peitfd&e! 

(auffel^enb, bemer!t ben proüogierenb läd^elnben SJlel^rum) 
SBa§ Iäd)eln Sie eigentlid)? 



2}ierter 2lft 13c 



Don 3RtijXum 

(leife) 
^ä) ]e{)e nur, toit ®te bie ßarten a6jtef)en . . . (SJlori 
jucft hU 2ld)feln unb jie^t treuer ab.) 

9ieiten ! (Einige fe^en ben ©rafen öerrounbert an.) 

aJlori 
(mit Slbjie^cn ein^oltenb, Reifer, ftocfenb ju 20le()rum) 
2öa§ tädietn Sie tDieber fo? (Stärker.) Söarum Icic^elu 
Sie trieber jo. §eiT t)on -IKe^rum? (fiegt bie harten auf 
hen ^ifc^; milb, roät)renb 3}ief)rum immer proöojierenber lächelt.) 
2öaS f)Qben Sie eigentüd^ ju (acfieln? — Sie! — So 
albern — fo btöbfinnig? 

Don ille{)rum 
So jie^t fein ©entteman bie ßarte ab ! (Tloxi fie^t i^n 
einen 2(ugenblicf fpra^Io§ an.) 

Sinicje Stimmen 
3l6er meine Ferren, um ©otte§ toillen! . . . Sinb Sie 
benn ganj be§ 2eufel§, SD^e^rum ? (SJle^rum ftef)t auf, auc^ 
tk anbern fpringen auf. ©emurmel.) 

9t e ^ r i n g f 
9tu^e, tüznn ii) bitten barf! — S)a§ (e^te SBort trar: 
So jief)t fein ©entleman bie ^arte ah. 

3Jiori 
(langfam auffte^enb, nimmt bie ^arte, mac^t eine SBcroegung, al§ 
rcenn er bamit SDIe^rum in§ (Befielt fc^lagen wollte, Reifer) 
^aV \d) ba§ nocf) nötig? 



136 Vierter %tt 



t)on S!Jtet)tum 

(jurütfttjeid^enb, no(^ immer läd^elnb, leife) 
D nein . . . (2)ie ©efellfd^aft trennt fid^ fd^eu, oE)ne ©rüg. 
3^el^ring! unb S}lori bleifen.) 

Slel^rtng! 
(bem (£E)ei3alter nad)rufenb) 
§err öon ®rin, in einer t)alben ©tunbe ftel^e id) ju 
Ql^rer 95erfügnng. 

bon Srin 
(förmlid^) 

Sitte fe^r, §err ©raf . . . 



3it)eite ßgene 

SJlori. 9'lel)ringf. (S?lort unb 9^e^ring! aUetn. ^elt)en erft 
fd^raetgenb auf unb ah) 

91el)ring! 
S)ir ift e§ boä) xed)t? . . . 

DJtori 
(untcrbred^enb) 
ajtir ift Qlle§ redit. 

9lel)ring! 
Sltfo ber 6f)ei:)alier tt)irb tr)ot)l bie gotberung über= 
bringen . . . 3d) ben!e, tt)ir mad&en'§ rafd^ ab. Um ®£)ren* 
gerid)te nnb fo tüeiter l^aben tt)ir nn§ ja l)ter nid)t ju 
lümmern. 0fla6) ber u^r fei)enb.) SBir l^aben ja nod) nid)t 
elf . . . SI)r lönnt eud^ meiner 2lnfid)t nad^ fd^on morgen 
frül^ nm fünf fnipfen ... 3n ben S)ünen, ben!e id^ . . . 



Vierter 2l!t 137 



tro bie te^te ©ej(f)t{f)te and) t)or fid) ging . . . @5 ift ja 
alteö ba, 

aJlori 
3Jlir ift Qlle§ redf)!. 

9i e ]^ r i n g f 
(ftel^en bleib cnb) 

3[Q, lieber §Qnn§ 3)^QTia, bu bift mir aber für einen 
fat)ori[terten SueHanten nod^ ju nert)ö^ • . • 3^) ^abe in 
meinem §oteI fo 'n ßerl, fo 'n 9Jki]ageprofe|)eur. {?ür 'n 
blauen Sappen mxb fid) ber n)of)I mal bereit finben laffen, 
um brei Ut)r morgen§ aufjuftel)cn — maffiert bid^ . . . ®r 
maffiert nninberbar! . . . Unb mit ben übtid)en ei^falten 
©ufd^en {)inter]^er irerben tt)ir bie 5).Hftotenl)anb fdion" 
ruf)ig friegen. 

gjiori 

Sq, ja . . . 

5i e 1} r i n g f 
(ben ©e^cnben ouf^allenb, bie §änbe auf feiner ©c^ulter. ernft) 

§ann§ 93laria Sbler t)on DJlori, tu mir ben perfön= 
lid)en ©ef allen: ©c^neib bei ber ©ad^e! . . . ffiö gibt nun 
einmal ©diictfale, bie fid^ nur über 9}ifier unb ßorn 
einer ©ucllpiftole entfd^eiben laffen — bein§ lie^ fid), 
glaube id), t)on Slnfang an nid)t anber§ entfd)eiben . . . 
(halblaut unb rvaxm.) S)u — id) I)abe bie @adt)e l^eut ge= 
mad)t, ben ßerl, ben 3[Jlel)rum, eingefangen — e§ ift ge- 
mein, f)unb§gemein ! — unb bann f)abe id) f§, f§ ge» 
maäji, bi§ il^r eud^ padtet — ha^ ift etmaS, n)ofür 
mid^ fogar ba^ ©trafgefepuc^ belangen fann . . . ®u 
(gans leife), al§ bu mit bem Srief jurüdfamft, bu tüu^teft 
fidf)er überf)aupt nidit, n:)a§ bu tatft ober iro bu tüarft, 
ba tDU^te id^ ftatt beiner im 3)ioment: aut ober knaut... 



138 ajterter 3tft 



lieber eine Seid)e muß e5 gelten . . . öann^, ]o ]d}tn^liä^ 
e§ fUngt: ftrecfe ben ßert! . . . Sr ift eine 3tull in jeber 
Sejtel^ung — unb wo eine ?lu[I ätüifd^en mir unb meinem 
SebenSglüd fielet, ba ftreidie id) fie eben au§. 

5mori 
(ftd^ b§mac^enb unb raeiterge^enb) 
SBerjeil^ung . . . id^ ^abe nidit orbentlic^ l5inget)i3rt . . . 
^d) toeiß, baß bu e§ ftet§ fo gut mit mir gemeint l^aft 
n)ie feiner . . . 3lber (fte^en bletbenb unb ror fid^ ^in lacbenb) 
f)a, f)a... Sag Seben i[t eine furchtbare ßomöbie — ii^ 
]^ab'§ fatt! . . . (SBeiterge^enb.) ^d^ tpill bir el^rlid^ fagen: 
^ä) l^abe etgentlid^ nid^tö gegen ben ^ert, ben 931e^rum — 
eigentlidf) nid&t§ — ab|o(ut nid)t§ ! . . . ®^ mar ein täd^er= 
lid^er 3ufcitt, ]ni ben bu gar nid^t§ fonnteft . . . 2Barum 
mu^te ber ßert läd^etn — fo [äc^e[n? — Sga( mer — 
ic^ tDar in ber Stimmung, um jeben nieberjufd^tagen, 
ber fo ju läd^eln toagte . . . jeben ! . . . ?lun tat er'S 3U= 
faüig ... 3^ ^^6e mid^ fogar ä^fammengenommen — 
grabe bei bem — (Stefjen bieibenb.) ^ij moKte nid^t — 
unb id^ mu^te bod)! . . . (23eiterge^enb, la^enb.) SBenu bu 
a^nteft, lüaS bie Sßeiber für ein elenbe^, feiges ®e= 
finbel ftnb! 

DU^ringf 
S)a§ f agft bu je^t I . . . o^u^ig.) Unfre angetraute fyrau 
ift eben unfre Sffanin: ha^ erflärt manches . . . (®rnft.) 
3m übrigen ^abe id^ bid^ \a immer gefragt: 3ft fie'S 
auc^ tnert? 

ajlori 

(fte^en bieibenb) 
3ft fie'5 aud^ tnert? (2ßeiterge^enb.) 



9}terter 3lft 139 



9t e ]^ r t n g I 
(vernünftig) 
2)ann madf)en tt)ir eben bie Sad&e anber^. 3^^ tt)erbc 
mit bem g^eüalier öerftänbtg fprec^en nad^fier. ®in i)albe§ 
Su^enb S(^üfje in bie Suft, t)ielleic^t ein fleiner ßra^er 
an ber Schulter ober |o . . . OJ^u^ig.) ®urer gl^re ijt barnit 
Döüig genuggetan — in allem ®tnft! 

5Dtori 
(nad) einer 2Beile fteE)en bleibenb, eifig) 
92ein, mein öieber! — ^d) fenne tool^l bie 5eigf)eit 
ber Dtertien, aber, ©ott ]ei 3)an!, nic^t bie ^eigl^eit be§ 
^erjen^ . . . i^ait.) ^c^ erjud^e hid) I)iermit offiäiell: 
©cf)arffte Sebingungen — ßugetoed^fet bi§ jur t)öttigen 
ßampfunfdfjigfeit . . . ^d^ tüerbe bir feine S(^anbe madjen. 
DJtorgen frü6 um fünf l)ot mid^ ah. ^ä) tüerbe abfolut 
ruf)ig fein — auc^ of)ne 2)ufd^e unb SUlaffage. 

yitijx in ql 

(Sögernb) 
2Bie bu baö fagft — ba§ gefällt mir gar nid)t, 

aJlori 

(auf iE)n jutretenb unb i^m bie §anb brücfenb) 
Cieber O^reunb. 2öir ^aben mani^e S^or^eit äufammen 
begangen — öilf bu mir aud^ bei biefer legten ! . . . 2öa§ 
auc^ fommt, id^ banle bir öon ^erjen für alle§. £)h er 
ober ic^ falle — ic^ t?erfidf)ere bir, bu l)aft bem ©d^idCfal 
nic^t ins ^anbraert gepfufc^t . . . 2llter greb . . . (9^e^ring! 
mac^t eine abroef)renbe SJeraegung.) 2ßie e§ lam — fo toar'S 
gut — fe^r gut! . . . ^d^ toeiß je^t genau, maS id^ ju 
tun l)abe . . . Unb tnaS bu t)ort)in fagteft : S(f)lieBlid^ ift 
fte ba§ audE) merti 



140 SBierter 2llt 



51 erring! 
S)a§ leitete freut micf). ®enn bann n}trft bu morgen 
genau tüiffen, tnofiin bn ju Italien l^aft. — S5u fd^iefet 
mit ruljiger ^anb pliänomenal. 

ajtori 
(leife) 
S)u tüirft ja fe^en . . . 



fünfter mt 

Srfte Sjene 

Soft. (Salon t)on 2)^e^rum§. §albbunfel. 91ur über bem Schreib* 
tifc^ eleftnfc^e§ Sic^t. 3oft auf bem Sofa fc^lummernb.) 

(unruhig fc^lummernb) 
?letn . . . nein . . . nein ! . . . ^d) reife nic^t — ganj 
gett)iB nid^t . . . §Qnn3 . . . rjUufroac^cnb , y\d) auf ba§ @ofa 
fe^enb, hm ^opf in bie öänbe geftü^t.) 2Bq§ träumt' idf) bod^? . . . 
SUiir ift fo biimm im ßopf! ... Jjcf) jaf) i^n . . . ®r ]a\) 
]o fonberbar au§ . . . (brütenb) jo fonberbar . . . Clie u^r 
fc^lägt.) 2tcf)t? . . . (Schüttelt ben ^opf.) 3{c^t U^r morgend? . . . 
^d) t)erfte[)e nic^t . . . Sie ganje D^ac^t ^ier? . . . (3tc^ be^ 
ftnncnb.) ^a, ja ! . . . ^d^ tüollte nur einen Slugenblicf bie 
?lugen jumadtien . . . 3dE) trar fo matt — fo matt . . . 
2Ba^ tüai bodf) eigentticf) . . . O^Iö^lic^ bie §änbe oor^ @e- 
fic^t preffenb, bm ^opf auf bie Sofale^ne tieigenb.) £) ©Ott — 
©Ott — ©Ott . . . 9lur nic^t benfen . . . nur nid^t 
beulen I . . . (Si^ bleibt eine 2Beile fo liegen, ^rau^en beginnen 
©locfen SU läuten.) g§ ift ©ouutag ^eut . . . ^d^ Xütx^ e^ 
n)0^t . . . (3ic^ langfam aufric^tenb.) ^d^ follte aud^ jur ßird^e 
gel^n unb beten: §err, erbarme bic^ meiner ©ünben!... 
(^opffc^ütteinb.) 3ltxn, i(f) mag ntd)t gef)en . . . 3cf) fönnt'^ 
anäj n)o^l uidEit . . . (3u anberm 2on.) 5lcf), rcarum ift e§ 
eigentlich fdfjon Sag ba brausen — f)eller Sag? . . . 3d^ 
l^öre auc^ Söögel jtoitfdiern . . . %d) , icf) graue mic^ t)or 



142 fünfter 2tft 



bem Sag . . . aßarum Hetbf§ ntd)t Jlad^t? . . . 3(^ liebe 
bie 3lad)t . . . bie 5lQd)t . . . (2iuft)orc%cnb.) S)a§ ßäuten f)at 
aufgehört . . . Slber e§ lüel^t — e§ tt)e{)t f(^arf . . . (©ans 
leife.) S)er SBtnb . . . ber «Sturm . . . (^lö^Ud^ aufftelienb, ge^t 
fie ju einem Üeinen ^rugifii' auf bem @d)reibttfd) , nimmt e§ unb 
!niet i)aftig nieber.) ßteber ©Ott — tc^ bin fo jünbig, unb 
ba^ Sßeten mirb mir fd^trer. (Stodeenb.) ^d^ l^abe um ein 
3ei(f)en gepelzt — bu bleibft ftumm . . . (^luf^orc^enb.) ®§ 
tDel^t ftärfer, immer ftärter . . . (^lö^Ud^ leibenfd)aftiid^.) ßa§ 
e§ bod) ©türm irerben, §err! . . . (gaft murrenb.) ©ib mir 
btn Drian! . . . («steigt langfam auf. ©el^t auf unb nieber. 
bleibt cor einem (Spiegel fielen.) ^d^ bin gar nid)t mel^r 
pbfd) . . . (meitergel)enb) gar nid^t mef)r ^übfd) . . . (Sie 
Ruftet unb fie^t auf ba§ sj:afd^entud^.) Sie alte ®efdöid)te, trenn 
id) midE) aufrege, ettraS Slut! . . . (S3ieibt fteijen.) Slut! 
(Starrt cor fid^ l)in. ^ann mad^t fie eine üeröd^tlid^e Bewegung 
unb ge{)t meiter. Sie %üx i)ffnet fid^, S)^el)rum fiel)t l^erein.) 



3tt)eite S^ene 

3^ofi. 9Jlei)rum. 

t)on SUlel^rum 

2lf), 5Parbon! . . . (2Bia mieber jurücf.) 

3o|i 
aBa§ tmttft bu? 

t)on 3Jte!^rum 
(eintretenb, fel^t bla§ unb fel^r förmlid^) 
^ä) ton^tt gar nic^t, bafe bu bereite auf bift, 3[ofi. 

3ofi 
2fd^ tt)ar gar nid)t gu Sett . . . 9Jtir ift nid^t tt)o^t. 



gfünfter 2l!t 143 



Hon 3KeI)rum 
®ar nic^t ju S3ett? 

Slber ba§ muBt bu bod) eigentlid) am beften tpiffen . . . 
(^Serrounbert.) ^a , tDarft bu benu f)eut nod)! au^erl)alb? 

t)on DJiel^rum 
3iein . . . 3d| l^afie in einem anbern Simmer neben 
93etter ßarot gejd^Iafen. SBir fiatten lang' gefpielt. ®§ 
t)QJfierte eine unangeneljme ©efdiid^te . . . 3dö nrn^te Ijeute 
morgen frül^ anf . . . Uebrigen§ l&afce id) einen Särief be§= 
toegen an bid) gef(f)idt — er mn^ anf beinem ?lad)ttifd^ 
liegen. 

3oji 
(befrembet) 
©inen ©rief? . . . SBeit \i)x t)or 5!}lorgengranen anf 
bie^agb moütet? — ®a§ ift fet)r rü(iftdf)t§Doll . . . 2l6er 
toarum fagteft bn mir ba§ ni(J)t perfönlid^? 

t)on aJtef)rnm 

(5uc!t bie Steffeln) 

3Jleine ©rünbe . . . 

3ofi 
(if)n Qttfe^enb) 
Slber bn bift ja gar ni(f)t jnr ^ao^b gen)efen . . . S)n 
bift im ©efellfd^aft^anäng — nnb fo mertoürbig über= 
I)anpt . . . im^') 2Bo fommft bn l^er? 

t)on 3Rt^xum 
3ln§ ben S)ünen. 

3ofi 
(fd^roer atmenb) 
S)u warft ba mit ßorot aMn? 



144 fünfter Sllt 



t)on aJlet)rum 
5«ein. 

»oft 
ajlit tüem nod)? 

t)on a)lef)runi 
(gögernb) 
ßict)eg Äinb . . . ®g tDaren aii^erbem ®raf 5iel^ringf . . 
(©tocft.) 

Soft 
2ßer Tiod)? 

t)on aJlei)rum 
Siebet ßinb ... (®r win il)re §anb faffen. »oft pßt 
bie TX)eg.) 

Soft 
(faft fd^reienb) 
äöer nod)? 

§err ton ajlori. 

Soft 

(fid^ rü(ftt)ärt§ an ben 2:tfd) le^nenb, bie Sin!e um bie ^^latte gekrallt) 

§ann§ t)on $0lon? 

t)on 2Jlet)rum 
SmetbtngS. 

^^x ijaU eudf) — gefd)offen . . . 

t)on 3Jlef)rum 
^ä) Bitte bid), um ®otte§ tüitten! — S)u [prid^ft 
fo laut. 

Soft 
(auf i!)n gutretenb) 
S)u I)aft t{)n erf(f)offen? 



fünfter 5lft 145 



Don 3)lef)rum 
Soft, jetbft toenn ein eif)nHd^e§ Ungtüd paffiert n)are— 
bog gauäe §otel . . . 

Soft 

(in einem f^rerflid^en Sd^luc^sen sufammenbred^enb) 
gxf(^ofien . . . if)n . . . i{)n ! . . . 

t)on 3Jtet)ruin 
©ei bocf) t)erftänbi9 , 3[o[i ! . . . Sm übrigen , einen 
fol(f)en ginbrnif . . . 2)a§ ift aöerbing^ . . . 

©ritte 6äene 

^-öorige. (£rna. 

ßtna 
(bie ^ür aufreigenb) 
2ßQ§ ift t)ier ge](J)ef)en ? (2Rel)rum mac^t eine befänftigenbe 
|>anbbenjegung unb seigt auf 3^ofi.) ^ilf fie mir QUfridE)ten ! 
((Sie tun'§. @rna 5ur Sc^rcefter gebeugt, järtlid^.) ^ofi, liebe, 
liebe ^ofi! . . . ©§ ift ein ]ä)xtdlxäjn SufoK . . . i^ofi, 
fiel^ midE) bod) an ! . . . :3ofi ! • • • ®^ ift ia nod) gar 
nidE)t tot . . . 

3ofi 
(bleibt fd^mer atmenb einen ^(ugenblicf roie gelähmt flehen. Stiegt 
bönn tfh Sc^raefter weg. 931it einer ^anbberoegung) 
§inaug ! 

Srna 
3lber ^ofi, 3fofi, meine einjige ©d^trefter! 

Sofi 

(lauter) 
§inan§! . . . ((Sxna bleibt fte^en.) 3)n tüitift ni(f)t? . . . 
(S^lad^t ein paar 8d^ritte nnd^ ber ^ür.) §inan§ ! . . . 6§ ift 
Sofx 10 



146 fünfter 9lft 



mir gana egal! — ^ä) ftürje auf ben ßorribor 'raug unb 
rufe: 3Jiörber! ~ aWörber! — tue« tt)r'§ feib! 

(Srna 
(tonlog) 
2WIerbing§ . . . (®ei)t fc^wanfenb. Sne^rum wia aurf) ge^en.) 



S)u Meibft! 



»oft 

(befel^Ienb) 



Vierte ßjene 

Soft. 9)le^rum. 
t)on 9Jlel)rum 

(!ü^l) 
Sfd^ I)abe leine 3^it ju Dertieren, Qoft ... ba id^ mid) 
ben Siöitgerid^ten [teilen mu^. — Unb e§ i[t feine§tt)eg§ 
nad) meinem ©efd^matf, l^iet tt)omögtidf) im §otel t)er= 
l^aftet ju tüerben . . . 

3ofi 

(falt) 
®u Melbft! 

t)on SÜleljrum 
Uebngen§ bie O^ormalitäten , bie jtt)if(!)en uns nod) 
gu erlebigen finb — toit iä) nad^ btefer ©jene einfel^e . . , 

3ofi 
(auf i^tt jutretenb) 
2)u benfft beStpegen t)ielt id^ bid^ l^ier? — D nein! 
— SQßer nie jufammengel^örte, ben brandet man aud^ nid^t 
ju trennen! 



fünfter Stft 147 



oon 2Jlet)tum 
^a, tDtöifüli benn fonft? 

(nac^ bem Siurm ^orc^enb) 
§örft bu? 

ton SUtel^rum 
ettDQö l^eftiger 2Binb. 

Sturm! jag' td) bir — Sturm! 

uon 2Jief)rum 
SUleiuettDegen aud^ Sturm. 

(oeräd^tlid) lä(^elnb) 
314 bu t)er[tet)ft ja nidit! 

t)on 9)lel^rum 

DJleine 3^it brängt! 

Soft 

JDteine nic^t . . . (Sangfam.) 2Ba§ bu in bem 3Qloment 
n)0f)t benfft, i[t ma^r ! . . . ((£inen Schritt nät)er.) ^d) Xoax 
feine ©eliebte . . . (^lod) einen Schritt, fo ba^ er jurücfroeic^t.) 
Sid^ tt)ar feine 2Jtaitreffe . . . (3^oc^ einen Schritt.) ;3cl^ trar 
mef)r . . . (9)le^tum weicht roieber ^urüde.) 23Iei6 bod) ftef)en ! 
— fditag mid^! — töte mid) meinetn)egen! — (§oc^.) Cg 
ift bein 31ec^t . . . {^an ^o^.) g^ ift beine 5ßfli(^t ! . . . 
(5luflac^enb.) §a ! 

Don SJle^rum 

Sag ift gräie^unggfad^e . . . Qd) ^affe ben Sfanbal — 
id) legte nie §anb an eine S^rau. 

Soft 10* 



148 fünfter 5lft 



Sofi 

(üeräd^tlic^) 

3d& glaub' fd^on . . . bu bilbeft bir tt)Q§ btauf ein ? . . . 

(©rnft.) ^Wix feigen iinS je^t jum le^tenmal. S)a tüitt id^ 

nid^t lügen . . . 6r l^at t)on mir nid)t§ gel^abt q[§ ben 

ßufe — ben ormjeligen ^u^ . . . (2)umpf.) ®afür ftarb er. 

t)on 3}tei)rum 
(ad^felsudfenb) 

©ttoag me^r ober toeniger . . . 

Soft 

S)u l^oft red)t. 3)er ©ffeft ift berjelbe. (Sangfam fort^ 
fai^renb.) S)u magft bir t)ielleid)l je^t jagen: 2Ba§ ift ba§ 
für eine fonberbare ©eliebte ! 2Barum IraEt fie ftd^ nid^t 
an mid^ feft unb t)eult unb fdjreit: öebt er, ober ift er 
tot — tDie fd^trer irar bie SBunbe? Qdt) mu^ e§ 
toiffen ! . . . (Seife.) S)a§ öeben rinnt fo rafd^, toenn man 
e§ liebt . . . (Saut.) ^d) frage bid^ nidE)t barum! — id) 
tu' e§ nid)t, icE) braud^'§ nid^t! . . . (Sangfam, leife.) ^ä) 
toerbe it)n fud^en — unb id^ tnerbe i^n finben ol^ne eud^*. . . 
CiRafi) einer ^Jaufe, roeid^.) Unb toeun id) il)n nid)t finbe — 
mnn er in biefer ©etunbe ftirbt . . . id^ finbe i[)n bod) — 
id^ finbe ii|n bod^ . . . (SJle^rum mad^t eine Söeroegung jutn 
©e^en, ernft.) ©et) nid^t \ . , , ^ä) toei^, U^arum id^ mir bie 
loftbare ©tunbe ftef)te . . . (®umpf.) SOßir ^aben noc^ ah^^ 
jured^nen, tt)ir jtDei. 

öon SlJtel^rum 

^ä) toei^ nid^t, toaS bu mir nod^ äu fagen l^aft. 

Soft 
SBcnig unb biel ... l^ör ju ! . . . ^ä) l^abe bid^ nie 
geliebt, m jutft bie sid^fein.) S)a§ t^ei^t bu Idngft . . . S)u 



^fünfter 9l!t 149 



I)aft birf) aud^ nie banad^ 9efef)nt. ^d^ bin bcin ©piet= 
jeug 9ett)eien — bein I)übfd^e§ ©pieljeug ... 2lt§ ßinb 
mit ficbictin ^aijxtn I)aben fie mic^ an bid^ t)erfd^ad^ert. 
®ie nju^ten, n)a§ fie taten — unb bu tüu^teft e§ aud^ ! . . . 
?lber if)r fcib äße, toxt i^r fein mü^t — £)arte, glatte, 
torrefte ögoiften! 

tion SOtel^rum 
Siebet Äinb — xäj f)abe bid) nid^t geraubt, ^d) 
{)atte bein freubige^ ^a — iä) I)abe bid^ nie brutalifiert — 
id^ tat aüe§ . . . 

Sofi 
(i^n unterbred^enb) 

®ie]§ mal, toit bu tügft, njie ü)x aße lügt!... 
33}ö^nft bu, idf) fei ijtntt nod) ba§ af)nunggIofe ßinb t)on 
bamal§, ba§ man lauft unb bamit befi^t — unb ba§ 
nic^tö t)erlangen lann, aU ba^ man e§ n)ie eine foft» 
bare Jlippe^figur auf bie ßtagere ftellt unb t)or ©taub 
unb 2)iebe§fingern bett)af)rt? . . . ®ag ift alfo eure ®t)e — 
^ontralt — ®en)oI)nt)eit ! . . . Sag bu — ber bu öon 
Slnbeginn enttt)eber ju jung ober ju alt trarft, eine ^rau 
ju t)erftet)en — burfteft bu überf)aupt £)eiraten? . . . §abt 
i^r, bie if)r bie S^rau — tüie mid^ — aU ßinb fauft, 
leine anbre ^Pflid^t me^r, al§ un§ gut ju bel^anbetn . . . 
S)er ßaufpreig n)irb, benfe id), erft in ber gt)e gejault! 
®u, ber bu bi§ in§ 9}larf bürr bift — bu ttjagft e§, eine 
x^xau ju nel^men, ber bu nid^t§ gibft — nid)t§? — eine 
grau, bie fid^ efelt nor beinen ßieblofungen, beinern ßu§, 
tüeit fie fid) efeln mu^ — tüeil ba§ atteg eben nur ©d)aum 
ift, bie ungei)eure ßeere beine§ Innern ju bedten? ... 
Su gabft mir nid£)t§, nid)t§, tt)eil bu nid)t§ geben 
fonnteft . . . S)arum tonnte id^ bid) nid)t lieben — 
(^umpf.) Slber treu blieb i(^ bir boc^ . . . ®§ tnar mir 



150 fünfter 9Ift 



leicht, ^d) fannte bie ßiebe nic^t. ^n ^nU, Siutnelen, 
JRetfen tüottte anä) mir boS ^erj bürr tDerben unb bie 
Sinne tot . . . (5tufatmenb.) ®a fanb id) if)n — unb fanb 
mein §erj . . . (®rnft.) 3fd) t)Qt)e gefünbigt — ba^ tüti^ 
idE). 3Iber nid^t an bir — fonbern an mix, an ii)m . . . 
Sie ©ünbe tüar ber ßufe, ber l^eimlidie ßu§! . . . S^) 
l^atte gelten mü[fen, aU id) if)n enblid^ fanb, ben id) 
liebte... (Seibenf^aftu^.) §ier, tro bu im Slugenblicf 
ftelE)ft, auf berjelben ©teile, ba l^abe id) t)erätt)eifelt auf 
ßnien t)or meiner ©d^mefter gelegen — unb fie t)at mid^ 
ge^ujungen, ge^n^ungen burd) euer bürre§ SBort: $tltdf)t . . . 
®en einzigen 3)len]df)en, ben id) liebte, fd^idte id) bamit 
in§ ®lenb — in ben S;ob. Unb fiel^ bie ßomöbie be^ 
@d^idfal§ — bu l^aft i^n gemorbet, als aUeS Vorbei n)ar. 

t)on 9Jief)rum 
Sd) tat meine ^ßflid^t al§ 3Jlann t)on @^re. 

»ofi 
®a§ ift tt)o{)l tral^r! . . . ?lid)t bu, foubern idf) ^aho 
xijn gemorbet. Db ©Ott mir hergibt — bag toei^ id) nid^t . . . 
(^umpf.) 2lber id) fterbe aud) . . . ($aufe, feft.) 3fe^t, treibt 
bu, tre§n}egen idE) bid) Ijielt. — 3d) f)abe euerm bürren 
©etoof)n^eit§red)t bie grüne 5|}flid)t be§ Öeben§ geopfert. 
^(^ begreife erft je^t ! . . . Söo^in bie ßiebe mid^ rief — 
ba gef)ört^ idf) {)in . . . (9?le^rum tnad^t eine §anbbetüegung. 
©ie tritt fc^neU auf i^n eu.) ^d) f)abe einen DJtann geliebt!... 
S5erftef)ft bn ba§? (®r pre^t bie Sö^ue sufammen.) 2lber bn 
bift fein 3Jlann! . . . 

t)on 3Jle^rum 
(faft röc^elnb) 
Sfofi ! . . . (®e^t langfam ^inau§.) 



fünfter 2{!t 151 



(fte^t noc^ eine SOßeile fd^roer atmenb, bann fc^roanft fie ju einem 

©effel, bebecft ba§ (Sefid^t mit ben §änben. ^er Drfan i)eult. 

^lö^Iid^ fpringt fie auf, bie §änbe ringenb) 

Drian — Grf an . . . ti}arum f ommft bu f o f pät ? . . . 
§ann^, id^ fomme — id^ fomme! (®iit fort.) 



Q5etlt)anblung 

€rfte ögene 

IDlort. Sne^ting!. Slrst. (gif^erptte. Sluf einem »ett in 
ber ®rfe SDlori, befinnung§Io§) 

(leife) 
3llfo feine Hoffnung? 

(mit einer ^anbberoegung) 
ßeine, §err ®raf. 

(auf unb ab ge^enb unb bann vox bem Slrjt ftel^en bleibenb) 
2lud^ nid^t trenn id^ eine !parifer Serül^mttieit l^er= 
telegrapl^tere ? ... ©ic t)eräeti)en, ®o!tor — aber eg ift 
mein befter Streunt. 

Sltjt 

(o^ne ^ifiert^eit) 
Slnd^ bann nic^t, §err ©raf . . . S^l tonnte i^m ja 
nod^ eine 2lett)ereinfpri^nng machen — aber ba§ ift nn» 
nü^e Duälerei . . . 

yiel^ringf 

(njteber ge^enb, fopfWüttelnb, für fid^) 

ßr trar bod) fo rul)ig ~ nnb fdEiie^t bod) fo brillant . . . 

Unb nid^t mal ein ßra^er! . . . Ongrimmig.) a5erflud)te§ 

©efdiidE! . . . (5)en^oftor fe^enb.) ^ßarbon, ©ie finb nod^ 

ba! . . . Sütüffen ®ie bleiben? 



fünfter 3lft 153 



Sttät 
S:urd)au§ nid^t. ipelfen lann id) nid^t. Unb in ein 
paar Stunben ift fo mt ]o alle§ tiorüber . . . SSielleic^t 
mnn er nod^mal jur Sefinnung läme . . . SBenn eS 
3^nen red^t ift, §err Oraf, promeniere ic^ in Stufnö^e 
f)ier in btn S)ünen 'rum ...(£§ ift eben nur jur aSe« 
rul^igung beS ^Patienten, tpenn er tt)ir!lidE) nod^mal auf« 

'voaä)tn joüte . . . 

Jie^ringt 
3a, ja . . . Slbieu! O^Ir^t geljt.) 

3tt)cite Sjene 

Sn e ^ r i n g f. 2)1 o r i. 

Jlel^ringl 

{am ^erbe j'tel)en bicibenb, rco ein Jcuer flammt) 
3u folcf)em 6nbe ri^Iiert man alfo feiner «Seelen 
Seliqfeit? . . . (muhndenb.) 2Jtir ift'g )d)lieBlicf) egal . . . 
3cf) {)ab'§ ja aucf) gut mit if)m gemeint . . . 33ertDünfcf)te§ 
2Bei6erjeug ! . . . (2nit bem guBe leicht oufftampfenb.) SIber 
t)erftef)'§, roer lann!... 2er gemeinfte ©c^uß, ben'5 
gibt — in ben Unterleib . . . Unb ber anbre leine 
©c^ramme! . .. (©e^enb.) 3a, ja... 2lber e§ ift fo 
bumm, fo bumm ! . . . (8tef)en blcibenb.) 2l(^ ja ! . . . 9Zun 
foll ic^ i^r and) noi) b^n legten Srief bringen . . . ®§ 
toirb mir fauer, fel)r fauer ! . . . (5:cn asricf au§ ber ^afc^c 
jie^enb unb anie^enb.) 2Ba§ mag babrin ftef)en? — 2;or« 
Ijeiten ! . . . S^er fogenannte le^te ©rufe . . . 33erbient fie 
i^n? — ^d) meiß e§ nicf)t ... (2ln ba§ S3ett tretenb.) 2)a 
liegft bu nun — unb lennft mid^ nic^t mal me^r . . . 
unb benift Dielleic^t in beinen O^ieberp^antafien, id) l)ötte 
bid^ friüol in ben %ob gefc^icft . . . (9la^benflid^.) (£§ fiel)t 
ja aud^ beinal^ fo aui . . . (^ann bie §anb be§ ^ubexnt^n 



154 fünfter ?Ift 



faffenb.) 3Jein, alter ßerl, ba^ ttiar bte 2)ietnutig ntd)t! . . . 
5(f) tDOÜte bir nur ju beinern ©tücf t)ert)elfen — über 
eine Sei(f)e tt)eg — fo eine gteid)güüige Seidie . . . (3}ot 
fid) !)in ftarrcnb unb jufällig auf ben 3^Qd)tttfd^ fel^enb.) ®a liegt 
ja aud^ nod) ber SöijdE) Don ge[tern, ben bu mir aud^ auf 
bie Seele gebunben {)aft. ^äj \oU if)n tierbrennen. (Sflimmt 
ha^ ^^apier.) ^ä) tüiW^ lieber glei($ tun ! 9lad)]^er !ommt 
no(5 bie ®eric^t§Iominiffion unb lonft^jiert it)n triomög= 
lid) . . . (©e^enb.) ©otl idf) i^n lefen? — (Sr l^at niir'^ 
erlaubt — er l^at micf) eigentliii) brum gebeten, t^eil barin 
ber ©dilüff el läge für atle§ ... Eh bien ! . . . (Steft i^n — 
bleibt fielen — lieft wteber — ge!)t — üoU ®fel.) (S(f)Iappe 
©ufe!... Unb für fo toa^ ftirbt ein gjiann!? (Sirf) 
fc^üttelrtb.) 5ßfui Seufel . . . ^$t^t enbtid) bämmerf§! . . . 
©ie l^ätte i^m f (^reiben tonnen, \va^ fie trollte — er 
ijCiW e§ bod^ überlebt . . . 2ln ber lauen Srbärmlidfifeit 
mu^te er jugrunbe gelten . . . (35eräd^tit^.) g^reunbfd)aft — 
l^erjlidie ^reunbfdE)aft ! . . . (3d)üttelt hen ^opf. ^lö^ltd^ in^ 
grimmig.) Unb an fo tt)a^ f(f)reibt man nod^ einen legten 
Srief? . . . ?lein, mein Sunge! . . . S)aB bu ftirbft — 
ba^ Derftef)' id) ! ®§ gibt einen Siel über ben man nid^t 
t)inn)egIommt . . . (Sangfam.) Slber trenn bir ber ©ebanle 
an ba^ Söeib geftern bie ©inne umnebelt, Ijeute morgen 
triö td^ Itar fein für bid^ ! . . . (33eibe S3riefe langfam 5er* 
rei^enb unb in§ geuer njerfenb.) . . . ©0 ! . . . 2öir fel)en unS 
fd)on nod), liebe Sfofi, unb bann tnerbe idE) bir fagen: 
mein S^reunb 2Jcori ftarb mit einem ßäd^eln be§ ®fe(§ 
auf ben Öil3pen — trem'g galt — ba^ n^ei^ id^ nid)t . . . 
(®§ flopft S^e^ring! ärgerli^.) 2Ba§ tnifl ber ^üb'\ä)tx fd)On 
tnieber ? . . . (®§ fiopft ftärier.) ©ottte e§ irgenbein 3leu= 
gieriger fein? — ^ä) ^abt boä) ftrüte befolgten, niemanb 
'reinjutaffen. (®ei)t sur %üx.) 



O^ünfter 3Ift 155 



§err ©raf! 



©ritte S^ene 

5^1 e 1} r i n ö f . © r n c. 

Srna 
(fd)ncll eintretenb) 



3 1 e I) r i n g ! 
(öerbiffen) 
9Jleine gnäbige ^rau, id^ erinnere mii) ntd^t, ©ie um 
2ff)ren Sefud^ gebeten ju l^aben. 

Grna 
©raf ?le]^rtng! . . . 

3( e I) r i n g I 
ßcifer, gnäbige tJrau, lücnn iii bitten barf! (5ruf ha^ 
S3ett jetgenb.) §ier liegt ein ©terbenber. 

SrnQ 

(Saftig) 
^dj Xüd^ aUt^ — meine (£cf)n)e[ter toeiß aud^ • . . 3ciÖ 
gebe i^fjuen je^t gern ^n, öerr ©raf, ba^ Sie re(f)t I)aben : 
SDlan joll nid^t ©djidfat fpielen njoüen . . . 2lber id^ fud^e 
meine ®d[)n5e[ter. ©ie ift au§ bem §oteI t)erj(^n)unben . . . 
Sßor fie I)ier? . . . ®§ träre bod) fo natürüdb . . . 

Jleljring! 
(lattgfam lüieber'^olcnb) 
®§ tüäre bodf) |o natürtid^ . . . (§art.) 3f)re ©c^n^efter 
jud^en ©ie? . . . ©näbige tyrau, id^ bin ein anftänbiger 
3D^ann — id^ fenne bie S:ame nidjt! 



156 fünfter Sllt 



®rna 
(Icifc, \f)n anfe^enb) 
©ie ^aben red^t, gons red^t — aber ©ie fogten ba^ 
beff er ju mir . . . 3lbieu ! 



Slbieu . . 



^iel^ring! 



Vierte Ggenc 

S^e^ringf. 3?lort. 

Jleljringl 

(aufatmenb) 
3[(i) möd)te il^n bod^ nod^mot bei SBefinnung l^aben 
— id^ möd^te bod) ! . . . ^t^t bin id) ®ott fei ®Qnt 
tüieber tjart . . . (®ef)t ftumpf brütenb im 3immer auf unb ab. 
^er Traufe bewegt fic^.) 

aJlori 
(mit xjerfd^Ieierter (Stimme) 
SBaffer ! . . . (Sf^e^ringt ber rafd^ unb leife an§ Sett getreten 
ift, l)ält i^m ba§ ®la§, roö^renb er trintt.) . . . S)ie Äel^Ie ift 

mir tr)ie au^gebörrt ... ^ä) lönttte immer, immerfort 
trinfen . . . 

?let)ringf 

(beru^igenb) 

Stritt! nur, trinf nur! . . . (£§ gibt mel^r. 

Slori 
(mit mattem ^opffd^ütteln) 
60 ift genug . . . ©o t)iel — ba§ f)at ja feinen ©inn . . . 
(SJlori mai^t einen ^erfud^, fid) 5u ergeben, fäHt aber fofort raieber 
jurücf.) (Sel^t nid)t . . . fd)Iap|) tx)ie immer ... 



f?ünfter 2lft 157 



Sieg nur! . . . @cf)Iaf ! ... 65 ift ba^ befte . . . 

moxx 
(nen3ö§) 
2Bq§ fcf)tt)a^t bu ba? . . . Unb xvxt fd^tno^t bu? . . . 
31I§ trenn bu aud) fo jdf)tapp tDärft, fjreb . . . 

?iet)tingl 
9teg bidö bod^ ntd^t auf! . . . 

DJlort 

(fiet)t ftier in§ 3inimer) 
2Bo bin itf) übrigen^? . . . S)q§ fannft bu mir bocfy 
trenigftenö jagen ... 

9i e I) T i n g ! 
33ei mir — gut Qufgefjoben . . . 2)u n^arft nicf)t ganj 
tüo^l, §ann§ . . . 

3)lori 
23ei bir? . . . (SSerfudjt 5U lachen unb ftiert itjieber in§ 3^^^^^ 
— nad^ einer ^$aufe.) ®u, ^reb, jefet fommen mir bie ®e=^ 
bauten tnieber . . . (Sangfam.) ©eftern ^aben n)ir gejeut . . . 
unb ba l^atte id) mit bem DJIel^rum \va^ . . . trag . . . 

9ie]^ringf 

(fid^ 5U i^m beugenb) 
Qa, ja, §ann§ . . . trarum jerbritf)ft bu bir benn 
beinen armen ßopf ? . . . @g ift ja abgetan . . . 

3Jiori 

(fortfat)renb) 

2)a 1:)attt ii) mit bem 2)iel)rum tüaS — (lac^t) htm 
6t)nc»benbaron . . . ®a§ Hingt fo bumm ! — ©ijnoben* 



158 fünfter 211t 



iaxon . . . feiger §unb ! . . . DJlu^te bod^ lauge tüag 
Tuerten . . . i^aei) einer ^4^aufe, aufgeregt.) dltiw, niäjt feiger 
^unb — ba^ ift md}t tdaijxl . . . (Sangfam.) 3ie^t bin td^ 
tt)ieber ganj Kar. ®§ tnar tüegen ber harten — unb e§ 
ttiar bodt) nid)t tregen ber harten! . . . Unb bann I)aben 
tt)ir un§ in ben ®ünen gefd^offen . . . (33eftimmt.) ^ä) be= 
iam einen ©d^uB in ben Unterleib . . . 

3ief)ringf 
2lber id) bitte bid^ — tüüt)I bod) nid^t fo alte ®e= 
fd)ldöten auf! . . . 

2)iori 
(mit einem S^erfudE) ju lad^en) 
2irte ©efd^idtiten? . . . Sa§ ift ni^t fd)Ied)t! ... Sfd) 
tnei^, Wit id) fiel — unb fd)lapp tüurbe — unb bann 
ijat mir ber ßerl, ber Slrjt, anä) nodE) fo totij getan . . . 
Öl)r t;abt n)ol)l bie Äugel gefud)t? — ^inb^t fie ntd^t! . . . 
<gür fi^.) ©i^t t)iel ju tief — t)iel ju tief . . . 

91 e l) r i n g f 
(gepreßt) 
§aft bu ©dimerjen? 

2)iori 

9tein, nur fo 'n bumpfe^ ©efü^l . . . aber id) toei^ . . . 

®er 3Riijxnm i)at gemein gut l)ingel)alten . . . mufe id^ 

i^m raffen . . . (Seife latent.) §a . . . unb bod^ nidf)t gut 

-genug . . . lange nid)t gut genug . . . (5}eginnt 5u röi^ein.) 

9tel)ring! 
(fid^ über i^n beugenb) 

§ann§, reb bod^ nid^t fo! — (3u fici^.) 2ßenn'§ einem 
an bie 9iieren gel)t, bann nü^t boc^ aller ®ntfd)lu^ nid^tS. 



fünfter 2l!t 15^ 



(nad^ einer $aiife) 
^ä) bin trieber mal fci)lapp getrorben . . . 3<ä) ^^be 
tt)Ol)l t)iel Slllt tierloren? (^^e^ring! fc^rceigt bumpf. S)lün 
nercö§.) SBarum ift ber Slr^t nid^t t)ier? 

?}e{)ring! 
(tonlo?) 
®r ift eben gegangen. 

?]lori 
®Q§ üerftel^e id) nid)! ! . , . 3^ 6in fd)n)er t)ertnunbet. 

31 e ^ r i n g I 
®§ ift nid)t fo fd)Umm. 

®u lügft: 

3] e l) r i n g f 
(be§ ^ratifen §anb btücfenb) 
§Qnn§! 

9}iori 
(njiH ftcf) lo^mac^en) 
3d) Wiü tt)iffen, tt)ie*§ mit mir fte^t. (S^eljtingf fdEiroeigt 
tt)ieber.) 3fd) mill, Sreb! 

3^ e f) r i n g f 
(gequält) 
3rag nid^t! — 

moxi 
(nad^ feiner §anb foffenb, liebeooH) 
Sreb — alter fjteb . . . 



160 fünfter 2ltt 



(fur^tbar eriegt) 
grag nid^t ! frag mäjt ! . . . 39rtng mxäj nid^t äum 
Reuten ! . . . (^umpf.) Jßertüünfd)! ! 

aJtori 
(ganj leife) 
3d) mu^ c§ aber tüiffen, greb — id) mu^ ! . . . @ei 
hoä) fo gut! . . . 

?lef)ringf 
(ber eine 2Beile in furd^tbarem ^ampf bogefeffen, plö^ltd^ auf^ 
fpring enb — faft brutal) 
3)U fttrbft ! (®e^t im 3immer rafd^ auf unb ab.) 

3Roxx 
(eine 2BeiIe ftumm liegenb) 
e§ tft ju Qlbern! . . . ,,S)u ftirbft" ... tt)te ®i§ — 
unb S^ad^t — fo !üt)t unb fö bunfet . . . (Sßieber ftitt liegenb. 
^ann plö^lid^ energijd).) ?lun moUen tt)tr obtX mal ®d)tdt)t 
madien! Sftf) bin bic le^te 3^it gerabe fd^lapp genug 
getnefen . . . (3u 9^e^rtng!.) ©djieb mir bie Riffen etraag in 
ien a^üdten -- id^ tDill fi|cn. (£§ gef)t! (srie^ring! tuf§. 
sjiori, fid) umfei)enb.) 3fd) bin alfo in einer gifdEierfate — 
unb trerbe anä) in ber fterben . . . (Sn anberm Son.) ^ä) 
fterbe gern, Sreb ! — ^ä) ijobt ja nid£)t§ anbre§ getDoüt. 
^i) fterbe um einer f?rau tüiüen — unb e§ ift gut fo! . . . 
©ag il^r ba^ aber ni(f)t! ... 6g toar, tvxt e§ n3ar — ein 
©treit am ©pieltifd) — ein unglüdlid)er 3ufött . . . S)u 
toirft ba§ notttienbige ®efidf)t baju fd^on finben . . . ©ag, 
J^aft bu ben beraubten SSrief t)erbrannt? 

Jle^ringf 
(t)erbiffen) 
3a! 



{fünfter Slft 161 



ajlort 
Unb bcn id^ bir für fie gab? 

?l e f) r i n 9 ! 

(finfter) 

®cn ijobt iä) aud^ t)crbrannt. 

ajtori 
(sufammensucfenb) 

S)Q§ ]^q6' td^ bir nidE)t aufgetragen ! . . . 2^m ©egen« 
tett . . . 

9U 1^ r i n g I 
(ftnftcr) 
SBei^ tdf). (8c^roetgt.) 

aJiori 
Sitte, erltäre bid^! 

91 e 1^ r i n g I 
(nad^ einer ^aufe, fc^roer atmenb) 
3tf) tt)iü bir tüa§ fagen, §ann§: S<i) ^^^^ ^^r nod^ 
mäjt äef)n 9Jliniiten il^ren Srief getefen — unb id^ t)er» 
üd)te ba§ O^rauenjimmer t)on ©runb meiner Seele, (snori 
^ucft roieber sufammen.) ^ä) fann bir nid)t i)elfen — unb 
ic^ ntag'S aud^ ni(f)t! . . . ©ief) mal, id) bin gemiffer» 
ma^en an bem aßen fc^ulb — id^ ijobt tnä) aufeinanber 
geliebt — aber @ott ift mein S^i^Ö^' ^^'ft i^ ^^^^^ 2tugen= 
btidC, tno e§ fo fommen mufete . . . ba tooUtt iä) bir 
n)enigften§ bie fdE)neII[te unb befte ®ntfdE)eibung fidlem — 
„ben ßerl tot! — baS anbre fommt bann t)on felber" . . . 
^ä) ijaht bamit ettra§ getan, \m^ man tro^bem nur für 
feinen beften greunb tut. 

93Zori 
Sitte, tceiter! 



162 fünfter Slft 

?l e t) r i n g ! 
Slber tuet bid) tu SBal^xfjeit {)ingemoxbet i)at — ba^ 
ift fte ! — i^atno^l ! ... Sie t)xaucf)te bie ©efd^id^te nidit 
onäufangeti, ober fie muBte [ie lt)enigften^ ju ®nbe führen . . , 

2)iori 
23itte, tnetter ... 

?i e I) r i n g f 
Unb fie f)at biet) bafür feige im ©tief) getoffen — 
unb ttxxakn — um fold)eu ßerl! (Sn tieffter Bewegung 
S)loxi§ Uib^ §änbe faffenb.) Sie trei^ aüeg — fie toei^, büB 
bu f)ier üegft, fie toeiB, triie e§ mit bir ftet)t! 

moxi 
©ie tDeife uid^t ! . . . ©ie toeiß gauj fidler uicf)t . . . 

S^el^riugf 
Uub id) fage bir, fie tneiß — uub fie ift mcf)t ge» 
tommeu ! 

3Roxi 
(Doa Dual) 
S)aö ift uid)t n3af)r! — S)a§ ift uic^t n)af)r! 

Jie^riugf 
Uub eö ift bod) tra^r ! . . . SSor f üuf 3Jliuuteu trat 
i^re ©(^UJefter l^ier . . . ©el6ft bie i)at fie l^ier gefud)t — 
felbft bie! ... ©ie l^at mir fel6ft gefagt: 3ofi trei^ 
aUt^l . . . 

gjiori 
(in Raufen) 
®u . . . 3reb . . . toeuu bu tügft . . . njeuu if)r alle 
lügt . . . votnn e§ boä) ui(i)t tüai)X ift . . . 



fünfter Slft 163 



9le]^rtttgf 

(in ^öd^fter ©rregung) 
g§ tft tt)al)r! Sei ©ott bem Siamäditigen ! . . . S^ 
i}attt gett)ä{)nt, tnentgfteng ber S;ob tüürbc biefe f(eine 
3^etgf)ett aufJjeben . . . aJlenfd), bu ftirbft — el tft fein 
©d^erj! 5lber id^ fleije bidE) an: (Stirb mit einem tJtud^ 
auf ben ßippen unb nidE)t mit einem ©egenStüunfdf) ! 

ajiori 
9Zimm mir bie Riffen tüieber tDeg! . . . i%vLV§. Seife unb 
langfam.) 5llfo fie trufete — unb fam nid^t . . . ^a, aller» 
bing§ . . . bann l^aft bu red)t . . . ba§ ift feige ... er« 
bärmlic^! . . . S)u tateft tx)oI)t baran, ba^ bu ben Srief 
t)erbrannteft . . . n)o]^( baran . . . 

fünfte 65cne 

3^0 r ige. 3ofi. (2)ic 2:ür öffnet fic^. Soft tritt herein, rafd^. 

S'le^ring! abgeroanbt, mad^t eine heftige Strmbenjegung , ben ®in* 

bringling, ben niemanb fie^t, ^urücfsufc^recfen. Qofi hUibt he-- 

roegungslo^ fteE)en.) 

91 e ]^ r i n g f 
(finfter) 
©0 lieb' idt) bid^! S)u fagft, tt)a§ bu mu^t. 

ajiori 

(langfam, al§ raenn er su if)r fprä^e) 

Sofi, id) f)abe an bidE) geglaubt . . . auc^ bann nodE) . . . 

bi§ je^t . . . ba§ ift Vorüber — ganj vorüber! . . . ©o 

feige ! . . . (3u greb.) ®ib mir beine §anb ! ®§ get)t }u 

Gnbe . . . i^W fc^rainben bie 8inne. @r rcieberl^olt roieim^raum:) 

i^ofi . . . 3rOfi (lange $aufe, bann gansbeutlidE) mit einem Säckeln:) 

unb xä) Hebe bid^ bod^ . . . 

(Soft bri^t in bem SO^oment mit einem Schrei tot jufammen.) 




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